Vereinbarkeit von Beruf und Pflege

Pflege ist kein Tabuthema mehr

31.12.2011

„Die Nachfrage nach Pflege steigt“, weiß Matthias Wentland, Personalverantwortlicher und Mitglied der Geschäftsführung des Unternehmens Pflegeteam Wentland. Der demografische Wandel führt dazu, dass der Bedarf nach Pflegediensten schon heute deutlich anzieht. Hinzu kommt, dass die Ansprüche an professionelle Hilfe gestiegen sind. „Berufstätige, die ihren Job nicht aufgeben wollen, sind heute eher bereit Unterstützung in Anspruch zu nehmen“, berichtet Doris Wentland, stellvertretende Geschäftsleitung des Pflegeteam Wentland.

Der Familienbetrieb Pflegeteam Wentland wurde 1995 in Rheinbach gegründet. Fünf Mitarbeiter sind mit 20 Patienten in der Pflege gestartet. Bis heute ist die Zahl der Patienten auf 400 angestiegen.

Mittlerweile ist Pflegeteam Wentland mit 250 Mitarbeitern einer der größten  privaten Pflegedienstleister im Rheinland, der die Bereiche klassische Pflege, Intensivpflege und alternatives Wohnen vereint.

Pflege für Ängehörige kaum planbar

Doch welchen Stellenwert hat das Thema Pflege in den Unternehmen? Sind die Betriebe für pflegende Angehörige und ihre Herausforderungen angemessen sensibilisiert? Dazu weiß Doris Wentland, dass die Angehörigen häufig mit dem Thema Pflege nichts zu tun haben, bis dass in der eigenen Familie ein Fall eintritt. Oft treten diese Situationen plötzlich ein. Die betroffenen Angehörigen stehen dann vor einer großen organisatorischen und auch emotionalen Herausforderung und wissen oft gar nicht, wo sie anfangen sollen. Die Pflege von Angehörigen ist nicht mit Kinderbetreuung vergleichbar. Der Umgang mit Alter und Krankheit ist für viele eine große Belastung. Pflege ist kaum planbar, da Krankheiten oft plötzlich und unvorhergesehen eintreten. „In diesen Fällen ist die Aufklärung das wichtigste für die pflegenden Angehörigen“, sagt die stellvertretende Geschäftsleitung.

Im Jahre 1995 haben sich Albert und Helene Wentland dazu entschieden ihren eigenen Pflegedienst aufzubauen. Heute ist die gesamte Familie Wentland im Unternehmen tätig - Matthias, Evelyn, Doris, Philipp und Sarah Wentland. (v.l.)

Es gibt viele Möglichkeiten, wie Arbeitgeber ihren Mitarbeitern entgegenkommen können, wenn sie ihre Angehörigen selbst pflegen wollen und nicht aus dem Beruf austreten möchten. „Pflege sollte zunächst nicht als Tabuthema behandelt werden. In Notfällen ist es für die Angehörigen schon eine Hilfe, wenn sie Sonderurlaub bekommen können,“ weiß Matthias Wentland. Flexible Arbeitszeiten, Rücksichtnahme in der Arbeitsorganisation und Personalentwicklung führen dazu, dass die pflegenden Angehörigen nicht auf ihren Job verzichten müssen und die Unternehmen ihre Fachkräfte halten können. Oft reicht es schon aus, wenn Arbeitgeber ihren Mitarbeitern signalisieren, dass sie Verständnis für den Pflegewunsch der eigenen Familienangehörigen haben und diesen Einsatz schätzen.

Gesetz zur Familienpflegezeit

Am 20. Oktober 2011 wurde das Gesetz zur Familienpflegezeit beschlossen. Danach können pflegende Angehörige bis zu 2 Jahre ihre Arbeitszeit reduzieren.

Unternehmen können mit dieser Grundlage pflegende Angehörige unterstützen und die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf verbessern. Weitere Infos finden Sie unter http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Presse/pressemitteilungen,did=167518.html
                                       

Carina Nillies