Vielen Unternehmen mangelt es an der Notfallplanung

Akte X... oder wenn der Chef ausfällt

10.06.2010

Ein Unfall auf dem Weg zum Kundentermin oder eine schwere Krankheit reichen aus, um ein Unternehmen handlungsunfähig zu machen. Was geschieht, wenn ich morgen nicht mehr in meinen Betrieb gehen kann? Diese entscheidende Frage stellen sich nur die wenigsten Firmeninhaberinnen und -inhaber. Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft Unternehmerplan GmbH aus München verfügen nur ca. 15 Prozent aller mittelständischen Unternehmen über einen ausreichenden Notfallplan. „Mehr als jeder zweite Unternehmer hinterlässt keine Aufzeichnungen, obwohl statistisch gesehen immerhin ca. 30 Prozent aller Unternehmensnachfolgen unfreiwillig und in der Regel mit erheblichem Wertverlust erfolgen mussten“, sagt Karl Reiners, Bereichsleiter Existenzgründung/Existenzsicherung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg.

„Ein Notfall kommt immer ohne Termin! Gerade in mittelständischen, inhabergeführten Unternehmen läuft ohne den Chef nichts, weil alle Entscheidungen über seinen Tisch gehen. Besonders gefährdet sind Einzelunternehmen oder Familienbetriebe, die für den Fall der Fälle nicht vorgesorgt haben, und deren Existenz dann am seidenen Faden hängt“, sagt Barbara Stein, Vorsorge-Fachberaterin von „Patienten-Verfügung & Co“ in Bonn. Betriebs-Versicherungen, Berufsunfähigkeits-Renten und Todesfall-Leistungen können eine solche Situation zwar finanziell etwas abfedern, aber die erforderliche Organisation nicht ersetzen.

  • Ist die Prokura mit einer wirksamen Vollmacht geregelt?
  • Wo sind Kundenlisten, Lieferanten-Adressen, Schlüssel, Usernamen und Passwörter hinterlegt?
  • Wer ist die zuständige Notars- und Steuerberatungs-Kanzlei?

Barbara Stein

Ohne die Weitergabe von betrieblichen Informationen und konkreten Arbeitsanweisungen an eine geeignete Vertretung bleiben die vom Chef vereinbarten Sonderkonditionen für Kunde X unbekannt. Ohne Bankvollmacht für das Firmenkonto können Telefon, Gehälter, Lieferanten, Umsatz-Steuer und Sozialversicherungsbeiträge nicht gezahlt werden. Das hat auch weitreichende rechtliche Konsequenzen. Auch die Sicherstellung des eigenen hart erarbeiteten „Lebenswerkes“ sollte ein wesentlicher Teil der unternehmerischen Strategie sein, und insbesondere auch von Gründern ausreichend beherzigt werden.

Gerade junge Unternehmen sind schnell „ausgeblutet“, da hier ein entsprechendes Rückdeckungs-Kapital, genügend Belegschaft und der Vertrauens-Bonus langjähriger Geschäftsverbindungen oft noch nicht aufgebaut werden konnten. Aufgrund unklarer Zukunftsaussichten besteht auch bei Traditionsunternehmen die große Gefahr, dass die  treuesten Mitarbeiter und die besten Stammkunden von der Konkurrenz abgeworben werden. „Wenn die Firmenführung nur 14 Tage ausfällt, und nichts geregelt ist, reicht das schon aus, um den Betrieb in ernsthafte Gefahr zu bringen“, sagt Reiners.

Barbara Stein,
www.patientenverfuegung-experten.info