Wir kommen zu Ihnen: IHK-Betriebsbesuche bei der Ascem GmbH

Kosten sparen durch Energieeffizienz

11.10.2010

Energie zu sparen, ist einfacher, als viele denken. Manche Einsparpotenziale liegen nahe, auf andere muss man aber erst einmal gestoßen werden. Die IHK Bonn/Rhein-Sieg gibt Tipps und Informationen – unter anderem auch zum Sonderfonds Energieeffizienz der KfW-Bankengruppe – Förderung von Energieeffizienzberatungen.
Die Halle ist nicht zu übersehen. Sie umfasst eine Fläche von knapp 9.000 Quadratmetern – zwei Fußballfelder – und ragt zwölf Meter in die Höhe. Platz genug für Produktion und Büros der Arndt Schäfer Chemie und Umwelt GmbH, kurz: Ascem, und andere gewerbliche Mieter. Das Unternehmen aus Windeck-Schladern stellt gießereitechnische und metallurgische Erzeugnisse her, vor allem Salzkerne für Gussteile. Diese dienen, zum Beispiel in Automobilgießereien und in der Halbzeugindustrie, als Platzhalter, etwa für Hohlräume oder Kühlkanäle.

Die Halle wird beheizt und beleuchtet, bei der Produktion kommt Druckluft zum Einsatz – das Unternehmen verbraucht viel Energie. Vor einiger Zeit lernte Unternehmer Arndt Schäfer die Umwelt- und Energiereferentin der IHK Bonn/Rhein-Sieg, Ingrid Kessler, kennen. Sie besuchte das Unternehmen, und Schäfer sprach sie auf das Thema Energie an: „Ich wollte einmal grundsätzlich wissen: Was können wir tun, um Energie und damit Kosten zu sparen?“ Ingrid Kessler informierte den Unternehmer über die Möglichkeit einer Initialberatung für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Sachen Energieeffizienz. Durchgeführt von einem zertifizierten Beratungsunternehmen, gefördert durch die KfW, und zwar mit 80 Prozent der Beratungskosten.

Schäfer überlegte nicht lange und nahm die Beratung in Anspruch. „Als ich die Ergebnisse erhielt, war ich überrascht, mit welch geringem Aufwand wir Energie einsparen können“, freute sich Schäfer, als er von dem Beratungsunternehmen die energetische Bewertung seiner Firma überreicht bekam. Diese listet eine ganze Reihe von Einsparpotenzialen auf – von der Produktion über die Beleuchtung bis zur Wärme. Zwei Beispiele:

  • In Sachen Licht sattelte Schäfer von bisher verwendeten Leuchtstofflampen der Stärke T8 auf T5 um – und spart seitdem 40 Prozent der Beleuchtungskosten bei weiterhin ausreichender Leuchtkraft.
  • Für die Reinigung des Staubfilters in der Produktion und andere Vorgänge benötigt Ascem Druckluft. Bisher betrug der Druck acht Bar – heute sind es sechs. Dies reicht ebenfalls aus und spart zwölf Prozent Energie ein.

Darüber hinaus sprach Schäfer mit den Energieeffizienz-Experten über das Thema Solarenergie. Die Berater teilten seine Einschätzung: Die rund 7.000 Quadratmeter Dachfläche der Halle bieten sich für eine Photovoltaik-Anlage an. Also ließ Schäfer das Dach prüfen – und bereitet es für die Installation einer Photovoltaik-Anlage vor. Ascem wird die Anlage indes nicht selbst betreiben, sondern die Dachfläche an einen Investor vermieten. Derzeit laufen Sondierungen mit Mietinteressenten. Von den Mieterlösen kann das Dach für die langfristige Nutzung saniert werden – eine Voraussetzung für die Installation. „Außerdem werten die Photovoltaik-Anlage und die Dachmaßnahmen die Immobilie deutlich auf“, weiß Schäfer. Nach Installation der Anlage wird der erzeugte Strom dann ins regionale Netz eingespeist.

Und noch etwas hat der Unternehmer mit den Beratern erörtert: Er möchte ab 2011 verstärkt auf Kraft-Wärme-Kopplung setzen. Bei Ascem und den angesiedelten Mietern gibt es genügend Produktionsprozesse, bei denen Abwärme entsteht. Daraus könnte Energie für andere Prozesse, etwa die Brauchwasser-erwärmung, gewonnen werden. Die Idee dahinter: Energie dort, wo sie anfällt, zu nutzen. Von diesem Anliegen möchte Schäfer möglichst viele Unternehmen und auch die Gemeinde Windeck überzeugen. So fand vor vier Monaten im Rahmen des Forums Innovation der IHK Bonn/Rhein-Sieg ein Workshop statt zum Thema „Konzepte für die lokale Zusammenführung von Wärmeerzeugern und -nutzern“. Der Anstoß kam von Schäfer.

Energie sparen heißt für den Unternehmer auch: Kosten sparen. Was Arndt Schäfer antreibt, ist aber etwas anderes: „Ich mache mir viele Gedanken über umweltfreundliche Verfahren und Energieeinsparung“, sagt der Unternehmer. „Denn ich habe drei Kinder, und denen will ich eine lebenswerte Umwelt hinterlassen.“

Lothar Schmitz,
freier Journalist, Bonn