Wirtschaftslagebericht der IHK Bonn/Rhein-Sieg zum Jahresbeginn 2019

Brexit sorgt für Klimaabkühlung

12.02.2019

Konjunkturklimaindikator Jahresbeginn 2019Die anhaltende Unsicherheit im Hinblick auf die Entwicklung des internationalen Handels und der Weltwirtschaft wirkt sich zum Jahresbeginn auch auf das Konjunkturklima in der Region Bonn/Rhein-Sieg aus. Der IHK-Konjunkturklimaindikator geht zum dritten Mal in Folge leicht zurück. 122 Punkte bedeuten den schlechtesten Wert seit zwei Jahren und deuten auf eine anhaltende Phase gebremsten Wachstums hin.

Dies ist das zentrale Ergebnis der IHK-Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn 2019.
Erneut dominieren hier die Erwartungen an die kommenden Monate das Bild. Der Anteil der optimistischen Unternehmen geht leicht zurück. Jedes sieb-te Unternehmen erwartet eine Verschlechterung der Geschäfte. Hier spielt die immer noch ungelöste Frage des Brexit und die damit verbundene Unsicherheit eine wichtige Rolle. Hinzu kommen bestehende oder drohende Handelskonflikte beispielsweise mit den USA, China oder Russland.

Als Folge rechnen die Unternehmen für die kommenden Monate insgesamt mit einem Ende des Exportwachstums. Diese Unsicherheit führt dazu, dass die Investitionsbereitschaft nicht mehr so deutlich zunimmt - nur noch jedes dritte Unternehmen plant mehr zu investieren.

Die Beurteilung der aktuellen Lage fällt dagegen nahezu unverändert gut aus. Nur neun Prozent bezeichnen ihre Situation als schlecht, fast die Hälfte ist nach wie vor sehr zufrieden. Die Beschäftigung wird in der Region weiterhin zunehmen, die Unternehmen wollen weiterhin tendenziell Personal aufbauen. Bedingung ist, dass die passenden Fachkräfte vorhanden sind und auch gefunden werden.

Dienstleistung

Das Geschäftsklima in der Dienstleistungsbranche zeigt sich auch zum Jahresbeginn weiterhin unbeeindruckt von den internationalen politischen Entwicklungen. Gestützt wird der Index von einer unverändert sehr erfreulichen Einschätzung der aktuellen Geschäftslage. 56 Prozent der antwortenden Unternehmen bezeichnen diese als gut, nur acht Prozent als schlecht.

Die Erwartungen für die kommenden Monate sind gegenüber den letzten Umfragen nahezu unverändert, allerdings nimmt der Anteil der Pessimisten leicht zu. Die Investitionsbereitschaft geht im Vergleich zur Herbstumfrage leicht zurück, ist insgesamt aber weiterhin deutlich auf Expansion ausgerichtet. Auch im Jahr 2019 benötigt die Branche zusätzliche, gut ausgebildete Fachkräfte. Mehr  als jedes dritte Unternehmen plant eine Erhöhung der Beschäftigung.

Industrie

In der Industrie verliert der IHK-Geschäftsklimaindex zum zweiten Mal in Folge deutlich an Boden. Ausgelöst wird diese Verschlechterung des Klimas durch die negativere Einschätzung der Lage und der Aussichten für die kommenden Monate. Die anhaltende Unsicherheit beim Thema Brexit und die anhaltenden Handelskonflikte zwischen den USA, China und der EU schlagen jetzt voll auf die Konjunktur in der Region durch. Zum Jahresbeginn bezeichnet nur noch ein gutes Drittel der Industrieunternehmen die aktuelle Situation als gut. Die Zukunftserwartungen fallen negativer aus. 30 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung der Geschäfte.

Einzelhandel

Nach dem Auf und Ab in den vergangen Jahren entwickelt sich das Geschäftsklima jetzt seitwärts. Dabei hat sich die Einschätzung der aktuellen Lage sogar noch ein wenig verbessert. Dazu passt die Umsatz-entwicklung in den befragten Unternehmen. Fast 40 Prozent berichten von gestiegenen Umsätzen, nur noch 16 Prozent verzeichnen einen spürbaren Rückgang. Die Erwartungshaltung lässt darauf schließen, dass sich der Einzelhandel in der Region auch im laufenden Jahr konstant entwickeln wird. Die Investitionen werden bei den bestehenden Unternehmen weiterhin leicht zunehmen.

Information und Kommunikation (ITK)

Die Informations- und Kommunikationswirtschaft wird auch im Jahr 2019 einer der Wachstumstreiber in der Region bleiben. Die Unternehmen wollen die Beschäftigungsumfänge weiterhin deutlich erhöhen. Limitierender Faktor ist hierbei immer öfter der Mangel an ausreichend qualifizierten und zu den Anforderungen passenden Fachkräften. Zwei von drei Unternehmen sehen hierin ein Hauptrisiko für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Die Basis für die hohe Nachfrage nach Fachkräften bildet eine seit Jahren sehr gute aktuelle Geschäftslage. Ebenfalls auf einem sehr guten Niveau bewegen sich die Erwartungen an die kommen-den Monate. Über 80 Prozent rechnen mit zunehmen-den oder zumindest gleichbleibenden Geschäften.

Gastgewerbe

Der IHK-Geschäftsklimaindex für das Gastgewerbe kann erstmals seit Ende 2017 wieder eine Aufwärts-bewegung verzeichnen. Grund für den Aufschwung ist eine deutlich bessere Beurteilung der aktuellen Geschäftslage. 55 Prozent der Gastronomen und Hoteliers berichten von guten Geschäften. Die Zukunftserwartungen sind nach wie vor eher zurückhaltend. Auf diese anhaltend trüben Aussichten reagiert die Gastronomie mit Einschränkungen bei den geplanten Investitionen.

Verkehr

Auch an der Verkehrsbranche gehen die Entwicklungen in der Weltwirtschaft nicht spurlos vorbei. Zum ersten Mal seit 2016 verzeichnet der IHK-Geschäftsklimaindex aktuell wieder einen klaren Rückgang. Auslöser ist eine deutlich schlechtere Einschätzung der aktuellen Geschäftslage. Auch bei den Erwartungen hat der Pessimismus zugenommen. Jedes fünfte Unternehmen rechnet in Zukunft mit einer Verschlechterung der Geschäftsentwicklung. Dem stehen nur 17 Prozent gegenüber, die eine spürbare Verbesserung erwarten. Auch das im Herbst noch sehr gute Investitionsklima hat sich merklich abgekühlt.

Erwartungen der Branchen


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