Zu Hause am Rhein:

Ausländische Unternehmen im Rheinland

10.06.2011

Für ausländische Unternehmen ist das Rheinland die attraktivste Region Nordrhein-Westfalens. Dies belegt eine aktuelle Studie der IHK-Initiative Rheinland. Die fünf Industrie- und Handelskammern im Rheinland – Aachen, Bonn/Rhein-Sieg, Düsseldorf, Köln und Mittlerer Niederrhein – haben zusammen 420.072 Mitgliedsunternehmen, von denen 38.789 oder 9,2 Prozent ausländisch geprägt sind. „Somit ist jedes elfte Unternehmen im Rheinland in ausländischem (Kapital-)Besitz“, erklärt Karl Reiners, Bereichsleiter Außenwirtschaft der IHK Bonn/Rhein-Sieg. Von den ausländischen Unternehmen sind 8.558 in das Handelsregister (HR) eingetragen, die übrigen 30.231 sind Einzelunternehmen beziehungsweise sogenannte Kleingewerbetreibende (KGT).

Die Unternehmen oder das Unternehmenskapital stammen dabei aus insgesamt 163 Staaten – von A wie Ägypten bis Z wie Zypern. Bei den Kleingewerbetreibenden liegen die Türken mit 18,8 Prozent an der Spitze, gefolgt von den Polen mit 18,4 Prozent. Während türkische Unternehmer vor allem in Gastronomie und Handel tätig sind, sind die Polen insbesondere im Baugewerbe aktiv. Bei den Handelsregister-Firmen sind die Niederländer mit 1.720 Betrieben (20,1 Prozent) Spitzenreiter. Mit deutlichem Abstand folgen dann Großbritannien (897 Unternehmen, 10,5 Prozent), die Schweiz (715 Unternehmen, 8,4 Prozent), die USA (712 Unternehmen, 8,3 Prozent) und Belgien (519 Unternehmen, 6,1 Prozent). Auf diese fünf Länder entfallen 53,4 Prozent der ausländischen Unternehmen.

Zahlen aus Bonn/Rhein-Sieg

Bei den 513 im Handelsregister eingetragenen Unternehmen liegt die Schweiz mit 73 Unternehmen auf Platz eins vor den Niederlanden (52), den USA (48) und Österreich (43). Der hohe Anteil Schweizer Unternehmen ist insbesondere auf den Deutschland-Sitz der Zurich Versicherung mit diversen Gesellschaften in Bonn zurückzuführen. In Troisdorf ist der Deutschland-Sitz des niederländischen Logistikers TNT Express beheimatet, in Bonn-Oberkassel die Europa-Zentrale der belgischen Agfa HealthCare. Viele ehemals deutsche Industrieunternehmen finden sich heute im ausländischen Besitz. Das gilt z. B. für Kautex Textron (Niederlande) und Hayes Lemmerz (USA), Moeller Eaton (USA), GKN Walterscheid und GKN Sinter Metals (England), Zelter (Indien),  Trocellen (Japan) und Hennecke (Österreich). Bei den Branchen liegt der Handel/Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen mit 153 HR-Unternehmen vor der Erbringung von  Unternehmensnahen Dienstleistungen (120) und dem Verarbeitenden Gewerbe (65). Auch hier fällt der hohe Anteil von Dienstleistung und Handel auf.

Bei den 3.186 Kleingewerbetreibenden liegen die türkischen Unternehmen mit 498 vor Polen (407), Italien (216), Griechenland (184) und dem Iran (167). Insgesamt sind 118 verschiedene Nationalitäten verzeichnet. Diese große Bandbreite ist unter anderem auf die Funktion Bonns als ehemalige Bundeshauptstadt zurückzuführen. Im Umfeld der Botschaften und Konsulate siedelten sich Angehörige vieler Nationalitäten in Bonn und der Region an. Bonn verfügt heute als deutsche UNO-Stadt mit zur Zeit 19 Sekretariaten und rund 800 Mitarbeitern aus über 150 Nationen über ein ausgeprägtes internationales Flair, das von über 150 Nicht-Regierungsorganisationen im Bereich Nachhaltigkeit/Entwicklungspolitik und der Deutschen Welle mit fast 1.000 Mitarbeitern noch verstärkt wird. Bei den Branchen ist der Handel/Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen mit 831 vor dem Gastgewerbe (498) und der Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (492) besonders stark vertreten.

Die ausländischen Unternehmen stellen insbesondere auf dem industriellen Sektor einen wichtigen Arbeitsplatzfaktor dar. Unter den 30 größten Arbeitgebern unter dem Dach der IHK Bonn/Rhein-Sieg rangieren mit der Zurich Gruppe (1.675 Arbeitsplätze), Kautex Textron (681), GKN Walterscheid (620), TNT Express (611), Hayes Lemmerz (590), UPS (493), GKN Sinter Metals (463) und Hennecke (357) immerhin acht ausländische Unternehmen. Besondere Unterstützung bietet die IHK bei der Existenzgründungs- und Finanzierungsberatung für ausländische Unternehmer – auch in Verbindung mit den Aktivitäten der Außenwirtschaftsabteilung. In den vergangenen Jahren ist eine deutliche Tendenz in der Ansiedlung von Selbstständigen aus Osteuropa festzustellen. Um die Ausbildungsquote ausländischer Unternehmen zu fördern, werben Unternehmer aus unterschiedlichen Ländern auf der IHK-Webseite www.jetzt-ausbilden.de in ihren Muttersprachen für die duale Ausbildung.

Michael Pieck