100 Jahre Sanitätshaus Büchner: Kein Job, sondern Lebensaufgabe

Das besondere Unternehmen

08.05.2018

Das Team des Sanitaetshauses BuechnerDie Frage nach Kompressionsstrümpfen ist einigen Damen und Herren sichtlich unangenehm. Sie stehen mitten im Berufsleben, treffen sich regelmäßig zum Sport und nun so etwas: Der Arzt verordnet Kompressionsstrümpfe, um die Venen zu entlasten. "Jetzt muss ich diese Strümpfe tragen. Gibt es etwas Schickes?" Diese Frage hören Ursula Schmidt-Amberg und Karin Lancier häufig.

"Früher nannte man einen Kompressionsstrumpf auch Gummistrumpf. Das hat sich sehr verändert. Inzwischen bieten wir modische Businessstrümpfe und -strumpfhosen in verschiedenen Farben an. Es gibt sie sogar mit Swarovski-Kristallen", sagt Karin Lancier. Gemeinsam mit ihrer Schwester Ursula Schmidt-Amberg führt sie das Sanitätshaus Büchner in der Bonner Innenstadt in der dritten Generation. Es feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen.

Nicht nur Kompressionsstrümpfe veränderten sich im Laufe der Jahre, sondern auch Einlagen, Bandagen und Orthesen, die z.B. Rücken, Knie- oder Fußgelenke stabilisieren. Sie sind inzwischen aus Material, das leicht zu tragen und zu pflegen ist. Denn viele Kunden fragen nach Komfort.
"Unsere Kunden haben nahezu alle ein großes Verantwortungsgefühl ge-genüber dem eigenen Körper. Von uns erwarten sie ein fundiertes Wissen", sagt Schmidt-Amberg.

Das Leben wieder lebenswert machen

Das medizinische Hintergrundwissen vermitteln die beiden Geschäftsführerinnen auch ihren Auszubildenden. Denn an den Berufskollegs gibt es keinen speziellen Zweig für den Sanitätsfachhandel. Auch die übrigen der insgesamt 15 Mitarbeiter bilden sich regelmäßig in Schulungen weiter.

Doch es geht um mehr: "Unsere Mitarbeiter zeigen einen unglaublichen Einsatz. Sie sind mit Herz und Verstand dabei, um das Leben unserer Kunden, die manchmal starke gesundheitliche Probleme haben, wieder lebenswert zu machen. Für sie ist die Arbeit kein Job, sondern eine Lebenseinstellung." Dazu gehört auch, bei offenen Fragen den behandelnden Arzt anzurufen.

Mit den Krankenversicherungen steht das Büchner-Team ebenfalls ständig in Kontakt. Denn Rezepte für Kompressionsstrümpfe, Rückenstützbandagen oder Orthesen müssen von der Kasse häufig genehmigt werden. "Dank der Digitalisierung dauert die Genehmigung heute nicht mehr lang", sagt Lancier. "Wenn wir morgens einen Kostenanschlag einreichen, ist er häufig bereits nachmittags genehmigt. Früher dauerte es über den Postweg mehrere Wochen."

Hilfe für Kriegsversehrte

Ernst Büchner, Großvater der beiden Geschäftsführerinnen, eröffnete das Geschäft am 1. April 1918 an der Bonner Kölnstraße. "Etwa ein halbes Jahr später endete der Erste Weltkrieg", erzählt Schmidt-Amberg. "Kriegsversehrte kehrten heim, sie benötigten Prothesen, Krücken und Bandagen." Die ersten Jahre waren für Büchner und seine Frau Frieda schwierig, denn die deutsche Wirtschaft lag am Boden, 1923 kam es zur Hyperinflation.

Das Sanitätshaus Büchner überstand die schweren Anfangsjahre, 1927 zog es an seinen heutigen Standort in der Bonngasse. In der Werkstatt am Haus gab es große Räume, in denen z.B. Ganganalysen gemacht wurden, um Prothesen individuell herzustellen. "Nach dem Zweiten Weltkrieg war unser Unternehmen sehr breit aufgestellt", sagt Lancier. "Heute fertigen wir keine Prothesen mehr an." In der hauseigenen Werkstatt entstehen nun Orthesen, also feste Bandagen.

Ursula Schmidt-Amberg und Karin LancierDie Schwestern Ursula Schmidt-Amberg (l.) und Karin Lancier führen das Sanitätshaus Büchner in dritter Generation.

Schmidt-Amberg und Lancier traten Mitte der 70er Jahre ins Unternehmen ein. Nach dem Abitur absolvierten beide im Abstand von zwei Jahren eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau. Schmidt-Amberg bildete sich zur Ausbilderin weiter. Lancier besuchte berufsbegleitend die Meisterschule in Düsseldorf, sie machte ihren Meister im Orthopädie-Technikerhandwerk.

Das Familienunternehmen prägte Kindheit und Jugend, so die Schwestern einhellig: "Unsere Großmutter und unser Vater waren Geschäftsleute par excellence." Eine Eigenschaft, die die beiden Geschäftsführerinnen geerbt haben.

Ursula Katthöfer, freie Journalistin, Bonn

Sanitätshaus Büchner GmbH

Geschäftsführerinnen: Ursula Schmidt-Amberg und Karin Lancier
Standort: Bonn
Gründung: am 1. April 1918 durch Ernst Büchner, Großvater der heutigen Geschäftsführerinnen
Mitarbeiter/innen: 15
Branche: Sanitätsfachhandel, Gesundheit
Kunden: Privatpersonen
Internet:www.sanitaetshaus-buechner.de