200 Jahre Universität Bonn

Aus dem Hörsaal in die Wirtschaft

07.02.2018
200 Jahre Uni Bonn„Wir, Friedrich Wilhelm von Gottes Gnaden, König von Preußen, …“ – Es war ein guter Tag für Bonn, als Friedrich Wilhelm III. am 18. Oktober 1818 seine Unterschrift unter die Gründungsurkunde der Bonner Universität setzte. Die neue Universität wuchs zu einer weltweiten akademischen Gemeinschaft heran, die auch höchste wissenschaftliche Ehren errang. Zur Uni-Familie gehören heute gut 36.000 Studierende, 550 Professorinnen und Professoren, rund 5.500 Beschäftigten der Universität und weitere 5.000 im Universitätsklinikum. Das Jubiläumjahr der Universität ist Grund für „Die Wirtschaft“, erfolgreiche Unternehmen vorzustellen, die ihre Wurzeln in den Labors und Hörsälen der Uni oder des Uniklinikums haben. IHK Bonn/Rhein-Sieg und Universität Bonn wollen den Wissenstransfer aus der Hochschule in die Wirtschaft weiter stärken. Während seiner Doktorarbeit an der Universität Bonn beschäftigte sich der Mikrobiologe Dr. Udo Hölker Ende der 90er Jahre mit Pilzen. Ihn interessierte, wie Pilze mit Hilfe von Enzymen Braunkohle zu einer Flüssigkeit umwandeln. Aus dieser Forschung entstand im Jahr 2000 die Idee, eine Firma zu gründen, die Bioreaktoren entwickelt, produziert und verkauft. Der Name des Unternehmens: Bioreact. „Gemeinsam mit der Industrie haben wir Bioreaktoren für große Biogasanlagen entwickelt. Das erfordert hohe Investitionen. Wir wurden über Risikokapital finanziert“, erzählt Hölker heute. Das Unternehmen setzte neue Akzente in der Biotechnologie, dennoch schrieb es acht Jahre lang rote Zahlen. Dann kam der Durchbruch. Kurz nachdem Bioreact 2008 Gewinne abwarf, verkaufte Hölker das Unternehmen an seinen größten Wettbewerber, für den er heute als Geschäftsführer tätig ist. „Es war ein sehr erfolgreicher Verkauf“, sagt er nur. Hölker ist einer der Wissenschaftler, die ihre berufliche Zukunft nicht an der Universität, sondern in der freien Wirtschaft sehen. „Ich wollte Geld für meine eigene Forschung verdienen und unabhängig sein“, sagt er. Er ist kein Einzelfall. „Die IHK Bonn/ Rhein-Sieg und die Universität Bonn kooperieren seit mehreren Jahren, um den Know-how- Transfer zwischen Unternehmen und Wissenschaft in der Region zu stärken, das Innovationspotential in der Region zu erhöhen und das Image als Wissensstandort voranzubringen“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Hubertus Hille.

Gesundheitsforschung, Robotik, Bioökonomie

Die Universität Bonn begann vor etwa 20 Jahren, gemeinsam mit der IHK und anderen regionalen Kooperationspartnern, die Betreuung von Unternehmensgründungen und Geschäftsideen zu professionalisieren. „Wie fruchtbar diese Zusammenarbeit ist, zeigt als ein eindrucksvolles Beispiel der Digital Hub, das wir gemeinsam vorangetrieben haben“, sagt Dr. Martina Krechel, Geschäftsführerin des Rektorats der Universität Bonn. Die Herausforderungen der Zukunft seien groß: „Ob Gesundheitsforschung, künstliche Intelligenz und Robotik, nachwachsende Ressourcen und Bioökonomie – die Entwicklungen in diesen Themenfeldern werden unsere Gesellschaften absehbar nachhaltig verändern. Diesen Wandel mitzugestalten wird auch Aufgabe und Chance für die Wirtschaft sein.“

Ursula Katthöfer, freie Journalistin, Bonn Hier kann der komplette Artikel einschließlich dreier Kurzportraits von Ausgründungen aus der Universität Bonn – bomedus GmbH, WetterOnline und Cartwatch – sowie eines Interviews mit Rüdiger Wolf (Gründungsberatung an der Uni Bonn)als PDF nachgelesen werden.