Brune - Die Königsdisziplin im Möbelbau

Das besondere Unternehmen

12.03.2018
Christina und Andreas Fertig führen die Brune Sitzmoebel GmbHViele Menschen dürften bereits auf einem Stuhl oder an einem Tisch von Brune gesessen haben. Im Restaurant auf dem Drachenfels, im Marriott Bonn World Conference Hotel, im Neurologischen Rehazentrum Godeshöhe oder auch in der Kölner Philharmonie.

„Im öffentlichen Raum sind Sitzmöbel das Gestaltungselement Nr. 1“, sagt Andreas Fertig. „Wer das Foyer eines großen Gebäudes betritt, nimmt zunächst die Sessel wahr. Tische und Säulen treten in den Hintergrund.“ Mehr noch: Der Bau von Sitzmöbeln sei die Königsdisziplin im Möbelbau: „Ein Schrank muss nur herumstehen, ein Stuhl jedoch soll dem Menschen dienen. Er muss bequem und robust sein und dabei schön aussehen.“ Andreas Fertig ist geschäftsführender Gesellschafter der Brune Sitzmöbel GmbH aus Königswinter. Gemeinsam mit seiner Frau, Prokuristin Christina Fertig, führt er ein Unternehmen, das in den vergangenen Jahren mit nahezu jedem Designpreis für Sitzmöbel ausgezeichnet wurde: vom German Design Award über den Iconic Award bis zum reddot design award. Im Showroom zeugen 23 gerahmte Urkunden von Anerkennung für Qualität und Design. Viele Menschen dürften bereits auf einem Stuhl oder an einem Tisch von Brune gesessen haben. Im Restaurant auf dem Drachenfels, im Marriott Bonn World Conference Hotel, im Neurologischen Rehazentrum Godeshöhe oder in der Kölner Philharmonie. „Unser größtes Projekt war bisher die Ausstattung der Mercedes Benz Arena in Berlin-Friedrichshain“, sagt der Geschäftsführer. Stolz ist er auch auf die Brune Stühle im Carroussel du Louvre in Paris, einem Shopping- und Veranstaltungszentrum unter dem Louvre: „Weil das Carroussel unterirdisch ist, hatten wir sehr hohe Brandschutzanforderungen. Gefordert war außerdem, dass die Stühle einerseits miteinander verkettet, andererseits im Kreis stehen können.“

Erfinder der zerlegbaren Küchenbank

Gegründet wurde das Unternehmen gleich nach dem Zweiten Weltkrieg von Heinrich Brune. In einer Sakristei nahe Köln startete er den Handel mit Haushaltswaren und Puppen, die seine handwerklich geschickten Schwestern nähten und bemalten. Brune fuhr seine Ware ins Bergische Land, tauschte sie bei den Bauern gegen Käse, Schinken, Eier und Brot. Die hungrigen Kölner kauften ihm die Lebensmittel gern ab, der Kaufmann investierte seinen Gewinn kurz vor der Währungsreform 1948 in ein Lkw Chassis. Inzwischen war er auch im Möbelhandel, gilt als der Erfinder der zerlegbaren Küchenbank. Das Geschäft im Nachkriegsdeutschland lief gut, 1959 trat Sohn Wolfgang ein. Das Unternehmen begann, Küchenbänke, Stühle und Tische selbst zu fertigen – zunächst in einem ehemaligen Kinosaal im Siebengebirge, dann in eigenen Werkshallen in Königswinter-Oberpleis, dem heutigen Firmensitz. Doch das Wirtschaftswunder fand sein Ende. Als Anfang der 70er Jahre ein Hochwasser weite Teile der Produktion zerstörte, nutzte Brune die Katastrophe für einen Neustart und stellte die Produktlinien um. Wo früher Möbel für Küche und Wohnzimmer gebaut worden waren, entstanden nun Objektmöbel für öffentliche Gebäude. 1990 übernahm das Unternehmen in Sachsen-Anhalt einen Teil des Kombinats, das Tische und Stühle für Schulen in der DDR gefertigt hatte. Dort entstehen heute die Polster für die Sitzmöbel.
Das Restaurant auf dem DrachenfelsIn der Region stattete das Unternehmen u.a. das Restaurant auf dem Drachenfels in Königswinter aus.
Während des Booms nach der Wende arbeiteten 299 Menschen bei Brune. Es folgte ein weiterer Abschwung. Als der Betriebswirt und ehemalige Unternehmensberater Andreas Fertig 2002 zum Unternehmen stieß, wurde saniert und restrukturiert. Schritt für Schritt erhöhte Fertig seine Anteile am Unternehmen, seit 2014 gehört es ihm ganz.

Kleine Damen und große Herren

„Es ist einfacher, ein Hochhaus zu entwerfen als einen Stuhl.“ Dieser Satz geht auf den Bauhaus-Architekten Ludwig Mies van der Rohe zurück. Er musste es wissen, denn Mies van der Rohe baute sowohl Wolkenkratzer aus Glas und Stahl als auch Möbel. Ideen, Entwürfe, Prototypen, Probesitzen, maschinelle Produktion und viel Handarbeit sind nötig, um einen hochwertigen, zeitlosen Stuhl herzustellen. „Wir produzieren moderne Sitzmöbel, ohne Moden zu folgen“, sagt Christina Fertig. Zusätzlich zu ihren Aufgaben als Prokuristin betreut sie das Vertriebsgebiet Berlin. „Es ist gut, ein Ohr am Markt zu haben“, sagt sie. So erfuhr sie, dass die Kunden Interesse an einem Lounge-Sessel zeigten. Brune reagierte und präsentierte bei der Kölner Büromesse Orgatec den Lounge-Sessel „Lou“ mit Footstool. Nicht nur die Wünsche der Kunden verändern sich. Auch die sich wandelnden Körpermaße beeinflussen die Gestaltung von Stühlen. „Die durchschnittliche Körpergröße hat zugenommen. Früher hatten Stühle eine Sitzhöhe von 44 Zentimetern, heute sind es 46 Zentimeter“, sagt Andreas Fertig. Im Labor testet Brune, ob ein Prototyp für Personen aller Größen bequem ist. Christina Fertig: „Kleine Damen und große Herren nehmen Platz. Jeder gibt sein Feedback.“ In der Produktionshalle lagern Sitzschalen, die von einem Zulieferer kommen, der ebenfalls in Deutschland sitzt. Sie warten darauf, in einem hellen Blauton lackiert zu werden – der Kunde hat die Farbe ausgesucht. Auch die Polster können individuell auf Kundenwunsch bestickt werden, z.B. mit ihrem Firmenlogo.
Individualität und deutsche Produktion haben ihren Preis. Brune-Sitzmöbel wie „Grand Chair“, „Flux“ und „Pura“ sind nicht zum Schnäppchenpreis zu haben. Mit Mitnahmemöbeln aus großen Selbstbedienungsmöbelhäusern sind sie nicht zu vergleichen.

Ursula Katthöfer, freie Journalistin, Bonn

Brune Sitzmöbel GmbH
Geschäftsführender Gesellschafter: Andreas Fertig
Standorte: Königswinter, Rotta in Sachsen-Anhalt
Gründung: 1945 durch Heinrich Brune
Mitarbeiter: 45 in Königswinter, 15 in Rotta
Jahresumsatz:  ca. 10 Millionen Euro pro Jahr
Produktion: ca. 40.000 Stühle und 10.000 Tische pro Jahr
Branche: Objektmöbelindustrie
Kunden: Privatunternehmen und Öffentliche Institutionen
Internet: www.brune.de