Creapaper: Papier aus Gras schützt Klima und Umwelt

Das besondere Unternehmen

07.02.2018
CreapaperDie Visitenkarte von Uwe D’Agnone fühlt sich rau an. Sie lässt sich aufklappen wie ein Streichholzbriefchen. Darin sind allerdings keine Streichhölzer, sondern Stäbchen mit Grassamen. „Abtrennen, einpflanzen und regelmäßig gießen“, sagt D’Agnone, Geschäftsführer der Creapaper GmbH in Hennef. „Dann wächst so viel Gras nach, wie für diese Visitenkarte verwendet wurde.“ Denn seine Karte besteht zu 40 Prozent aus Gras und zu 60 Prozent aus Altpapier. Nachhaltigkeit – ein treffenderer Begriff lässt sich für die Geschäftsphilosophie D’ Agnones nicht finden. Mit seiner Visitenkarte weist er auf seine beiden Geschäftsfelder hin: Sein Unternehmen entwickelt und produziert den Rohstoff, aus dem Graspapier gemacht wird, und produziert nachhaltig hergestellte Werbemittel.

Ersatzrohstoff für die Papierindustrie

Papier fasziniert den 54-jährigen seit seiner Ausbildung zum Industriekaufmann in einer Druckerei. Im Jahr 2011 überlegte er, wie man Papier nachhaltiger produzieren könnte. D’ Agnone experimentierte, unterstützt von Wissenschaftlern des Fachbereichs Nachwachsende Rohstoffe der Universität Bonn und mit Mitteln der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Schnell entdeckte er Gras als Ersatzrohstoff für die Papierindustrie.
Uwe D'AgnoneFirmengründer und Geschäftsführer Uwe D'Agnone ist fasziniert von Papier.
Wochen- und monatelang testete er im Labor, auf dem Feld und an Papiermaschinen, wie sich Papier aus Gras herstellen lässt. Sein Plan ging auf: In seinem Büro zeigt er seinen ersten erfolgreich produzierten DIN A 1-Bogen aus Gras und Altpapier - ein handgeschöpftes Stück fürs Papiermuseum. Wie Raufasertapete fühlt sich der Prototyp von 2012 an. Heute kann Graspapier auch geglättet und veredelt werden.

Positive Ökobilanz

D’Agnone ist davon überzeugt, dass 90 Prozent der Papierprodukte sich teilweise aus Grasfasern herstellen lassen. Für Umwelt- und Klimaschutz wäre dies ein enormer Schritt. Denn im Gegensatz zum Baum hat Gras als Rohstofflieferant eine positive Ökobilanz:
  • Holz hat lange Transportwege, Gras wächst überall.
  • Ist der Baum einmal gefällt, wirft er nichts mehr ab. Gras hingegen kann immer wieder gemäht werden.
  • Um den Zellstoff aus dem Baum zu gewinnen, werden viel Chemie, Wasser und Energie benötigt. Im Gras sind die Fasern fast pur und lassen sich mechanisch aufbereiten.
  • Um eine Tonne Rohstoff aus den Fasern eines Baumes aufzubereiten, braucht es 6.000 Liter Wasser. Beim Gras sind es zwei Liter.
„Im Vergleich zur Herstellung von Zellstoff aus Baumfasern hat die Grasfaser 75 Prozent weniger CO2-Emissionen, im Vergleich zu Altpapier sind es 25 Prozent“, sagt D’Agnone.

Heuernte für die Papierfabrik

Im Showroom von Creapaper steht eine Tüte Heu. Jeder Bauer, der z.B. Ausgleichsflächen bewirtschaftet, kann Heu wie dieses liefern – weltweit. Für die Papierproduktion wird es zu Pellets verarbeitet. Sie verwandeln sich in der Papierfabrik zu großen Papierbahnen, die scheinbar endlos aus den Maschinen kommen und aufgerollt werden.
Heu wird zu Pellets verarbeitetHeu wird zu Pellets verarbeitet.
D’Agnone nutzte u.a. die Innovationsfreude der Papierfabrik Scheufelen GmbH & Co. KG im baden-württembergischen Lenningen. Sie produziert sein Papier und in ihrer Nähe hat er sein Tochterunternehmen angesiedelt: Die creapaper Baden-Württemberg GmbH macht aus Heu Pellets. Scheufelen stellt daraus Graspapier her, das sich bedrucken lässt.

Kräutergarten und Blumenstrauß

Inzwischen haben D’Agnone und sein Team Muster zu allen gängigen Papiersorten entwickelt. Was daraus entstehen kann, zeigen sie in der Hennefer Manufaktur. Dort entstehen im Auftrag von Un ternehmen wie Nestle, Coca-Cola und OTTO sowie Umweltorganisationen wie Greenpeace, BUND und NABU Produkte aus Papier: Kalender, Grußkarten, Obstverpackungen und Give-aways. Denn der zweite Schwerpunkt der Creapaer GmbH ist die Produktion von nachhaltig hergestellten Werbemitteln. Dabei spielt Saatgut eine zentrale Rolle. Creapaper arbeitet keimfähiges Saatgut von 130 verschiedenen Pflanzen in die Papierprodukte ein. So entstehen Grußkarten und Geschenkboxen, die der Empfänger gießt oder einpflanzt. Im Garten oder auf der Fensterbank wachsen daraus Blumen oder Kräuter. Es versteht sich von selbst, dass das Papier biologisch abbaubar ist. Papier aus Gras ist für Uwe D’Agnone zur Lebensaufgabe geworden. Sein nächstes Ziel ist die Entwicklung eines recycelbaren Coffee to go Bechers aus Graspapier, der einen Teil des Abfallproblems lösen könnte. Die Ideen wollen ihm nicht ausgehen: „Papier ist weltweit ein riesiger Markt. Da kann man etwas verändern.“

Ursula Katthöfer, freie Journalistin, Bonn

Creapaper GmbH

Geschäftsführender Gesellschafter: Uwe D’Agnone
Gründung: Dezember 2012
Standort: Hennef
Tochterunternehmen: creapaper Baden-Württemberg GmbH zur Aufbereitung von Gras für die Papierproduktion

Mitarbeiter: 15 Festangestellte und in Spitzenzeiten bis zu 280 Aushilfskräfte in der Manufaktur
Branche: Druck und Papier
Patente: Vier, u.a. zu Graspapier (GRASPAP®) und Saatgutbox (CREASEED®)

Kunden: Handelsunternehmen, Lebensmittelindustrie, Promotionagenturen, Umweltorganisationen, Privatkunden
Internet: www.creapaper.de