Mit Köpfchen gegen den Fachkräftemangel

Personalentwicklung mit Zukunft

12.03.2018
© Gina Sanders (AdobeStock.com)/Fotomontage: E. MantouvalouFachkräfte kurzfristig einzustellen, ist mittlerweile Wunschdenken. Um sie zu finden und zu binden, sind Ideen gefragt. Nur wer heute eine Strategie zur Personalentwicklung aufbaut, kann in Zukunft am Markt bestehen.  Die Bürotür steht meistens offen. Wer Dr. Ines Knauber-Daubenbüchel sprechen möchte, klopft kurz an und findet Gehör. Die geschäftsführende Gesellschafterin der Knauber Unternehmensgruppe ist für jeden zu sprechen; für die Servicekraft im Freizeitmarkt, wie für die Führungskräfte der Knauber Vertriebsgesellschaften. Die offene Tür ist wie ein Symbol für den vertrauensvollen Umgang von Geschäftsführung und Mitarbeitern des Bonner Familienunternehmens. "Ich hatte mal ein persönliches Problem und brachte es nicht fertig, den ganzen Tag offen und freundlich auf die Kunden zuzugehen", erzählt eine Verkäuferin aus der Knauber-Filiale. "Mit meinen Vorgesetzten konnte ich offen darüber reden, sie hatten Verständnis." Dieses gegenseitige Vertrauen führt zu einem angenehmen Arbeitsklima. Das wiederum ist die beste Basis, um für Fachkräfte attraktiv zu sein. "Wir haben knapp 800 Mitarbeiter, darunter 50 Auszubildende", sagt Personalleiter Rüdiger Meyer. Trotz dieser Größe lege die Unternehmensführung großen Wert auf einen persönlichen Umgang: "Unsere geschäftsführende Gesellschafterin kennt jeden Mitarbeiter mit Namen. Sie packt mit an, fährt zur Inventurzeit auch samstagsabends in die Filialen. Das motiviert die Mitarbeiter sehr.

Freies Wochenende für Verkäufer

Knauber, 1880 gegründet und in vierter Generation geführt, ist im Mineralöl-, Erdgas-, Strom- und Flüssiggasgeschäft sowie im Einzelhandel tätig. Das Unternehmen betreibt sechs Freizeitmärkte und einen Online-Shop. Fachkräfte sind immer gesucht. Knauber bildet in neun Berufen aus, darunter neuerdings auch zum/r Kaufmann/-frau im E-Commerce. "Fachkräfte für den Einzelhandel zu finden, ist für uns eine besondere Herausforderung", sagt Meyer, der auch den Arbeitskreis Personalentwicklung der IHK Bonn/Rhein-Sieg leitet. "Die Arbeitszeiten sind unser Kernproblem. Denn ausgerechnet Freitag und Samstag, wenn die meisten Arbeitnehmer gerne frei haben möchten, sind die stärksten Tage im Einzelhandel." Bei den Dienstplänen achtet das Unternehmen darauf, dass die Mitarbeiter nicht an jedem Samstag eingeteilt werden, sondern dass ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit besteht.

Märkte für Fachkräfte sind leergefegt

"Die Unternehmen müssen aktiv daran arbeiten, Mitarbeiter zu finden und zu binden", sagt Jürgen Hindenberg, Geschäftsführer Berufsbildung und Fachkräftesicherung der IHK Bonn/Rhein-Sieg. Die Gründe für den hohen Fachkräftebedarf sieht er nicht nur bei sinkenden Schülerzahlen und steigender Attraktivität der Hochschulen: "Die Arbeitslosenquote ist so niedrig wie zuletzt 1991, kurz nach der Wiedervereinigung. Wegen der guten Konjunktur sind die Auftragsbücher gefüllt. Fachkräfte werden händeringend gesucht. Viele Unternehmen berichten uns, dass der Markt in ihrer Branche wie leergefegt sei." Der Mangel könnte sich in der Region noch verschärfen. Der IHK-Konjunkturklimaindikator erreichte zum Jahresbeginn 2018 mit 131,6 Punkten einen Rekordwert. 31,5 Prozent der bewertenden Unternehmen gehen davon aus, dass ihre Geschäfte sich noch verbessern werden. Als einzige IHK bundesweit reagierte die IHK Bonn/Rhein-Sieg mit einem Ausschuss für Arbeitsmarkt und Fachkräfte (siehe Kommentar auf Seite 14).

Power-Smoothie für die Kollegen

Entscheidend ist, einmal ausgebildete oder eingestellte Fachkräfte im Unternehmen zu halten. Dazu bietet Knauber seinen Mitarbeitern ein reiches Angebot: Zum betrieblichen Gesundheitsmanagement gehört ein externer Familienservice, bei dem Mitarbeiter sich kostenfrei und anonym zu Themen wie Lebenslagen-Coaching, Gesundheitsprävention und Pflegebedürftigkeit beraten lassen können. Das Projektteam der "Initiative Gesundheit" organisiert u.a. Gesundheitstage. Simon Mandt, Einzelhandelskaufmann in der Elektroabteilung, gehört zum Team und bot zuletzt an einem dieser Tage einen Smoothie-Kurs an: "Meine Kollegen erfuhren, wie aus Blaubeeren, Mandeln, Amaranth, Hafermilch und Agavendicksaft ein Power-Drink wird." Die Auszubildenden organisieren jedes Jahr ein Projekt, das über die Grenzen des eigenen Unternehmens hinaus wirkt. In der Eifel pflanzten sie mehrere tausend Bäume, in Bonn strichen sie die Räume eines Kindergartens und legten im Garten Hochbeete an. "Mitarbeitern mit Potenzial muss man weitere Entwicklungsmöglichkeiten bieten", so Rüdiger Meyer, der keine Fachkraft an einen Wettbewerber verlieren möchte. "Es ist unsere Aufgabe, den Mitarbeitern Wege in unserem Unternehmen aufzuzeigen." Checkliste "10 Punkt für die Fachkräftegewinnung" Ursula Katthöfer, freie Journalistin, Bonn

Die vollständige Titelgeschichte mit weiteren Reportagen und Informationen zum Thema  Fachkräftegewinnung (darunter auch Interview mit Victoria Appelbe, Leiterin der Bonner Wirtschaftsförderung)  finden Sie in der PDF.