Ausgebremst

Die regionale Wirtschaft in der Coronakris

08.04.2020

Aushang Geschaeft wegen Coronageschlossen (© Jo Hempel) (Während diese Titelgeschichte entsteht, klopft es ans Bürofenster. Ralf Sachen von der Buchhandlung Jost stellt ein Buch samt eingelegter Rechnung auf die Fensterbank, das der Autor dieser Geschichte am Tag zuvor bestellt hatte. „Kontaktlose Übergabe“, lächelt Sachen, springt ins Auto und fährt zum nächsten Kunden. Auch Holger Schwab vom buchLaden 46 an der Kaiserstraße bietet, ebenso wie weitere Buchhandlungen, diesen Service an – im Stadtgebiet per Lastenrad, darüber hinaus per Post. Ihre Läden mussten sie schließen. Auch viele Restaurants stemmen sich mit ähnlichem Service gegen die Krise. Sie mussten ebenfalls, wie so viele, schließen, dürfen aber noch außer Haus verkaufen.

Not macht bekanntlich erfinderisch. Und die Not der Unternehmen ist groß. Veit Hoffmann, der eine Buchhandlung im niedersächsischen Achim sowie die Buchhandlung Jost in Bonn-Kessenich betreibt, rechnet aufgrund der geschlossenen Ladenlokale mit Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent. „Wir sind immer ein solventes Unternehmen gewesen, nun müssen wir uns erstmals in der Firmengeschichte mit Themen wie Kurzarbeitergeld und staatlichen Zuschüssen auseinandersetzen“, skizziert er die ungewohnte Situation. Der Lieferservice werde sehr gut angenommen, könne die Ausfälle aber nicht kompensieren.

Zumal die laufenden Kosten sich nicht schnell genug reduzieren lassen: „Es erscheinen derzeit noch jede Menge Bücher, die wir ja weiter geliefert bekommen – wir haben sie vor zwei Monaten bestellt, wie alle Buchhandlungen“, erklärt Holger Schwab. „Die werden geliefert, und wir müssen sie bezahlen. Ebenso Miete und Gehälter.

Wegen Corona geschlossen: Leere Innenstadt in Bonn (© Jo Hempel

Die drei Filialen von Kröber Hören + Sehen in Bonn dürfen noch öffnen (Stand 31. März). „Wir bieten aber nur einen Notdienst an“, erklärt Geschäfts-führerin Karina Kröber. Dringende Fälle seien erlaubt, aber eine neue Lesebrille, wenn die bisherige noch okay ist, oder eine Sonnenbrille – also reine Verkäufe ohne handwerkliche Leistung – sei nicht drin. „Noch passt der Umsatz, derzeit holen die Leute noch bestellte Ware ab“, berichtet die Unternehmerin, die auch im Vorstand von city-marketing bonn e.V. aktiv ist, „doch es gibt kaum Neuaufträge.“

Kröber Hören + Sehen hat deshalb vorsorglich Kurzarbeit angemeldet. „Wir tun alles dafür, unsere Arbeitsplätze langfristig zu sichern“, sagt Karina Kröber. Sie sieht sich ihren Mitarbeitenden gegenüber in der Verantwortung. Doch auch fürs Unternehmen sei das wichtig. „Wir haben tolle Fachkräfte und brauchen diese unbedingt, wenn die Geschäfte nach der Krise wieder laufen!“

Die Hotels hingegen mussten für den touristischen Betrieb schließen. Das trifft Unternehmer wie Michael Schlößer hart. Er betreibt in Bonn vier Hotels, bekannt ist er vor allem mit seinem BaseCamp in Dottendorf.

Im Dezember hatte Schlößer, der auch als Vorsitzender der Kreisgruppe Bonn des Branchenverbandes DEHOGA Nordrhein aktiv ist, dem IHK-Magazin noch ein Interview zum Auftakt des Beethoven-Jubiläumsjahres gegeben. Nicht nur er, sondern seine gesamte Branche hatten sich darauf gefreut und sich nicht nur mehr Umsätze im Jubiläumsjahr, sondern auch nachhaltige positive Impulse für den Tourismus in der Region über 2020 hinaus versprochen.

Nun sieht die Lage so aus: „Die Leerlaufkosten – etwa für Pachtverträge, Leasingraten, Versicherungen und verbleibendes Personal – sind für jeden Betrieb enorm und laufen weiter“, sagt Schlößer am Telefon. „Wir brauchen ganz schnell unbürokratische Hilfe, sonst rechne ich mit einer riesigen Insolvenzwelle!“ Kredite allein würden nicht helfen. „Denn wie sollen die Unternehmen diese jemals zurückzahlen, sie kön-nen die ausgefallenen Umsätze ja nicht dadurch kompensieren oder nachholen, indem sie nach der Krise doppelt so viele Buchungen annehmen“, verdeutlicht der Unternehmer das Problem. „Wir können ein Bett nur einmal verkaufen …“

Schlößer macht sich zudem Sorgen um die Beschäftigten. „Viele arbeiten in Teilzeit, außerdem fallen Trinkgelder aus“, sagt er, „da geraten viele in Not, selbst wenn sie 60 oder 67 Prozent Kurzarbeitergeld bekommen.“

Eine beispiellose, Existenzen gefährdende Krise

Die Unternehmen sehen sich mit einer beispiellosen, in vielen Fällen existenziellen Krise konfrontiert. Binnen weniger Tage brachen in vielen Branchen die Umsätze ein – nicht nur in Einzelhandel, Gastronomie und Hotellerie, sondern auch zum Beispiel im Veranstaltungsgeschäft, in der Kulturwirtschaft und im produzierenden Gewerbe.

Wo das öffentliche Leben in weiten Teilen lahmgelegt ist, Menschen nicht zusammenkommen dürfen, finden auch Messen und Tagungen, Großveranstaltungen und Feiern, Weiterbildungsformate und andere Zusammenkünfte nicht mehr statt. Das betrifft allein in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis tausende von Anbietern, Dienstleistern und Lieferanten.

Abstand halten: Käufer warten vor Supermarkt (© Jo Hempel)

Hart getroffen hat es zum Beispiel die Projektservice Schwan GmbH in Meckenheim, ein Messebau- und Werbetechnikunternehmen mit 47 Beschäftigten. „Wir hatten für März und April Aufträge für 102 Veranstaltungen mit einem Umsatzvolumen von rund einer Million Euro“, berichtet Geschäftsführer Holger Schwan am Telefon, „dann kam die Vollbremsung.“

Geblieben sind nahezu null Aufträge bis Ende April. Dabei seien diese Monate auch deshalb so wichtig, um die traditionell schwächeren Monate Januar und Februar auszugleichen. Stattdessen weiß Schwan nicht einmal, ob im Mai wieder eine Veranstaltung stattfinden kann. „Es zeichnet sich gerade in der Branche ab, dass Messen und andere Großveranstaltungen erst wieder nach Juli möglich sein wer-den“, erzählt er. Sein Jahresumsatz von zuletzt 5,5 Millionen Euro würde dann halbiert.

So sehr Schwan die Bemühungen der Politik begrüßt – retten können sie viele Betriebe seiner Über-zeugung nach nicht. „Es ist toll, dass wir einen Zuschuss von 25.000 Euro beantragen können“, sagt der Unter-nehmer, „aber was ist das schon bei einem Umsatzverlust von zwei Millionen oder mehr?“ Kredite hingegen würden sich kaum angemessen zurückzahlen lassen. „Nach der Krise wird ja nicht jede ausgefallene Großveranstaltung einfach nachgeholt“, ist er überzeugt.

Auch viele produzierende Unternehmen geraten in Schwierigkeiten, weil Lieferketten unterbrochen sind oder die Nachfrage zurückgeht. „An einigen Stellen der Lieferkette merken wir, dass die Beschaffung von Vorprodukten im Ausland schwieriger wird“, sagt zum Beispiel Mathias Welteroth, Kaufmännischer Direktor der LEMO Maschinenbau GmbH in Niederkassel. Das Unternehmen ist eigenen Angaben zufolge Weltmarktführer für Folienschweißanlagen. Immerhin konnte Welteroth Mitte März noch sagen: „Wir sind weiterhin in der Lage, unsere Kunden zu beliefern.“

Die Kuhne Group mit Hauptsitz in Sankt Augustin rechnet sich zu den führenden europäischen Maschinenbauern für Folien- und Plattenherstellung. Peter Kuhne, Geschäftsführer der Kuhne Anlagenbau GmbH und Vizepräsident der IHK Bonn/Rhein-Sieg, schreibt per Mail: „Die Coronavirus-Epidemie hat unseren laufenden Betrieb in eine Art Winterschlaf versetzt, wie es sonst nur zwischen Weihnachten und Neujahr der Fall ist.“
Experten gehen inzwischen von einer schweren Rezession als Folge der Coronavirus-Krise aus.

IHK-Blitzumfrage: Auswirkungen der Corona-Massnahmen auf die regionale Wirtschaftclass="full_pic"

Umfangreiche Hilfen für Betriebe – die IHK lotst durch den Fragen- und Zuschussdschungel

„Was die einen Unternehmen derzeit leisten, um in wichtigen Segmenten die Versorgung der Menschen zu gewährleisten, und die anderen, um sich und ihre Beschäftigten so lange wie möglich vor dem wirtschaftlichen Absturz zu bewahren, ist unglaublich beeindruckend und bewegt mich sehr“, betont Stefan Hagen, Präsident der IHK Bonn/Rhein-Sieg. „Ich habe enormen Respekt vor der Leistung aller Unternehme-rinnen und Unternehmer und ihrer Beschäftigten in dieser herausfordernden Zeit und danke ihnen ausdrücklich dafür!“

Doch aller unternehmerischer Elan reicht in dieser Krise nicht aus – die Betriebe benötigen umfassende Unterstützung. Die hat der Staat zugesagt. In einer historischen Sitzung beschloss der Bundestag am 25. März das größte Rettungspaket seit Gründung der Bundesrepublik. Mit großer Mehrheit stimmten die Abgeordneten einem Nachtragshaushalt in Höhe von 156 Milliarden Euro zu, um die zuvor von der Bundesregierung verkündeten Milliardenhilfen für Unternehmen, Selbstständige, Arbeitnehmer, Familien und Krankenhäuser zu finanzieren.

122,5 Milliarden Euro sind für zusätzliche Ausgaben vorgesehen, 33,5 Milliarden für den Ausgleich wegbrechender Steuereinnahmen. Ergänzt werden die Mittel um einen 600 Milliarden Euro umfassenden „Wirtschaftsstabilisierungsfonds“. Mit diesem Geld will der Staat Garantien abgeben oder sich notfalls sogar an größeren Unternehmen beteiligen, um diese zu retten. Auch die Schuldenbremse wurde gelockert.

Wegen Corona geschlossen: das WOKI (© Jo Hempel)

Bereits zwei Tage zuvor hatte die NRW-Landesregierung mitgeteilt, die Zuschüsse des Bundes zu ergänzen, um Finanzierungsengpässe in Betrieben mit zehn bis 50 Beschäftigten zu überbrücken sowie die Voraussetzungen zu schaffen, ihr bewährtes Personal behalten zu können, um nach der Krise am Aufschwung teilhaben zu können.

Dazu erklärte Thomas Meyer, Präsident von IHK NRW, dem Zusammenschluss der 16 Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen: „Die IHKs in NRW erhalten täglich tausende Anrufe und Nachrichten von Unternehmerinnen und Unternehmern, deren Nerven teilweise blank liegen. Sie wissen nicht, wie sie sich bis Ende des Monats über Wasser halten können, haben bereits Kurzarbeit angemeldet oder mussten ihre Betriebe auf Anordnung schließen. Angesichts dieser Dramatik ist es nun dringend notwendig, unseren vielen selbstständigen Unternehmerinnen und Unternehmern eine Perspektive für die kommenden Wochen zu bieten.“

Hierzu seien auch ungewöhnliche Mittel, wie die nun beschlossenen Zuschüsse für kleine Unternehmen und Soloselbstständige, richtig. „Die Unternehmen brauchen nun Liquidität, damit sie die Krise über-stehen und ihre Beschäftigung sichern“, sagte Meyer. „Mit dem geplanten, unbürokratischen Vorgehen über einen Online-Antrag bei den Bezirksregierungen kann es gelingen, unseren Unternehmen schnell zu helfen.“

Doch wie kommen die Firmen im IHK-Bezirk Bonn/Rhein-Sieg rasch an diese Hilfen? Welche Voraussetzungen müssen sie er- und welche Formulare ausfüllen? Kann man parallel auch Kredite beantragen? Und wenn ja: wo? Und wie geht das mit dem Kurzarbeitergeld? Was ist überhaupt rechtlich zu beachten – vom Arbeits- bis zum Insolvenzrecht? Und wie steht es mit Aus- und Weiterbildungsprüfungen?

Fragen über Fragen, die den Solo-Selbstständigen sowie den vielen kleinen und mittleren Betrieben derzeit unter den Nägeln brennen. Die IHK Bonn/Rhein-Sieg hat deshalb ein umfassendes Informations- und Beratungsangebot zusammengestellt, das ständig dem aktuellen Stand angepasst wird (s. Linkliste am Ende des Artikels). „Der Informations- und Beratungsbedarf ist enorm, die Telefone stehen nicht still“, berichtet Regina Rosenstock, Gesamtbereichsleiterin Unternehmensförderung in der IHK, die die Beratungsleistungen der IHK intern koordiniert.

Bonn im Corona-Lock-down_Keine Gaeste (© Jo Hempel)

Stark gefragt war auch die Hotline zum Kurzarbeitergeld, die die IHK Mitte März eingerichtet hatte. „26 Beschäftigte der IHK wurden dazu eigens geschult und beantworten die Fragen der Unternehmen“, sagt Rosenstock. Inzwischen wurde die Telefonhotline auf 30 Mitarbeitende aufgestockt, die die Anrufenden auch zur „NRW-Soforthilfe 2020“ beraten.

Ihr Kollege Detlev Langer, Leiter des IHK-Fachbereichs Recht und Steuern, listet einige Fragen auf, die Mitte März an die IHK herangetragen wurden:

  • „Wer ersetzt mir den durch Corona entstandenen Schaden?
  • Bekomme ich einen Teilbetrag von meinem Vertragspartner, wenn ich schon Leistungen er-bracht habe und der Kunde storniert? Das betrifft zum Beispiel Messebauer, die einen Stand bereits geplant und Material für den Bau eingekauft haben.
  • Für welche Mitarbeiter kann ich Kurzarbeitergeld beantragen? Sind Azubis, Aushilfskräfte und befristete Arbeitsverhältnisse eingeschlossen?
  • Wann muss ich Insolvenz anmelden? Welche Folgen hat das für mich, kann ich Lieferanten noch bezahlen?
  • Was bedeutet es, wenn die Insolvenz mangels Masse abgelehnt wird? Wie wickle ich den Betrieb ab?
  • Kann ich meine Mitarbeiter in Betriebsurlaub schicken?
  • Schließt das Gesundheitsamt meinen Betrieb, wenn ein Mitarbeiter an Corona erkrankt? Was kann ich dann tun, um die Arbeitsfähigkeit des Betriebs zu sichern?
  • Werde ich von Lieferverpflichtungen frei, wenn ich wegen Corona nicht beliefert werde?“ 

Zudem informiert die IHK sowohl auf der Homepage als auch ihren Social-Media-Kanälen über alle wirtschaftlichen Aspekte, Hilfsangebote der Bundes- und Landesregierung sowie die verschiedenen Einschränkungen oder Änderungen aufgrund der Corona-virus-Krise – von A wie Ausbildungsprüfungen bis Z wie zollrechtliche Fragen in Zeiten neuer Grenzkontrollen.

Wichtig in der Krise: die Banken und Sparkassen der Region

Den Banken und Sparkassen kommt in der Krise eine besondere Rolle zu. Einerseits sind sie selbst betroffen, müssen den Betrieb aufrechterhalten, Schutzmaßnahmen für das Personal umsetzen. Andererseits sind sie die Finanzierungspartner vieler kleiner und mittlerer Betriebe, Freiberufler und Soloselbstständiger.

„Die Banken sind einer der wichtigsten Akteure der gesamten Krisenhilfe“, betont Dr. Hubertus Hille, Hauptgeschäftsführer der IHK Bonn/Rhein-Sieg. Er sieht dabei allerdings ein strukturelles Problem: „Überlässt man ihnen zu entscheiden, wer kreditwürdig ist oder nicht, dann könnten aufgrund der augenblicklichen Regelungen sehr viele Unternehmen insolvent werden.“ Schließlich müssten Banken so entscheiden, dass sie im Zweifelsfall ihr Geld zurückbekommen, denn immerhin trügen sie zehn Prozent der Bürgschaft.
[Achtung wichtige Änderung: Am 6. April 2020 hat die Bundesregierung bei den Rahmenbedingungen für die Gewährung von Liquiditätskrediten für den Mittelstand nachgebessert: Künftig übernimmt der Bund zu 100 Prozent die Bürgschaft beim Kreditprogramm „KfW-Schnellkredit für den Mittelstand“. Damit entfällt die gesonderte Kreditwürdigkeitsüberprüfung durch die Hausbank. / Stand 8. April 2020]

Deshalb wünscht sich IHK-NRW-Präsident Thomas Meyer, „dass die Bürgschaftsquote in dieser Ausnahmesituation sogar noch über die zugesagten 90 Prozent angehoben werden könnte“. Hille appelliert an die Hausbanken, die von Bürgschaftsbank und NRW.Bank zugesagten Liquiditätshilfen schnell und unbürokratisch umzusetzen. „Auch die Finanzämter“, sagt er, „könnten Unternehmen durch Stundungen, Ratenzahlungen und weiteren unbürokratischen Regelungen entgegenkommen!“

Die Sparkasse KölnBonn ist sich ihrer Rolle bewusst. „Eine Situation, wie wir sie derzeit erleben, er-fordert zweifellos ungewöhnliche Maßnahmen“, so der Vorstandsvorsitzende Ulrich Voigt bei der Bilanzpressekonferenz der Sparkasse am 25. März, die aus gegebenem Anlass als Videokonferenz stattfand. 

Wegen Corona geschlossen_Cafe in Bonn (© Jo Hempel)

Die Sparkasse hatte deshalb bereits am 20. März ein Sofortprogramm aufgesetzt, mit dem sie Unter-nehmen und Selbstständigen schnelle Liquiditätshilfe bietet – noch vor Abruf staatlicher Fördermittel. Ziel dieser Soforthilfe ist es demnach, in einer Notsituation Kundinnen und Kunden so schnell und unbürokratisch wie möglich zu helfen, damit ihnen angesichts wegbrechender Aufträge und weiterhin fälliger Kosten – zum Beispiel Mieten und Gehälter – die Liquidität in den nächsten Wochen erhalten bleibt. Und sie neu durchstarten können, wenn es wirtschaftlich wieder aufwärts geht. 

„Bei der Prüfung der Kreditanträge gleicht die Sparkasse die Situation des jeweiligen Antragstellers vor der Krise mit der aktuellen Liquidität ab“, erläutert Pressesprecher Jörg Wehner. „In der überwiegenden Zahl der Fälle können wir die Kreditanträge zur Soforthilfe schnell bewilligen und gehen damit in Vorleistung, bis staatliche Fördermittel greifen.“ Die Firmenkundenberaterinnen und -berater würden mit Hochdruck an der fortlaufenden Prüfung der Anträge arbeiten, die Kredite würden seit 23. März stetig ausgezahlt. 

Auch die Volksbank Köln Bonn eG übernimmt Verantwortung: „Wir unterstützen im Sinne unseres Förderauftrages insbesondere unsere Mitglieder“, mailt Unternehmenssprecher Wilhelm Wester auf Anfrage. Die Genossenschaftsbank stelle einen hohen Beratungsbedarf der Kunden und Mitglieder hinsichtlich der staatlichen Maßnahmenpakete fest. „Deshalb befürwortet die Volksbank schnelle und unbürokratische Unterstützungsmaßnahmen der Bundes- und Landes-regierung“, schreibt Wester.

Die Volksbank hat als Sofortmaßnahme beschlossen, ihren Kunden mit Stundungen und Tilgungsaus-setzungen bei laufenden Krediten entgegenzukommen. „Außerdem bieten wir Mitgliedern und Kunden an, die Mittel aus den Unterstützungsprogrammen vorzufinanzieren“, so der Firmensprecher.

Dabei werde man so unbürokratisch und pragmatisch vorgehen wie möglich. „Das persönliche Verhältnis zu den Kunden und Genossenschaftsmitgliedern kommt ihnen und uns dabei zugute“, schreibt Wester. Darauf und auf den vor der Krise regelmäßig eingereichten Unterlagen könnten die Beraterinnen und Berater nun aufbauen, um schnell individuelle Hilfsmaßnahmen in die Wege zu leiten.

Solidität und Solidarität in schwierigen Zeiten

Christoph Kappes ist überraschend gut gelaunt, als er ans Telefon geht. Dabei erhält sein Unternehmen derzeit keinen einzigen Auftrag. Kappes ist Chef des Unternehmens „C.K. Die Erlebnisgastronomie GmbH“ in Lohmar mit 34 Beschäftigten. Sein Geschäftsfeld: Catering für Veranstaltungen. Solche finden aber seit März nicht mehr statt. „Dabei hatte 2020 für uns so gut begonnen, das wäre ein Super-Geschäftsjahr geworden“, erzählt der Caterer am Telefon.

Seine gute Laune hat mit der Zeit vor der Krise und mit den Aussichten für die Zeit danach zu tun. Vorher, sagt er, hätte das Unternehmen so gut gewirtschaftet, dass er jetzt davon profitiere. Er muss keinen einzigen Kredit bedienen, Investitionen waren stets aus dem Cashflow möglich. „Wir haben sogar ein Polster aufbauen können“, freut er sich, „das jetzt reichen dürfte, um die laufenden Kosten fünf, sechs Monate lang zu bestreiten.“

Aushang "Bitte Abstand halten" (© Jo Hempel)

Die Belegschaft ist zurzeit zwar zu 100 Prozent auf Kurzarbeit. Kappes möchte sein Team jedoch unbedingt behalten. Denn: „Für das zweite Halbjahr und für 2021 füllt sich bereits das Auftragsbuch“, betont Kappes. Die meisten Kunden würden dem Unternehmen die Treue halten und hätten Feiern und Veranstaltung lediglich verschoben. „Einige Kommunionsfeiern sollen zum Beispiel im Herbst nachgeholt werden“, weiß er. Die Zwischenzeit überbrücken er und sein Team unter anderem mit Renovierungsarbeiten.

Auch Messebauer Holger Schwan aus Meckenheim berichtet von treuen Kunden. „Der Rückhalt ist mega, das tut richtig gut“, erzählt er. Viele Kunden, die für März und April Veranstaltungen abgesagt hätten, hätten ihn gebeten, bereits erbrachte Vorleistungen in Rechnung zu stellen, niemand habe sich quergestellt.

Karina Kröber erging es genauso. Ein Kunde habe sich kurz vor Ausbruch der Krise nach einem Hörgerät erkundigt. „Es war noch gar nicht klar, für welches Modell er sich entscheiden würde“, erzählt die Inhaberin von Kröber Hören + Sehen, „doch er rief an und bat uns, schon mal eine Anzahlung überweisen zu dürfen, um uns zu unterstützen!“

Die Unternehmerin berichtet zudem von solidarisch agierenden Lieferanten. „Einzelne Brillenhersteller haben sich entschlossen, bei jeder Bestellung in ihren Onlineshops 25 Prozent des Verkaufspreises an den Optiker abzugeben, der diese Marke führt und seinen Sitz dort hat, wo der betreffende Kunde lebt“, er-zählt sie, „das finde ich großartig.“

Weitere Beispiele: „Die außergewöhnliche Situation erfordert außergewöhnliches Handeln“, teilt die GOP Varieté Bonn GmbH & Co. KG mit. „Menschen, die in dieser schwierigen Zeit nicht auf Familie oder Freunde zurückgreifen können, brauchen unsere Unterstützung. Unsere Azubis stehen älteren Personen und Personen mit Vorerkrankungen im Raum Bonn bei Einkaufshilfen, Hundebetreuung oder Besorgungen jeglicher Art zur Verfügung.“

Die Gilgens Bäckerei & Konditorei GmbH & Co. KG aus Hennef „sagt Dankeschön an alle unermüdlichen Helfer“: Beim Einkauf in einer Gilgen’s Filiale er-halte alle mit einem Ausweis von Rettungsdiensten, Kliniken, Feuerwehr und Polizei 50 Prozent Rabatt. 

Auch der Getränke-Service Vendel in Bonn möchte allen helfenden Organisationen in Zeiten der Coronavirus-Krise unter die Arme greifen. „Wir stellen bei Bedarf und gegen Nachweis unser Equipment kostenlos zur Verfügung. Gemeint sind Kühlwagen, Bänke, Tische, Zelte“, teilte das Unternehmen mit. 

Der Maschinen- und Anlagenbauer Reifenhäuser Reicofil aus Troisdorf hat aus aktuellem Anlass zwei seiner Versuchsanlagen temporär umfunktioniert: Die im unternehmenseigenen „Technikum“ installierten Anlagen, die sonst ausschließlich für Forschung und Entwicklung sowie Kundenversuche genutzt werden, produzieren nun im Dauerbetrieb sogenanntes Meltblown-Material für die Herstellung von dringend benötigten Atemschutzmasken.

„Wir haben überlegt, welchen Beitrag wir in dieser Krise leisten können“, erklärte Dr. Bernd Kunze, Geschäftsführer der Reifen-häuser GmbH & Co. KG Maschinenfabrik. Das sei hauptsächlich die schnelle Lieferung von Meltblown-Anlagen zum Aufbau zusätzlicher Kapazitäten. Hier habe das Unternehmen seine Lieferzeiten drastisch verkürzt. „Wir wollten aber auch kurzfristiger unterstützen“, heißt es in einer Presse-mitteilung von Reifenhäuser. „Bis die aktuell fehlenden Kapazitäten aufgebaut sind, springen wir deshalb mit den Versuchsanlagen in unserem ‚Technikum‘ ein. Diese Kapazität jetzt nicht zu nutzen, wäre aus unserer Sicht verantwortungslos.“

Eine der vielen Unternehmerinnen und Unternehmer, die mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise kämpfen, ist Victoria Harlos. Die Inhaberin von Print & Paint Leinwanddruck in der Bonner Altstadt muss mit massiven Umsatzrückgängen klarkommen.

Zudem leidet sie darunter, dass ihr größtes und liebstes Projekt dieses Jahr nur ganz wenigen Menschen eine Freude bereiten wird – verglichen mit den hunderttausenden Besuchern in den Jahren davor. Die 46-Jährige hat nämlich in den vergangenen zwölf Jahren durch unermüdliches Engagement maßgeblich dazu beigetragen, dass die jährliche Kirschblüte in der Altstadt inzwischen weltbekannt ist.

Bonner Kirschbluete ohne Touristen (© Jo Hempel)

Wie so viele andere Unternehmerinnen und Unternehmer findet sie sich nicht einfach mit ihrer Situation ab. Einerseits sucht sie Rat und hofft auf finanzielle Unterstützung durch den Staat. Andererseits möchte sie die vielen Kontakte, die sie über die Jahre in der Altstadt geknüpft hat, nun anders als sonst nutzen: „Meine Idee ist eine Solidaraktion möglichst vieler Ladeninhaber hier in der Altstadt“, erzählt sie, „es wäre doch toll, sich gegenseitig zu helfen, damit niemand pleite geht.“

Außerdem will sie ihren Kirschblüten-Blog fortführen. „Die Reaktionen aus aller Welt ermutigen mich“, sagt Harlos. Zumindest bis Redaktionsschluss stand ihrem Plan, durch die Kirschbaumalleen zu spazieren, zu fotografieren und kleine Videos zu drehen, nichts im Wege. Bewegung an der frischen Luft war am 31. März noch erlaubt. „Jetzt, wo so viele Menschen nicht kommen können, möchten sie erst recht schöne, aktuelle Aufnahmen sehen“, erzählt Harlos. „Und die sollen sie bekommen!“

Lothar Schmitz, freier Journal

Unternehmen in der Krise –  Die IHK hilft

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Auf dieser Website informiert die IHK umfassend über alle relevanten Aspekte rund um die Coronavirus-Krise, die die Wirtschaft betreffen, zum Beispiel:

Bestimmungen zu betrieblicher Gesundheit und Vorsorge
aktuelle Regelungen für Restaurants und Gaststätten
Welche Einzelhandelsgeschäfte dürfen noch öffnen?
Erlasse einzelner Städte und Gemeinden im IHK-Bezirk

Außerdem finden Unternehmen dort ein (fortlaufend aktualisiertes) Merkblatt „Unterstützungsmöglichkeiten für Unternehmen in der Corona-Krise“ zum Download.

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Fragen und Antworten zum Arbeitsrecht – von Homeoffice bis Entgeltfortzahlung

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Finanzierung und Liquidität – Steuerliche Maßnahmen der Finanzver-waltung NRW

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Fragen und Antworten zur Außenwirtschaft – von China bis zur Entsendung von Mitarbeitern ins Ausland

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Fragen und Antworten zu Ausbildung und Prüfungen – von abgesagten Abschlussprüfungen bis Kurzarbeit für Azubis

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Fragen und Antworten zu Soforthilfen - Unterstützung von Bund und Land für kleine und mittlere Unternehmen aus allen Wirtschaftsbereichen sowie Solo-Selbstständige, Freiberufler und Gründer.

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Sicherung des Lebensunterhalts - Aufstockung gemäß Grundsicherung (ALG II)