Dr. Ernst Franceschini zum Ehrenpräsident gewählt

Wolfgang Grießl ist neuer Präsident der IHK Bonn/Rhein-Sieg

13.04.2011

Wolfgang Grießl ist geschäftsführender Gesellschafter der Phoenix Software GmbH, eines 1980 gegründeten Unternehmens der IT-Branche, das sich auf IT-Projekte in den Bereichen ERP und CRM spezialisiert hat. Der gesellschaftliche Wandel ist Gegenstand seiner weiteren Projekte, deren Ziel es ist, mit Internet und Videokommunikation den älter werdenden Bevölkerungsteilen Teilhabe und erste, schnelle medizinische Versorgung oder Pflege zu gewährleisten.

2002 wurde Wolfgang Grießl in die Vollversammlung der Kammer gewählt, 2007 in das Präsidium. Seit 2008 ist Wolfgang Grießl Mitglied des Kultur- und Tourismusausschusses, seit 2004 Mitglied des Ausschusses für Industrie und Innovation, des Europa-Ausschusses sowie des IT-Ausschusses. Er ist seit 2003 Mitglied des Berufsbildungsausschusses, den er alternierend mit dem Arbeitnehmervertreter seit 2006 leitet. Das IT-Forum der Kammer wurde von Wolfgang Grießl initiiert. Er ist auch Mitglied des Lenkungskreises des Forums Innovation.

Was bedeutet die Berufung zum Präsidenten der IHK Bonn/Rhein-Sieg für Sie?
Präsident der IHK Bonn/Rhein-Sieg zu sein, ist Ehre und Verpflichtung zugleich. Es ehrt mich, das Vertrauen der Vertreter der hiesigen Unternehmen erhalten zu haben. Eine wesentliche Aufgabe sehe ich für mich darin, den in den vergangenen Jahren erfolgreich eingeleiteten Wandel der IHK von einer Behörde zu einer Dienstleistungsinstitution für die Wirtschaft fortzuführen. Es muss uns dabei gelingen, dem Generationswechsel in vielen Unternehmen auch in allen Bereichen der Kammer Rechnung zu tragen. Die natürlich nicht immer identischen Interessen der verschiedenen wirtschaftlichen Gruppierungen in der Vollversammlung sollten weiter Gegenstand konstruktiver Diskussionen sein, deren Ergebnisse sinnvoll genutzt werden, um die wirtschaftliche Entwicklung der Region positiv zu beeinflussen.

Warum haben Sie sich für das Amt zur Verfügung gestellt?
Ich zähle mich zu denjenigen Menschen, die nicht nur gerne ihre Meinung äussern, sondern auch bereit sind, persönliches Engagement zu zeigen. Es reicht nicht immer aus, nur dabei zu sein – man muss auch bereit sein, eine Sache, von der man überzeugt ist, aktiv zu unterstützen. Als Präsident der IHK Bonn/Rhein-Sieg habe ich die Möglichkeit, gemeinsam mit den Mitgliedern der Vollversammlung, die wirtschaftpolitische Entwicklung der Region mit zu gestalten. Das ist für einen mittelständischen Unternehmer aus der Region doch eine positive Herausforderung.

Was kennzeichnet Ihren Amtsantritt?
Durch das fast zeitgleiche Ende der Legislaturperiode des bisherigen Präsidenten Dr. Franceschini und das Ende der Amtszeit des bisherigen Hauptgeschäftsführers Michael Swoboda zum 31. Dezember 2011, drohte der Kammer ein schwieriger Übergang in die nachfolgende Legislaturperiode. Mit der Berufung von Dr. Hubertus Hille zum neuen Hauptgeschäftsführer ab dem 1. Januar 2012 haben wir in einem intensiven und transparenten Verfahren rechtzeitig einen überaus kompetenten Nachfolger für Michael Swoboda gefunden. Es ist u.a. meine Aufgabe, gemeinsam mit ihm und Michael Swoboda die bevorstehenden Wahlen zur IHK-Vollversammlung 2011 vorzubereiten. Ich hoffe, dass es uns gelingt, möglichst viele Unternehmer zur Abgabe ihrer Wählerstimme motivieren zu können. Durch die Teilnahme an der Wahl kann die Wirtschaft der Region ihr Interesse an der Entwicklung der Region bekräftigen. Es gibt wahrlich genug Themen in der Region zu denen die Stimme der Wirtschaft deutlich zu hören sein muss.

Welche Schwerpunkte wollen Sie setzen?
Es gibt viele Themenfelder, in denen die Arbeit der IHK gefordert ist und es ist nicht einfach, einzelne hervorzuheben und dabei den übrigen Bereichen gleichzeitig auch gerecht zu werden. Gerne sage ich deshalb etwas zu verschiedenen Aufgabenfeldern der IHK und meiner derzeitigen Einschätzung dazu.

Die Aus- und Weiterbildung gehört Kraft Gesetz zu den Aufgaben einer IHK. In Folge des zukünftig bevorstehenden Rückganges der Schulabsolventen wird es bald nicht mehr nur unsere Aufgabe sein, für jeden ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen Schulabgänger einen Ausbildungsplatz zu finden (was uns in den vergangenen Jahren in konzertierten Aktionen mit allen Beteiligten am Arbeitsmarkt stets gelungen ist!). Wir werden vielmehr unsere Unternehmen dabei beraten müssen, sich rechtzeitig mit dem zunehmenden Fachkräftemangel, der auch an unserer Region nicht spurlos vorübergehen wird, zu beschäftigen. Dazu gehört die erfolgreiche Einwerbung von Auszubildenden genauso wie eine permanente, berufsbegleitende Weiterbildung. Wir können es uns nicht leisten, hocherfahrene Mitarbeiter schon bei Erreichen der Altersgrenze von 60 Jahren in den Ruhestand zu schicken. Hier müssen wir – soweit noch nicht geschehen – einen Umdenkprozess in den Unternehmen fördern.

Die Innovationskräfte der Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen sollen noch stärker nutzbar gemacht werden. (Foto: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn)

Die zahlreichen Wissenschaftseinrichtungen unserer Region sind für unsere Unternehmen enorm wichtig. Sie bilden nicht nur den für unsere technologieorientierten Unternehmen erforderlichen Nachwuchs aus, sie sind für uns auch Innovationsmotoren und tragen maßgeblich zur Attraktivität unserer Wirtschaftsregion bei. Unser Ziel muss es sein, die Kontakte zu Universitäten, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und –instituten zu pflegen und auszubauen und sie dadurch auch für unsere Mitglieder leicht nutzbar zu machen.

Die Verkehrspolitik der Region ist geprägt von einer Reihe verpasster Chancen und Fehlentscheidungen. Bei allem Verständnis für lokale und parteipolitische Interessen glaube ich, dass ich mit meiner Meinung in vielen Punkten im Kreise der Unternehmer nicht alleine stehe: Es gibt zum Beispiel keine langfristig tragfähige Ost-/Westanbindung großer Teile der Region an das Autobahnnetz. Auch die Reuterstraße in Bonn ist sowohl für den Verkehr, aber besonders auch für die angrenzenden Stadtbezirke mehr als eine Zumutung. Die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Bonn an die hervorragende ICE-Anbindung in Siegburg dauert fast schon länger als die sich dann anschließende ICE-Fahrt bis Frankfurt. Die vernünftige Anbindung des Flughafens Köln/Bonn an die Region könnte ohne die Verlängerung der S13 zu einem weiteren Beispiel vergebener Chancen werden. Es wird eine wichtige Aufgabe der IHK sein, auf die Verkehrsanbindung unseres Standortes immer wieder Einfluss zu nehmen und die Entwicklung sowie Umsetzung langfristiger Planungen einzufordern.

Die "Marke" Beethoven müsste im Kultur- und Tourismusbereich noch stärker genutzt werden.

Eine der wesentlichen Komponenten der weichen Standortfaktoren ist das Kulturangebot. Die Region verfügt über vielfältige, hochkarätige Kulturangebote – die Beethovenstadt Bonn macht aber noch zu wenig aus ihrem berühmtesten Sohn. Mir ist natürlich klar, dass in Zeiten knapper Mittel sorgsam abgewogen werden muss, was langfristig möglich ist und wo ggf. Schwerpunkte gesetzt werden müssen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass irgendein großes Unternehmen mit seiner Marke und einem vergleichbaren Alleinstellungsmerkmal so umgehen würde, wie wir das hier mit der Marke „Beethoven“ tun. Die hier schlummernden Möglichkeiten für die wirtschaftliche Entwicklung der Region, insbesondere für den Handel sowie das Hotel- und Gaststättengewerbe können gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ich sehe es als eine Aufgabe der IHK, einerseits die Notwendigkeit entsprechender Entscheidungen zum Wohl der hiesigen Wirtschaft immer wieder deutlich zu machen, andererseits entsprechende Bemühungen im Rahmen der Möglichkeiten tatkräftig zu unterstützen.

Bonn wird geografisch vom Rhein-Sieg-Kreis umschlossen. Hieraus folgt zwingend, dass es eigentlich kaum einen Bereich geben dürfte, in dem die Stadt und der Kreis nicht eng zusammenarbeiten. Redundanz ist in vielen Bereichen manchmal notwendig, wo sie überflüssig ist, erzeugt sie unnötige Kosten. Die IHK hat die gemeinsame Arbeit für Stadt und Kreis längst vollzogen. Umso mehr freut es mich, dass die  Stadt  Bonn und  der Rhein-Sieg-Kreis jetzt erste wichtige Schritte in Richtung Kooperation machen. Wirtschaftspolitisch ist es aber auf Dauer nicht ausreichend, den Blick ausschließlich auf unsere Region Bonn/Rhein-Sieg zu lenken. Wenn Sie aus Westen oder Osten (sagen wir von New York, Brüssel oder Berlin, Warschau, Moskau) in unsere Richtung schauen, dann reicht es nicht aus zu sagen: Kommt zu uns, unsere Region ist schön, wir haben vieles (um nicht zu sagen alles), was Unternehmen benötigen (Fläche, Verkehrsanbindung, bestens ausgebildete Menschen, Wissenschaft, Kultur u.v.a.m). Wir müssen anfangen, auch hier in Metropolregionen zu denken, damit wir international wahrgenommen werden. Das heißt, dass wir uns als Metropolregion Rheinland von der holländischen Grenze über Aachen bis zum Süden des Rheinlandes in Bonn nach außen gemeinsam präsentieren. Dabei muss jede Teilregion ihre Stärken einbringen, so dass als Ergebnis möglichst viele Wirtschaftsunternehmen und Institutionen das Rheinland als Zielregion für ihre Investitionen wählen. Wir können dabei u.a. den für unsere Region wichtigen Faktor der UN-Stadt einbringen. Vielleicht verkürzt ausgedrückt: Zuerst einmal muss der Kunde ins Rheinland geholt werden; nur wenn uns das gelingt, können wir uns über Erlöse streiten, die zu verteilen sind. Wenn die angeblichen Animositäten zwischen Köln und Düsseldorf immer wieder Gegenstand von Kabarett und Karneval sind, dann ist das sicher sehr unterhaltsam; wir dürfen aber im 21. Jahrhundert die Schlacht von Worringen getrost verdrängen und sollten gemeinsam überlegen, wie wir eine Metropolregion Rheinland etablieren können.

Letztes Thema: Energie. Die verheerende Katastrophe in Japan hat den Wandel in der deutschen Energiepolitik bereits stark beschleunigt. Derzeit werden alternative Energiemodelle kontrovers diskutiert. Die IHK muss sich in diese gesellschaftliche Diskussion einklinken, damit die Interessen der Wirtschaft Gehör finden. Insbesondere für unsere Industrie, die viele Arbeitsplätze in der Region stellt, sind wettbewerbsfähige Energiepreise ein wichtiger Standortfaktor. Der Weg zu erneuerbaren Energien muss schnell, aber mit Augenmaß beschritten werden.

Wie wichtig ist die Arbeit einer IHK in der heutigen Zeit?
Eine Antwort ist hier leicht: Sehr wichtig. Die IHK ist Selbstverwaltung der Wirtschaft. Das heißt, wir Unternehmer können selber bestimmen, was für uns gut ist. Das ist allemal besser, als wenn staatliche Institutionen uns vorschreiben würden, welche Anforderungen z. B. an unsere betriebliche Ausbildung zu richten sind. Hinzu kommt, dass nur eine IHK mit ihrem Parlament der Wirtschaft das Interesse der gesamten gewerblichen Wirtschaft nach demokratischen Grundsätzen bilden und gegenüber der Politik vertreten kann.  Es ist die Pflicht und das Ziel aller Kammern (nicht nur der Wirtschaftkammern), die Sicht der Dinge aus dem Kreis ihrer Mitglieder auf der jeweiligen Ebene zu Gehör zu bringen und so im Interesse ihrer Mitglieder Einfluss zu nehmen. Da zur Organisation dieser „politischen Prozesse“ Geld und Personal benötigt wird, ist es aber ebenfalls notwendig, dass der Einsatz dieser Mittel mit Augenmaß und vor allem für alle Mitglieder der Kammer transparent geschieht.


Die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg hat am 28. März 2011 Wolfgang Grießl als Nachfolger von Dr. Ernst Franceschini zum neuen Präsidenten gewählt.

In dieser Sitzung wählte die Vollversammlung der IHK Bonn/Rhein-Sieg ihren scheidenden Präsidenten Dr. Ernst Franceschini zum Ehrenpräsidenten der Kammer. Damit bringt die Vollversammlung ihren tiefempfundenen Dank einem Mann entgegen, der nahezu 40 Jahre für die Kammer ehrenamtlich tätig war.
Mit Wolfgang Grießl, dem neuen Präsidenten der IHK Bonn/Rhein-Sieg, führte „Die Wirtschaft“ ein Gespräch über seine Vorstellungen der Kammerarbeit.

Dr. Ernst Franceschini (r.) gratuliert seinem Nachfolger Wolfgang Grießl zu dessen Wahl zum IHK-Präsidenten.