Familie, Beruf, Karriere

Chancen für Frauen in Bonn/Rhein-Sieg

11.03.2011

„Die Männerwelt hat unser Netzwerk anfangs belächelt“, sagt Sabine Pagenkemper, Sprecherin des Netzwerks Bonner Unternehmerinnen, kurz b.unt (www.bonner-unternehmerinnen.de). „Inzwischen gehören 162 Frauen zu unserem Netzwerk, Unternehmerinnen und Frauen in Führungspositionen aus Bonn und Rhein/Sieg. Wir haben uns sehr schnell und sehr effizient vernetzt, um uns gegenseitig zu unterstützen.“

Das war an jenem Abend vor zehn Jahren, als acht Unternehmerinnen sich bei Sabine Pagenkemper zum Abendessen trafen, nicht absehbar. Bei Lasagne und Rotwein stellten die Damen viele Gemeinsamkeiten fest, auch wenn sie aus ganz unterschiedlichen Branchen kamen. „Ein Netzwerk wollten wir gar nicht gründen. Doch es entwickelte sich eine hohe Eigendynamik.“

Mittlerweile ist b.unt in der Netzwerklandschaft von Bonn/Rhein-Sieg so wichtig, dass Veranstaltungen mit den übrigen Netzwerken abgestimmt werden. Sei es der Besuch in der BMW Niederlassung zur Präsentation eines neuen Fahrzeugs, die Besichtigung der Baustelle des Kameha Grand Hotels oder der Vortrag im Museum König. Neben Betriebsbesichtigungen, gemeinsamen Besuchen kultureller Ereignisse und dem jährlichen Get Together im Parkrestaurant Rheinaue tauschen sich die Frauen rege zu Themen aus, die die eigenen Unternehmen betreffen. „Wir vermitteln Jobs, wir leisten Hilfe bei Rentabilitätsprüfungen und empfehlen die geeigneten Berater, wir unterstützen Existenzgründerinnen und wir sorgen für den eigenen Nachwuchs: Die Töchter unserer Mitglieder sind zu den Veranstaltungen herzlich eingeladen“, fasst Sabine Pagenkemper, selbst Inhaberin von Bodendesign Pagenkemper in Bonn-Bad Godesberg, zusammen.

Sabine Pagenkemper, Inhaberin von Bodendesign Pagenkemper.

Mittlerweile ist das Netzwerk über seine Grenzen hinaus bekannt. Aus Berlin kam die Anfrage, ob die Bonnerinnen mehrere Frauen aus Entwicklungsländern bei Betriebsbesichtigungen in Bonn/Rhein-Sieg begleiten könnten. Was sie gerne taten. Zum Frauennetzwerk in Bonns Partnerstadt Oxford besteht enger Kontakt. Davon profitierte zum Beispiel die Tochter eines b.unt Mitglieds. Das Mädchen besucht nun ein britisches Internat.

Weiblicher Führungsstil

Das zunehmende Interessen von Frauen, sich miteinander zu vernetzen, ist ein Hinweis auf ihren wachsenden Stellenwert in der Wirtschaftswelt. Frauen sind als Führungskräfte immer noch unterrepräsentiert. Andererseits wundert es niemanden mehr, wenn eine Frau die Chefin eines Unternehmens ist. So wie Bärbel Langwasser-Greb, seit Januar 2000 Geschäftsführerin der Kaiser-Karl-Klinik GmbH (www.kaiser-karl-klinik.de) mit 200 Mitarbeitern. Eine blaue Mappe unter den Arm geklemmt, eilt sie durch das Treppenhaus der Klinik, vorbei am zentralen Schwesternzimmer der Station, hinauf zur Abteilung für Physiotherapie. Hier muss sie sich mit einem Therapeuten besprechen, nebenan betreut dessen Kollegin eine greise Patientin, der kürzlich ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt wurde.

„Ich kann gar nicht sagen, ob Frauen anders führen als Männer“, sagt Bärbel Langwasser-Greb. „Denn auch unter Männern gibt es ja ganz unterschiedliche Führungsstile.“ Für sich hat sie jedoch einige typisch weibliche Eigenschaften ausgemacht: „Frauen sind sozial, sie können sich gut in ihre Mitarbeiter hineinversetzen“, sagt die Geschäftsführerin, die zum Beispiel den Anspruch hat, die Abteilungsleitungen paritätisch zu besetzen: „In der Orthopädie ist ein Mann Chefarzt, die Oberärztin ist eine Frau. In der Geriatrie/Inneren Medizin ist es genau umgekehrt, eine Frau ist die Chefin, ihr Stellvertreter ein Mann. So gibt es für jeden Mitarbeiter einen Ansprechpartner seines Geschlechts.“ Außerdem hat sie den Ansatz, ältere Arbeitnehmer und Teilzeitkräfte gezielt einzustellen: „Ich habe drei Sekretärinnen, die sich außerdem um das Marketing kümmern. Zwei von ihnen sind über fünfzig, alle arbeiten Teilzeit. So können sie sich gegenseitig vertreten, wenn eine von ihnen im Urlaub ist. Eine Vollzeitsekretärin wäre während ihres Urlaubs einfach weg und nur aushilfsweise zu ersetzen.“ Und eine weitere Personalentscheidung bringe das Unternehmen nach vorn: „Wir haben uns gegen das Outsourcing entschieden. Wir arbeiten ohne fremden Caterer und ohne Gebäudereinigungsunternehmen. Das machen wir selbst, denn wenn die Mitarbeiter sich integriert fühlen, steigt die Qualität ihrer Arbeit.“

Bärbel Langwasser-Greb, Geschäftsführerin der Kaiser-Karl-Klinik GmbH.

Bärbel Langwasser-Greb hat eine spannende Biographie hinter sich. Als gelernte Arzthelferin begann sie ihre Karriere, erreichte über zahlreiche kaufmännische Weiterbildungen ihre heutige Position. Eine Quote, um Frauen in Führungspositionen zu fördern, hat sie als junge Frau strikt abgelehnt. Heute denkt sie anders: „Ich glaube, anders geht es nicht.“

Qualität oder Quote?

Eine Meinung, die auch Thomas Sattelberger, Vorstandsmitglied Personal der Deutschen Telekom, vertritt. Auf ihn geht die Frauenquote, die die Telekom vor einem Jahr mit dem Ziel, künftig etwa jede dritte Position im oberen und mittleren Management mit Frauen zu besetzen, zurück. „Der Frauenanteil in deutschen Chefetagen ist beschämend gering. Offenkundig hindert eine ‚gläserne Decke’ Frauen am Aufstieg in Führungspositionen“, schreibt Sattelberger in einer Kolumne.

Als das Unternehmen die Frauenquote einführte, fand es viel Beifall in der Presse: Die Financial Times Deutschland erkannte einen „richtigen und wegweisenden Schritt“, die Welt jubelte: „Die Deutsche Telekom wird endlich innovativ.“ Die Wirtschaft hingegen, vor allem die Kollegen in den Vorstandsetagen anderer DAX-Unternehmen, zeigte sich zurückhaltend: Ein Sprecher der Deutschen Post sprach davon, „daran arbeiten zu müssen, Frauen für Führungs- oder Expertenpositionen zu gewinnen und zu halten. Die Lösung kann aber keine Frauenquote sein.“ Wirtschaftsverbände appellieren an die Freiwilligkeit der Unternehmen.

Der ersten Bilanz der Telekom zufolge hat die Quote bereits einen Wandel bewirkt: Im 60-köpfigen Management-Team unterhalb des Konzernvorstands, dem Business Leader Team, sind seit März 2010 statt zwei insgesamt sechs Managerinnen vertreten. Dennoch möchte sich keine der Damen öffentlich zu ihrem Karriereschub äußern. Zu groß ist die Sorge, als Quotenfrau, die es nicht aus eigener Kraft geschafft habe, abgestempelt zu werden.

Ursula Katthöfer
freie Journalistin, Bonn