IHK-Börsen

Wo Angebot und Nachfrage aufeinander treffen

15.09.2011

Ob Azubi-Suche oder Recycling, Kooperationen oder Technologie – bei vielen wichtigen Aspekten des Unternehmensalltags schaffen die Online-Börsen der Industrie- und Handelskammern wichtige Plattformen, auf denen Anbieter und Nachfrager aufeinandertreffen und das richtige Angebot finden können. Auch für weniger alltägliche Fälle – etwa bei der Unternehmensnachfolge – gibt es im Internet eine geeignete Börse. „Die Wirtschaft“ stellt fünf Börsen vor und erklärt, wie sie sich erfolgversprechend nutzen lassen.

„Für mich soll’s rote Rosen regnen“, sang einst Hildegard Knef. Ob sie nun tatsächlich auf jemanden herabregnen, ob man sie geschenkt bekommt oder sich selbst einen Strauß kauft – in jedem Fall haben die Blumen einen sehr langen Weg hinter sich, bis sie uns hier in Bonn, Rheinbach oder Siegburg erfreuen. Sie werden zum Beispiel in Ecuador oder Kenia geschnitten, in Sortier- und Packanlagen transportiert, sortiert und gebündelt, in Wasser gestellt und in Kühlräumen zwischengelagert. Dann werden sie transportfähig verpackt, zum nächsten Flughafen gebracht, unter Umständen nochmals zwischengelagert und schließlich mit oder ohne Zwischenstopp nach Deutschland geflogen, wo sie wiederum bis zum Blumenstand auf dem Markt oder zum Blumengeschäft verteilt werden.
Dass sie nach dieser Reise ihren Kopf nicht hängen lassen, dafür sorgt unter anderem Heinz-Dieter Schmidt. Der Unternehmer aus Windeck hat den „Freshbag“ erfunden, eine flexible Frischhalteverpackung für den Blumenversand. Sein Unternehmen, die rotaris Marketing GmbH, stellt die Verpackung seit nunmehr zehn Jahren her – und hat sie immer wieder verbessert. Versprach sie bei Markteinführung noch 24 Stunden Frische, wird sie heute für bis zu fünf Tage Transportzeit gefertigt.

Abfallvermeidung und
-verwertung: Recyclingbörse

Dabei spielen Transport und Zwischenlagerung auch bei rotaris selbst eine wichtige Rolle. Dazu benötigt das Unternehmen zum Beispiel immer mal wieder Einweg-Paletten – und findet sie in der Recyclingbörse der Industrie- und Handelskammern im Internet. Hier treffen Anbieter verwertbarer Abfälle auf Unternehmen, die solche zur Verwertung suchen, und hier finden Unternehmen, die für bestimmte Materialien kostengünstige Entsorgungswege suchen, auf entsprechende Anbieter. Schmidt sieht sich regelmäßig die Angebote an. Auch als er im Zuge der Weiterentwicklung des „Freshbags“ einen neuen Rohstoff eingeführt hat, begab er sich ins Börsengeschehen: „Von dem bisher verwendeten Zellstoff hatten wir zwei Tonnen übrig“, erinnert sich Schmidt, „zu viel und zu teuer, um ihn einfach zu entsorgen.“ Schnell fanden sich Interessenten, doch diesmal war das Unternehmen nicht erfolgreich, der angebotene Preis war Schmidt zu niedrig. „Wir konnten den Zellstoff dann doch noch teilweise selbst verarbeiten“, sagt der Unternehmer. Meistens findet er auf diesem Weg jedoch, was er sucht.
Die Recyclingbörse der Industrie- und Handelskammern bringt Anbieter und Nachfrager von verwertbaren Abfällen aus ganz Deutschland zusammen. „So fördert sie die Abfallvermeidung und -verwertung in den Unternehmen“, betont Dr. Rainer Neuerbourg, Bereichsleiter Industrie, Innovation, Umwelt der IHK Bonn/Rhein-Sieg. „Damit leistet die IHK-Recyclingbörse einen wesentlichen Beitrag zum betrieblichen Umweltschutz.
In der Recyclingbörse finden sich Angebote und Nachfragen zu zahlreichen Stoffgruppen – von Bauschutt und Bauabfällen über Metall und Textilien bis zu Verbundstoffen und Verpackungen. Und so funktioniert’s: Die Recherche nach Inseraten erfolgt ganz einfach über www.ihk-recyclingboerse.de/. Wer selbst Inserate einstellen möchte, kann den entsprechenden Eintrag bequem online vorbereiten – auf http://www.ihk-recyclingboerse.de/index.php?mod=register. Das Inserat wird dann von dem jeweiligen regionalen Ansprechpartner einer IHK, in Bonn/Rhein-Sieg von Rainer Neuerbourg, gesichtet und freigeschaltet. Die Nutzung ist kostenlos – wie bei allen in diesem Artikel beschriebenen Börsen.

Innovationnen- auch mit der Technologiebörse

Zum Service einer IHK für ihre Mitgliedsunternehmen zählt auch die Innovationsberatung. Ein zentraler Baustein: die Technologiebörse. „Viele Unternehmen möchten technische Neuerungen durch Lizenzen erwerben, andere sind dagegen bestrebt, Patente, Lizenzen oder auch ungeschütztes technisches Wissen zum Verkauf anzubieten“, weiß Rainer Neuerbourg. Ob ein Lizenzangebot für die Serienproduktion von energieeffizienten „Bio-Kaminen”, die Recherche von Computerverfahren zur Erkennung von Gestensprachen oder die Suche nach Partnern für neue Technologieprojekte zur Wärmerückgewinnung aus Luft und Abwasser – www.technologieboerse.ihk.de bietet Unternehmen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und freien Erfindern eine kostenlose Plattform für ihre Technologieangebote und -gesuche.
Die rund 2.000 Annoncen enthalten sowohl Produkt- als auch Verfahrens- und Dienstleistungsinnovationen und werden von den Innovationsberatungsstellen der IHKs gepflegt. Zahlreiche Funktionen sorgen für Benutzerfreundlichkeit: So lassen sich zum Beispiel durch eine „My Search”-Funktion individualisierte Suchprofile anlegen. Eine interaktive Landkarte vereinfacht die regionale Recherche. Die IHK Bonn/Rhein-Sieg gibt ihren Mitgliedsunternehmen gerne weiterführende Informationen zu den Inseraten aus ihrem IHK-Bezirk. Die Annoncen werden unter einer Schlüsselnummer geführt und sind nach der internationalen Patentklassifikation (IPC) geordnet. Die Schlüsselnummer wird durch die zuständige IHK vergeben, die auch bei konkreten Anfragen den Kontakt zwischen Anbietern und Nachfragern herstellt.

Generationenwechsel:
Unternehmensbörse „nexxt-change“

Manchmal geht es bei Unternehmen nicht bloß um Recycling oder Technologien, sondern ums Ganze – um das Unternehmen selbst. Um die Existenz des eigenen Betriebs zu sichern, müssen Unternehmer immer häufiger nach einem Nachfolger außerhalb der Familie suchen. Dies sollte systematisch geplant und frühzeitig angegangen werden. Die IHK Bonn/Rhein-Sieg begleitet pro Jahr rund 50 Unternehmensnachfolgen – von der Vermittlung von Firmeninhabern und deren Nachfolgern bis zur Beratung zum Übernahmepreis oder zu Finanzierungsfragen. Ein wichtiges Serviceinstrument ist die Online-Unternehmensbörse „nexxt-change“, mit der die Industrie- und Handelskammern in Deutschland gemeinsam mit Banken und Wirtschaftsförderungsinstitutionen bei der Suche nach geeigneten Unternehmerpersönlichkeiten helfen.
Die elektronische Plattform zum unternehmerischen Generationswechsel in Deutschland wendet sich an Existenzgründer und Unternehmer, die im Zuge einer Nachfolge ein Unternehmen zur Übernahme suchen, und an Unternehmer, die Nachfolger suchen, an die sie ihr Unternehmen übergeben können. www.nexxt-change.de ermöglicht den Nutzern, Inserate zu erstellen und selbst nach vorhandenen Inseraten zu recherchieren. Dabei werden sie von den Regionalpartnern begleitet, in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis also von der IHK Bonn/Rhein-Sieg. Diese übernimmt die Veröffentlichung der Inserate und stellt den Kontakt zwischen den Nutzern her.
Auf der Plattform können Interessenten über 3.000 Gesuche zur Weiterführung eines Unternehmens recherchieren. Zugleich finden sich mehr als 7.000 Profile von Unternehmern, die ihren Betrieb an einen Nachfolger übergeben möchten.

Den richtigen Partner finden: Kooperationsbörse

Auch bei der Suche nach Kooperationspartnern aus Dienstleistung, Handel oder Produktion ist die IHK Bonn/Rhein-Sieg die richtige Ansprechpartnerin. Sie ist regionaler Partner der bundesweiten IHK-Kooperationsbörse. Diese will die längerfristige zwischenbetriebliche Zusammenarbeit fördern. So können gerade kleine und mittlere Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit, auch international, stärken. „Indem sie da, wo es sinnvoll ist, zusammenarbeiten, können Betriebe Rationalisierungsvorteile erzielen“, weiß Bernhard Mensing, Geschäftsführer der IHK Bonn/Rhein-Sieg, „zugleich wahren sie ihre wirtschaftliche Selbstständigkeit.“ Die IHK Bonn/Rhein-Sieg nimmt Kooperationsangebote von Unternehmen aus ihrem IHK-Bezirk entgegen und veröffentlicht sie unter Angabe einer Kennziffer auf www.kooperationsboerse.ihk.de. Der Service ist kostenlos, die Anonymität bleibt gewahrt.

Azubisuche auch über die
IHK-Lehrstellenbörse

Die wohl meist frequentierte der fünf Online-Plattformen ist die IHK-Lehrstellenbörse. Hier treffen Jugendliche und junge Erwachsene, die einen Ausbildungsplatz suchen, auf Unternehmen, die Lehrstellen zu besetzen haben. Zum Beispiel die CONET Technologies AG. Das Unternehmen aus Hennef bildet seit seiner Gründung vor zirka 20 Jahren junge Leute aus – zu Fachinformatikern der Fachrichtungen Systemintegration und Anwendungsentwicklung sowie zu Kaufleuten für Bürokommunikation.

Insgesamt sind es rund 20 Azubis – bei 400 Mitarbeitern in der CONET-Unternehmensgruppe insgesamt. Am 1. August starteten sieben neue Azubis in dem Hennefer Unternehmen, einige Wochen zuvor absolvierten sieben ihre Abschlussprüfungen – alle mit „gut“ oder „sehr gut“.
Die Suche nach den Azubis für 2012 hat bei CONET bereits begonnen. Das Unternehmen nutzt dazu mehrere Kanäle – wie es sich für eine IT-Firma gehört, zählen dazu natürlich die eigene Homepage, Facebook und verschiedene Online-Foren. Außerdem sucht das Unternehmen den persönlichen Kontakten zu den Fachkräften von morgen: Am 20. Juli veranstaltete es in Hennef die „CONET Jobbing Night“ – interessierte Schüler und Eltern konnten sich mit Azubis und Mitarbeitern zwanglos unterhalten und zugleich einen Einblick ins Unternehmen erhalten.
Außerdem setzt CONET auf die IHK-Lehrstellenbörse. „Wir pflegen unseren Eintrag dort regelmäßig und sind stets aktuell“, berichtet Nicole Goebel, Personalreferentin bei dem Hennefer IT-Unternehmen, „die Börse ist ein wichtiger Recruiting-Baustein für uns.“ Insgesamt erhält die Personalabteilung rund 250 Bewerbungen jährlich für sechs bis sieben Ausbildungsplätze.
„Wir haben uns frühzeitig Gedanken über den demografischen Wandel und die Folgen für unser Unternehmen gemacht“, berichtet Goebel. Ein wichtige Erkenntnis: „Wir ziehen unseren Fach- und Führungskräftenachwuchs selbst heran.“ Das kostet das Unternehmen viel Zeit, Energie und Geld – und zahlt sich aus. „Unsere Azubis gehören zu den besten in der Region, sie werden immer wieder bei der IHK-Bestenehrung ausgezeichnet“, freut sich die Personalreferentin. Und sie betont: „Von den Absolventen der Sommerprüfungen haben wir alle übernommen – die unter ihnen, die noch ihr duales Studium beenden, werden wir anschließend übernehmen!“

Lothar Schmitz, freier Journalist, Bonn