Ulrike Lüneburg: „Den Mitarbeitenden Klarheit und Sicherheit geben“

Interview mit der Geschäftsführerin der B·A·D Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik GmbH

07.04.2020

Ulrike Lueneburg, Geschaeftsfuehrerin der B·A·D Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik GmbH in BonnDie B·A·D GmbH gehört zusammen mit ihren europäischen TeamPrevent-Tochtergesellschaften nach eigenen Angaben zu den größten internationalen Anbietern von Präventionsdienstleistungen im Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie in der betrieblichen Gesundheitsvorsorge. Die Gruppe mit Hauptsitz in Beuel betreut mit mehr als 5.000 Experten in Deutschland und Europa 280.000 Betriebe mit über vier Millionen Beschäftigten. Ulrike Lüneburg arbeitet seit 1. Januar 2020 bei B·A·D. In der Geschäftsführung ist sie verantwortlich für die Bereiche Human Resources, Kommunikation und Recht. Ein Gespräch über die Folgen der Coronavirus-Krise, über angemessene Kommunikation mit den Beschäftigten und Lehren aus der Krise.

„Die Wirtschaft“: Frau Lüneburg, wie ist Ihr Unternehmen in wirtschaftlicher Hinsicht aktuell von der Coronavirus-Krise betroffen?

Ulrike Lüneburg: Corona lässt uns in keinem Geschäftsfeld unberührt. In einem Unternehmensteil bieten wir Trainings und Seminare an. Dort ist das Geschäft vollständig weggebrochen. Alle Termine wurden verschoben oder abgesagt.

Auch in unserem Kerngeschäft, der Betreuung und Beratung von Unternehmen in den Bereichen Arbeitsmedizin, Arbeitssicherheit und Gesundheitsmanagement, spüren wir die Auswirkungen von – auch temporären – Unternehmensschließungen. In einigen Bereichen, so zum Beispiel Krisenberatung und im medizinischen Krisenkontext, haben wir allerdings auch Zuwächse zu verzeichnen. Insgesamt aber werden wir wirtschaftlich Schaden nehmen. Beziffern können wir dies aktuell allerdings nicht.

Welche Maßnahmen haben Sie zum Schutz der Beschäftigten getroffen?

Wir haben in unserem Unternehmen eine Vielzahl unter-schiedlicher Tätigkeiten.  Diese reichen vom klassischen Büroarbeitsplatz über Vorort-Beratung bei den von uns betreuten Firmen bis hin zu unseren Gesundheitszentren, in denen unser medizinisches Fachpersonal tätig ist. Entsprechend vielfältig sind unsere Maßnahmen.

Im Bürobereich arbeiten die meisten Mitarbeitenden im Homeoffice.  Die Aufrechterhaltung lokal notwendiger Inhouse-Tätigkeiten wird durch Separierung der Teams, 14-Tage-Schichten bei der Anwesenheit, Einzelbürobesetzung und nochmalige Verstärkung der Hy-giene gehandhabt. In unseren Gesundheitszentren und Niederlassungen werden alle nicht zwingend notwendigen Untersuchungen und Kundenkontakte verschoben. 

Zudem haben wir eine beachtliche Menge an alternativen Betreuungsformaten gefunden, mit denen wir unsere Kunden durch die Krise begleiten können. Dort wo der Kundenkontakt nach wie vor notwendig ist, weil wir etwa dringende Untersuchungen durchführen müssen – zum Beispiel für Feuerwehrleute oder die Arbeitenden, die unser Wirtschaftsleben gerade zumindest rudimentär am Laufen halten – befolgen wir strenge Hygienemaßnahmen.

Viele Mitarbeitende werden verunsichert sein, haben Angst um ihren Arbeitsplatz, bangen um ihre Existenz. Wie gehen Sie in diesen besonderen Zeiten mit Ihren Beschäftigten um?

Wir nehmen diese Sorgen ernst, denn Gesundheit hat nicht nur körperliche, sondern auch psychische Aspekte. Seit Anbeginn des Corona-Phänomens sind wir in einem täglichen Regelaustausch mit den Experten der verschiedenen Fachrichtungen unseres Hauses. Ergänzend zu unserem umfassenden Informationsangebot im Intranet zum Thema Corona haben wir auch einen täglichen News-Ticker installiert, der über die aktuellen Entscheidungen informiert. Dies gibt den Mitarbeitenden Klarheit und die Sicherheit, dass wir die Situation aktiv gestalten. 

Da Gesundheit für uns schon vor der Corona-Krise das Wesen unserer Organisation definiert hat, verfügen wir zudem über ein umfassendes Beratungsangebot für unsere Mitarbeitenden. Hierauf weisen wir derzeit verstärkt hin. Insgesamt nehmen wir wahr, dass in dieser Krisenzeit Aktualität und vor allem Klarheit die wichtigsten Faktoren der Kommunikation sind. Hierbei müssen auch kritische Themen offen angesprochen werden.

Auf Ihrer Website heißt es: „Wir schauen zuversichtlich in die Zukunft: Gesellschaft, Unternehmen und die Bevölkerung haben mittlerweile erkannt, dass das Thema Gesundheit einen Wert hat – aber nicht alleine für sich, sondern immer im Kontext.“ Dieses Zitat erhält jetzt noch einmal deutlich mehr Gewicht. Also: Was sollten Unternehmen nach der Krise anders machen als bisher, um sich für ähnliche künftige Fälle besser zu wappnen?

Wir nehmen wahr, dass dort, wo gesunde Gemeinschaften bestehen, Menschen in Selbstverantwortung gehen und es eine gesunde Führung gibt, die Krise leichter miteinander durchgestanden wird. Das sagt uns, dass die Themen Gesundheit und Gesundheitsschutz auch zur Vorbereitung solcher Ausnahmesituationen in einem umfassenden Sinne verstanden werden müssen. 

Der psychischen Stabilität des Einzelnen kommt heute mehr denn je eine besondere Rolle zu. Da sind noch nicht alle Unternehmen ausreichend aufgestellt. Daneben ist es natürlich auch in dieser Situation offenkundig, dass sich Unternehmen aktuell leichter tun, deren Mitarbeitende bereits für das Thema Gesundheit sensibilisiert sind. Hierzu trägt ein konsequentes System des Schutzes der Gesundheit am Arbeitsplatz bei.

Entscheidend ist wohl aber am Ende die Unternehmenskultur. Die Befolgung der eigenen Werte und Ziele ist gerade jetzt entscheidend. Die Gesunderhaltung der Menschen ist aus unserer Sicht der oberste Wert. Je tiefer dieser kulturell verankert ist, desto besser sind Gesellschaft, Unternehmen und Individuen für solche Krisen gerüstet.

Das Interview führte Lothar Schmitz, freier Journalist, Bonn