Wirtschaftslagebericht der IHK Bonn/Rhein-Sieg zum Jahresbeginn 2020

Beruhigung, aber keine Entwarnung

12.02.2020

Konjunkturklimaindikator Jahresbeginn 2020Der IHK-Konjunkturklimaindikator kann den Abwärtstrend der letzten Umfragen zunächst einmal stoppen. Mit 112 Punkten liegt er knapp sechs Punkte über dem Wert für den vergangenen Herbst. Im Vergleich der letzten fünf Jahre ist dies aber noch immer der zweit-niedrigste Stand. Ob dies nur eine kurze Erholung oder der Beginn eines neuen Aufschwungs ist, müssen die kommenden Monate zeigen. Nur leicht verbessert hat sich auch die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage. Die Hälfte der Unternehmen bezeichnet diese zum Jahreswechsel als befriedigend, 38 Prozent als gut. Der Anteil der negativen Bewertungen ging um drei Pro-zentpunkte zurück.

Auch die Erwartungen hellen sich zum Jahres-beginn etwas auf. Der Anteil der negativ gestimmten Unternehmen sinkt auf unter 20 Prozent. Damit halten sich Optimisten und Pessimisten wieder die Waage. Hauptrisiko bleibt der Fachkräftemangel, aber auch die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise beschäftigt die Befragten zunehmend. Der leichte Aufwärts-trend sorgt dann wieder für ein positives Vorzeichen bei der Investitionsbereitschaft. Immerhin 28 Prozent wollen mehr investieren. Dem stehen aber noch immer 24 Prozent gegenüber, die ihre entsprechenden Budgets zurückfahren.

Ebenfalls noch zurückhaltend zeigen sich die Unternehmen beim Aufbau der Beschäftigung. Mit einem Saldo von fünf Punkten kann hier höchstens mit einem moderaten Zuwachs gerechnet werden. In den einzel-nen Branchen sind die Chancen auf neue Jobs sehr unterschiedlich verteilt. Etwas weniger pessimistisch wird jetzt auch die Entwicklung der Exportvolumen eingeschätzt. Insgesamt wird aber noch immer mit einem leichten Rückgang gerechnet.

Dienstleistung

Die Dienstleister atmen auf und schätzen ihre Lage wieder etwas besser ein. Fast jedes zweite Unterneh-men bezeichnet die Situation als gut, weitere 40 Pro-zent immerhin als befriedigend. Grundlage sind wieder häufiger gestiegene Umsätze. Auch die Erwartungen sind wieder etwas optimistischer. Nur noch 13 Prozent erwarten eine Verschlechterung der Situation. Hier spielt auch das wieder anziehende Auslandsgeschäft eine positive Rolle.

Erfreulich wird sich in naher Zukunft auch die Beschäftigung entwickeln. Fast jedes dritte Unternehmen will seinen Personalbestand ausbauen, sofern es die nötigen Fachkräfte auch findet. Weiterhin expansiv ausgerichtet sind die Investitionsabsichten. 35 Prozent der Dienstleister wollen mehr investieren. Im Vergleich mit der Gesamtwirtschaft werden Produktinnovationen und Kapazitätserweiterungen besonders häufig als Motiv genannt.

Industrie

Der IHK-Geschäftsklimaindex für die Industrie erholt sich zum Jahresbeginn leicht, bleibt aber zum zweiten Mal in Folge unter der 100-Punkte-Grenze. Die aktuelle Lage wird von den meisten als befriedigend bewertet. Die Auftragseingänge gehen weiter zurück. Den kommenden Monaten blicken die Industriebetriebe mit gemischten Gefühlen entgegen. Zwei Drittel gehen von einer unveränderten Geschäftsentwicklung aus. Ein Viertel erwartet jedoch eine Verschlechterung. Nach wie vor hält sich die Industrie mit Investitionen zurück. Nur 24 Prozent planen hier eine Steigerung. Dem gegenüber wollen 33 Prozent weniger investieren. So wird auch im neuen Jahr die Beschäftigung eher zurückgehen.

Einzelhandell

Der IHK-Geschäftsklimaindex für den Einzelhandel erreicht mit 90 Punkten den schlechtesten Wert seit Jahresbeginn 2015. Damit setzt sich der seit zwei Jahren andauernde Abwärtstrend fort. Nur noch neun Pro-zent erwarten eine Verbesserung der Geschäfte. Dieser Pessimismus beruht auf den in den letzten Monaten gesunkenen Umsätzen. Fast 30 Prozent der Einzelhändler waren davon betroffen. Viele Händler in den Innenstädten berichten von einem sehr schleppenden Weihnachtsgeschäft und langfristigen Frequenzrückgängen. Nach wie vor üben die Einzelhändler bei den Investitionsabsichten Zurückhaltung. Nur 15 Prozent wollen mehr investieren.

Information und Telekomunikation (ITK)

Die Branche beurteilt ihre aktuelle Geschäftslage wieder sehr zufriedenstellend. Über die Hälfte der Unter-nehmen bezeichnet ihre Lage als gut, weniger als zehn Prozent als schlecht. Die anhaltende Schwächephase, insbesondere der Industrie, wirkt sich aber auf die Erwartungen aus. Zwei Drittel gehen von gleichbleibenden Geschäften aus, nur knapp 20 Prozent rechnen mit einer Verbesserung. Ins Positive drehen die Investitionsabsichten. Jedes vierte von ihnen will mehr investieren, nur 17 Prozent planen Einschnitte. Weiterhin expansiv ausgerichtet sind die Beschäftigungsabsichten.

Gastgewerbe

Der Start ins Beethovenjahr ist geglückt, was sich auch in der Stimmungslage im Gastgewerbe widerspiegelt. Konzerte und Ausstellungen ziehen regional und welt-weit Touristen an. Die Hälfte der befragten Hoteliers und Gastronomen schätzt ihre aktuelle Geschäftslage als gut und damit deutlich besser als im Herbst ein. Ebenfalls aufgehellt haben sich die Erwartungen. Die absolute Mehrheit rechnet weiterhin mit gleichbleibenden Geschäften, aber immerhin 13 Prozent glauben jetzt wieder an eine Verbesserung. Nach wie vor herrscht im Gastgewerbe Zurückhaltung bei den Investitionen.

Verkehr

Die Situation hat sich zum Jahresbeginn wieder etwas entspannt. Der IHK-Geschäftsklimaindex konnte den Abwärtstrend der letzten beiden Jahre stoppen. Zum wiederholten Mal wird die aktuelle Geschäftslage nahezu unverändert beurteilt. 31 Prozent bezeichnen diese als gut, weitere 52 Prozent immerhin als befriedigend. Die Erwartungen fallen etwas schlechter aus, deuten aber auf eine konstante Entwicklung der Branche hin. Etwas erholen konnten sich dagegen die Beschäftigungsabsichten. Immerhin 69 Prozent planen jetzt wieder mit konstanten Umfängen.

Die Erwartungen der Branchen zum Jahresbeginn 2020

Der komplette Wirtschaftslagebericht kann als PDF-Datei (2,4 MB) hier heruntergeladen werden.