Stommel Haus - Von der Dorfschreinerei zum Blockhauspionier

Das besondere Unternehmen

11.04.2018
Das Führungstrio von Stommel Haus: Ralf, Waltraud und Franz Stommel (v.l.)An einem verschneiten Wintermorgen rollen ein Kran und ein Sattelschlepper durch den kleinen Ort Wolperath bei Neunkirchen-Seelscheid. Laura Di Betta und Marco Richter können die Fahrzeuge kaum erwarten. Denn da kommt ihr Haus, genau gesagt ihr Holzhaus. Die Bodenplatte wurde bereits gegossen. Innen- und Außenwände, Fenster, Dachstuhl und Vordach wurden in den Produktionshallen der Stommel Haus GmbH gefertigt. Nun beginnen die Zimmerleute von Stommel, das massive Holzhaus aufzubauen. Nur wenige Stunden später kann das junge Ehepaar seine ersten Gäste im späteren Wohnzimmer bewirten. Die Wände des Erdgeschosses stehen bereits, zwischen Werkzeug, Schrauben und Winkelverbindungen reichen die Bauherren Kaffee und selbst gebackenen Kuchen. „Wir haben in einem Musterhauspark in Frechen ein Holzhaus von Stommel gesehen“, sagt Marco Richter. „Danach gab es kein Zurück mehr.“ Vor allem das wohnliche Klima in Räumen mit Holzwänden habe sie überzeugt. In vier Monaten soll der Innenausbau fertig sein, dann wollen sie einziehen. „Unsere Tochter Greta ist acht Monate alt“, sagt Laura Di Betta. „Ihren ersten Geburtstag möchten wir im eigenen Haus feiern.“
Freuen sich über die eigenen vier Wände: Stommel-Haus-Besitzer Laura Di Betta und Marco RichterFreuen sich über die eigenen vier Wände: Stommel-Haus-Besitzer Laura Di Betta und Marco Richter
Zu den Besuchern des ersten Tages gehört Franz Stommel. Den Höhenunterschied zwischen Baugelände und Erdgeschoss überwindet der 73-jährige so leichtfüßig, als habe er nie etwas anderes gemacht. Und tatsächlich hat Stommel sein ganzes Leben lang mit Holz gebaut. „Zu meinen ersten Erinnerungen gehört, aus den Kiefernborken der Zimmerei meines Vaters Schiffchen gebastelt zu haben, die wir am Bach aufs Wasser setzten.“ 1944 wurde Stommel in das Familienunternehmen, das sein Großvater Wilhelm Stommel gegründet hatte, hineingeboren. In der Volksschule von Eischeid, einem weiteren Ortsteil von Neunkirchen-Seelscheid, drückte er eine Schulbank, die sein Großvater 1910 gezimmert hatte. „Ich war zuhause von sieben Kindern der einzige Junge“, sagt Stommel. „Es war gar keine Frage, wer den Betrieb übernehmen würde.“ Nach einer Lehre im elterlichen Betrieb besuchte er 1965 die Höhere Fachschule für Innenarchitektur und Meisterschule in Beckum bei Warendorf, um seinen Meister zu machen. Eine Brandkatastrophe zwang ihn, vorzeitig zurückzukehren: „Wegen eines blanken Kabels brannte alles nieder: Das Sägewerk, die Schreinerei, das Holzlager, sogar Stall und Scheune. Die Feuerwehrleute konnten nur das Wohnhaus retten.“ Für Franz Stommel die Chance zum Neuanfang. Erst legte er die Meisterprüfung ab, dann machte er aus einer kleinen Dorfschreinerei ein Unternehmen, das den Holzhausbau immer wieder revolutionierte. „Bei der Bauausstellung Constructa in Hannover sah ich die ersten Holzhäuser. Das war mein Traum.“

Kundenwünsche werden anspruchsvoller

1971 startete Stommel mit Ferienhäuschen, die er zunächst am eigenen Esstisch plante. „Ich zeichnete und meine Frau kritisierte“, sagt er und beeilt sich hinzuzufügen: „Aber positiv.“ Damals wollten die Städter raus ins Bergische Land. Stommel war Mitte 20, als er in nur zwei Jahren eine Ferienhausanlage mit 40 Häusern plante, baute und abrechnete. Sein erstes Wohnhaus aus Holz entwarf er 1975. Gemeinsam mit seiner Frau Waltraud, ebenfalls in der Geschäftsführung des Unternehmens, bewohnt er es bis heute. 1991 folgte der nächste Meilenstein: Stommel ließ die erste Massivholzwand mit senkrechten Blockbohlen patentieren. Denn die Kunden wünschten zweistöckige Einfamilienhäuser mit großen Fenstern aus Holz. Das war mit waagerechten Bohlen technisch nicht machbar. „Mein Vater gehört zu den Pionieren des Blockhausbaus“, sagt Ralf Stommel, der in der vierten Generation in die Geschäftsführung eingetreten ist.

Naturbewusste schaffen Megatrend

Heute baut die Stommel Haus GmbH etwa 60 Häuser pro Jahr. Der nachhaltige Rohstoff liegt im Trend, außerdem soll das Wohnen im Holzhaus besonders gesund sein. So zeigten Studien, dass das menschliche Herz in einem Schlafzimmer aus Holz nachts achtmal weniger schlägt als anderswo. Auch Allergien gehen in den eigenen vier Holzwänden zurück. Meist sind die Kunden naturbewusste Privatleute, die es sich leisten können, beim Hausbau individuelle Wünsche umzusetzen – ob im Landhaus-, Bauhaus- oder Schwedenhausstil . „Wir bauen keine Standardhäuser“, sagt Ralf Stommel. „Zur Zeit suchen wir nach einer Lösung für einen Kunden, der sich ein Loft im Holzhaus wünscht.“ Ob das Loft sich realisieren lasse, sei noch offen. Fest steht: „Wenn es klappt, haben wir wieder ein neues Element. Diese Ideen machen unsere Arbeit so spannend. Der Juniorchef hat einen neuen Akzent gesetzt: Im Auftrag einer Wohnungsbaugesellschaft baut Stommel in Jülich eine Mehrfamilienhausanlage mit sechs dreigeschossigen Häusern, insgesamt entstehen 45 Wohnungen. „Wir haben es mit einem Megatrend zu tun“, meint Ralf Stommel. „Die Menschen möchten nachhaltig wohnen, das Vertrauen in Holz wächst.“ Stommel Häuser gibt es schon lange nicht mehr nur im Bergischen Land. Im Schwarzwald, in den Benelux-Ländern, in England, sogar in den schottischen Highlands stehen Holzhäuser, deren Wände und Dächer in Neunkirchen-Seelscheid produziert wurden. Der Umsatz ist von Jahr zu Jahr gewachsen. Waltraud Stommel muss lächeln, wenn sie an die Anfänge denkt: „Damals lachten die Leute uns aus und fragten: Wer will denn in Holz wohnen?“

Ursula Katthöfer, freie Journalistin, Bonn

Stommel Haus GmbH

Geschäftsführer: Franz Stommel, Waltraud Stommel, Ralf Stommel
Standort: Neunkirchen-Seelscheid
Gründung: 1910 durch Wilhelm Stommel
Mitarbeiter/innen: 60
Jahresumsatz:  ca. 17 Millionen Euro pro Jahr
Produktion: ca. 60 Holzhäuser pro Jahr
Branche: Bau und Holz
Kunden: Privatpersonen, Wohnungsbaugesellschaften
Internet:www.stommel-haus.de