Wirtschaftslagebericht der IHK Bonn/Rhein-Sieg zum Herbst 2018

Gute Lage, aber ungewisse Zukunft

07.11.2018
IHK-Konjunkturklimaindikator Herbst 2018Der IHK-Konjunkturklimaindikator Herbst 2018 geht leicht zurück. Mit 126 Punkten erzielt er im langjährigen Durchschnitt noch immer einen sehr guten Wert, allerdings deutet die Tendenz eindeutig auf eine Abkühlung des Klimas hin. Auslöser sind die etwas zurückhaltenderen Erwartungen. Immerhin noch ein Viertel der Unternehmen rechnet in den kommenden Monaten mit einer positiven Geschäftsentwicklung. Auf der anderen Seite erwarten jetzt zwölf Prozent eine Verschlechterung. Die aktuelle Geschäftslage wird hingegen unverändert positiv eingeschätzt. Fast jedes zweite Unternehmen bezeichnet diese als gut, weitere 43 Prozent noch als befriedigend. Gründe für die anhaltend gute Lage sind eine hohe Binnennachfrage und die Tatsache, dass Deutschland nicht mehr im Mittelpunkt der Handelsstreitigkeiten steht. Aber das prognostizierte, reduzierte Wachstum der Weltwirtschaft wird sich in Zukunft auch auf die exportabhängige regionale Wirtschaft auswirken. Weitere Risiken: Probleme bei der Gewinnung von Fachkräften und Wettbewerbsnachteile durch die im internationalen Vergleich hohe Besteuerung. Den kommenden Herausforderungen begegnet die regionale Wirtschaft mit einer steigenden Investitionsbereitschaft. Vier von zehn Unternehmen wollen in Zukunft mehr investieren, lediglich 15 Prozent planen Einschnitte. Hauptmotiv bleibt der Ersatzbedarf, gefolgt von Kapazitätserweiterungen. Unverändert wollen die Unternehmen auch in den kommenden Monaten die Beschäftigung erhöhen. Insbesondere bei den Dienstleistern werden weitere Stellen entstehen.

Dienstleistungen

Seit Jahren nahezu unverändert präsentiert sich der IHK-Geschäftsklimaindex für den Dienstleistungssektor. Diese den Standort prägende Branche erreicht mit 137 Punkten erneut ein sehr erfreuliches Ergebnis. Die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage fällt sogar nochmal ein wenig besser aus. Ein Ende der Hochkonjunktur ist momentan nicht abzusehen. Ein Drittel der Dienstleistungsunternehmen rechnet mit einer weiteren Verbesserung der Geschäfte.
Das anhaltende stabile Wachstum der Branche und die günstigen Finanzierungsbedingungen führen zu einer erhöhten Investitionsbereitschaft. 42 Prozent der Dienstleister wollen verstärkt investieren. Dem entsprechend geht die Branche auch von einem weiteren Beschäftigungswachstum aus. 40 Prozent der Unternehmen können allerdings aktuell offene Stellen längerfristig nicht besetzen.

Industrie

Die Industrie muss im Herbst 2018 einen deutlichen Dämpfer hinnehmen. Hauptursache für den Rückgang ist eine weniger positive Beurteilung der aktuellen Lage. Trotzdem bezeichnet noch immer die Hälfte aller Unternehmen die Situation als gut und nur elf Prozent als schlecht. Auch die Erwartungen für die kommenden Monate werden reduziert. Die Unsicherheiten bezüglich des Brexit und der amerikanischen Politik bleiben bestehen. Darauf reagiert ein knappes Drittel mit sinkenden Investitionen. Die Industrie entwickelt sich in diesem Bereich konträr zu den anderen hier betrachteten Branchen. Dies hat noch keine negativen Auswirkungen auf die Beschäftigung. Die meisten Unternehmen planen hier keine Veränderungen.

Einzelhandel

Die Einzelhändler in der Region beurteilen ihre Lage wieder etwas besser. 34 Prozent bezeichnen ihre Situation als gut, weitere 50 Prozent als befriedigend. Hintergrund ist, dass bei vielen Händlern der im Frühsommer beobachtbare Rückgang der Umsätze gestoppt werden konnte. Die Erwartungen deuten in den nächsten Monaten auf eine konstante Entwicklung hin. Auf der einen Seite befeuern der gute Arbeitsmarkt und steigende Löhne die Konsumlaune, auf der anderen Seite sorgen eine steigende Inflationsrate und eine höhere Sparquote für Abkühlung. Entsprechend bleibt die Beschäftigungsentwicklung auch im Herbst eher zurückhaltend. Die Investitionsbereitschaft hat sich von ihrem Tief im Frühsommer wieder erholt. Immerhin 26 Prozent wollen wieder verstärkt in ihr Geschäft investieren.

Information und Kommunikation

Die zuletzt rückläufige Erwartungshaltung hat sich wieder deutlich aufgehellt. 36 Prozent der Unternehmen gehen in den kommenden zwölf Monaten von sich verbessernden Geschäften aus. Im Gegensatz dazu fallen die Lagebeurteilungen nicht mehr ganz so euphorisch wie im Frühsommer aus. Ausgelöst durch das gute Konjunkturklima und die wieder anziehenden Erwartungen, will die Branche jetzt auch verstärkt investieren. Weiterhin expansiv ausgerichtet sind die Beschäftigungspläne. Hauptrisiko bleibt der Fachkräftemangel.

Gastgewerbe

Zum dritten Mal in Folge muss das Gastgewerbe einen weiteren Rückgang des Indizes hinnehmen. Auslöser ist eine Eintrübung der Erwartungen. Die Beurteilung der Geschäftslage bleibt bei den Hoteliers und Gastronomen insgesamt konstant. Die Investitionsbereitschaft nimmt trotz der negativen Erwartungen wieder zu. Im Fokus stehen dabei eine steigende Zahl von Kongressteilnehmern und die erwarteten Besucher zum Beethovenjahr 2020.

Verkehr

Die Lageeinschätzung verbessert sich deutlich, im Gegensatz dazu geht die Erwartungshaltung seit der Vorumfrage eindeutig zurück. Dies ist angesichts der sehr guten Ausgangslage und der zu erwartenden Verlangsamung des weltweiten Wachstums auch nicht verwunderlich. Auf der anderen Seite wird den Unternehmen auch immer bewusster, dass die Verkehrsinfrastruktur in vielen Bereichen an ihre Grenzen kommt und damit einem weiteren Wachstum im Wege steht. Erwartungen der Branchen zum Herbst 2018