IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


Wirtschaftsfaktor Beethoven

Der "Bilbao-Effekt"

Die Chinesen liegen Beethoven zu Füßen. Als das Beethoven-Orchester Bonn vor wenigen Wochen erstmals in China auf Tournee war, strömten die Besucher in Scharen zu den Konzerten. Beethovens Musik, gespielt von dem Orchester, das den Namen des weltberühmten Komponisten trägt und aus seiner Geburtsstadt kommt – besser konnte es nicht kommen. Im Reich der Mitte ist Beethoven eine Marke. Und in Bonn? Hier liegt, was den berühmtesten Sohn der Stadt betrifft, noch manches im Argen. Das will Wolfgang Grießl ändern. Der Unternehmer und Präsident der IHK Bonn/Rhein-Sieg hat sich zum Ziel gesetzt, die Marke Beethoven deutlich aufzuwerten. Er sieht dabei die enge Verzahnung zwischen Kultur und Wirtschaft, denn längst ist Kultur zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden – und zu einem Kriterium, das Unternehmen bei ihrer Standortwahl immer stärker berücksichtigen. Unerlässlich für eine Stärkung der Marke Beethoven ist nach Ansicht von Grießl ein zeitgemäßes Festspielhaus.

Die von dem IHK-Präsidenten ins Leben gerufene Initiative „5.000 für Beethoven“ (www.5000.ag) setzt sich dafür ein. Sie will 5.000 Unternehmer und Bürger gewinnen, in den nächsten fünf Jahren jeweils 1.000 Euro für den Bau des Konzerthauses zu spenden. 25 Millionen Euro sollen also insgesamt zusammenkommen. „Die Wirtschaft“ sprach mit Wolfgang Grießl über Beethoven, die Festspielhaus-Pläne, Umwegrenditen und den „Bilbao-Effekt“. Im Märzheft folgt dann ein weiterer Artikel über den „Wirtschaftsfaktor Beethoven“.

 

Herr Grießl, lieben Sie Beethoven?
Ja, seine Musik hat mich immer begleitet. Mein Vater spielte Geige, ich war an einem humanistischen Gymnasium – da spielte Beethoven, überhaupt klassische Musik, stets eine wichtige Rolle. Ich höre aber auch Deep Purple oder Sting. Ich gehe zum Beethovenfest, aber auch ins Pantheon. Kurz: Ich habe ein breites Kulturverständnis und finde, dass nur ein möglichst vielfältiges Kulturangebot den Charme einer Stadt wie Bonn ausmacht.

Sind Sie gerne in der Beethovenhalle?
Ganz ehrlich? Nein. Auch ohne ein absolutes Gehör zu haben, gefällt mir dort die Akustik nicht sonderlich. Noch weniger mag ich, dass man dem Orchester dort nicht etwa auf die Instrumente, sondern auf die Füße schaut. Zudem ist die Halle in die Jahre gekommen; auch und gerade hinter der Bühne genügt sie schon lange nicht mehr modernen Ansprüchen. Die Beethovenhalle kann sich international nicht sehen lassen.

Ist das denn so wichtig?
Beethoven ist zusammen mit Mozart weltweit der bekannteste Komponist. Seine Musik entfacht Begeisterung rund um den Globus. Dass er in Bonn geboren wurde und aufgewachsen ist, ist dagegen schon weniger bekannt. Die, die es wissen und deshalb nach Bonn kommen, wollen das Beethoven-Haus sehen. Wegen seiner Musik kommt aber leider niemand nach Bonn, allenfalls zu den entsprechenden Konzerten des Beethovenfestes. Spätestens zum 250. Geburtstag Beethovens sollte Bonn aber eine Stadt sein, in die die Menschen auch wegen der Musik des Komponisten reisen. Deshalb muss die Marke Beethoven national und international deutlich aufgewertet werden.

Das soll mit einem modernen Festspielhaus gelingen?
Nicht nur, aber auch. Schauen Sie zum Beispiel nach Bilbao. Bis vor einigen Jahren stand die nordspanische Industriestadt nicht auf dem Reiseplan internationaler Städtetouristen. Seit dort das von dem berühmten Architekten Frank O. Gehry konzipierte, Aufsehen erregende Guggenheim-Museum entstanden ist, kommen immer mehr Besucher in die Stadt. Das spricht sich herum, immer mehr Leute werden darauf aufmerksam und reisen dorthin. Die Entwicklung hat die gesamte Stadt aufgewertet.

Sie nennen das den „Bilbao-Effekt“.
Genau. Und in Bonn wäre er mit einem aufregenden, qualitätsvollem Festspielhaus genauso zu spüren. Wir wissen beispielsweise vom Beethovenfest, dass für jeden investierten Euro drei bis vier Euro zurückkommen. Die Salzburger Festspiele erzeugen eine Umsatzrendite von 250 Millionen Euro pro Jahr.

Kultur als Wirtschaftsfaktor?
Der wirtschaftliche Aspekt ist für mich als Unternehmer der treibende Aspekt. Im Übrigen gibt es eine Entschließung der Vollversammlung der IHK Bonn/Rhein-Sieg: Die rund 60 Unternehmerinnen und Unternehmer begrüßen ein neues Festspielhaus für Bonn aus wirtschaftlichen Gründen! Denn Tatsache ist: Immer mehr Firmen wählen ihren Standort auch nach sogenannten weichen Standortfaktoren aus, also etwa nach dem Freizeitwert für die Mitarbeiter. Die Kultur spielt da eine immer wichtigere Rolle.

Sie haben die Initiative „5.000 für Beethoven“ gegründet. Was wollen Sie erreichen, wie wollen Sie vorgehen?
Klar ist: Es muss kein Geld ausgegeben werden, um den Namen Beethoven bekannt zu machen. Aber die Verknüpfung zwischen dem Namen und der Stadt ist uns noch viel zu schwach. Wir wollen bei allen kultur-affinen Bürgern und Unternehmern, bei Ärzten, Anwälten, Universitätsangehörigen und vielen weiteren gesellschaftlichen Gruppen Begeisterung wecken für Beethoven, vielleicht auch ein bisschen Stolz darauf, Bürger der Beethovenstadt Bonn zu sein. Wir wollen 5.000 Menschen dazu bewegen, über fünf Jahre verteilt insgesamt 5.000 Euro zu spenden, für die nächsten fünf Jahre jeweils 1.000 Euro. Das sind vor Steuern pro Monat noch nicht einmal 100 Euro.

Wie viele Zusagen haben Sie denn schon?
Bis Ende Dezember waren es bereits 150 – und das obwohl unsere Initiative offiziell erst im Januar an den Start gegangen ist. Ein Unternehmer hat übrigens eine Einzelspende von einer Million Euro zugesagt!

Wie wollen Sie weitere 4.850 Menschen überzeugen?
Vor allem mit den kulturellen und wirtschaftlichen Argumenten, die ich vorhin ausgeführt habe. Wir werden Menschen persönlich ansprechen und auch als Multiplikatoren nutzen. Es wird Flyer und Veranstaltungen geben, die Website www.5000.ag wird zunächst in deutscher und englischer Sprache informieren und aufmerksam machen, in den kommenden Monaten dann zusätzlich in Französisch, Japanisch, Spanisch, Italienisch, Chinesisch, Koreanisch und anderen Sprachen. Dafür steht der Festspielhaus Beethoven Förderverein e.V. ein. Und noch ein wichtiger Punkt: Maximal zwei bis drei Prozent der Spenden sollen für die Kampagne genutzt werden, mindestens 97 Prozent fließen ins Festspielhaus…

…das mit 25 Millionen Euro leider nicht zu realisieren ist.
Das stimmt. Wenn die Deutsche Post AG allerdings an ihrer ursprünglichen Zusage festhält, dann stehen schon 55 Millionen Euro zur Verfügung. Außerdem hat der Oberbürgermeister bekundet, größere Sponsoren für weitere 25 Millionen Euro finden zu wollen. Das wären dann 80 Millionen Euro – bei 90 Millionen Euro Baukosten. Die noch fehlenden zehn Millionen Euro schaffen wir dann auch noch, da bin ich ganz sicher!

Wir drücken Ihnen die Daumen!
Danke. Damit unsere Kampagne Erfolg hat, müssen wir innerhalb der ersten Jahreshälfte Zusagen über fünf bis sechs Millionen Euro haben. Also ist klar: Wir müssen und werden in den kommenden Wochen Begeisterung schaffen!
Lothar Schmitz, freier Journalist, Bonn

Die Wirtschaft

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