IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


Initiative Rheinland

Mekka für kreative Köpfe

„Der“ Medienstandort schlechthin – und das nicht nur im Rheinland – ist und bleibt unbestritten Köln. Hier ist mit der M. Dumont Schauberg GmbH & Co. KG nicht nur eines der größten deutschen Medienhäuser zuhause, sondern mit dem Westdeutschen Rundfunk die größte öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt und mit RTL der größte private Fernsehsender Deutschlands. In Köln entsteht ein Drittel des gesamten deutschen Fernsehprogramms.  Produktionsfirmen, Games-Unternehmen, digitale, mobile Medien – für Kreative ist die Domstadt ein wahres Mekka. Auch weil die Kölner Hochschulen Jahr für Jahr erstklassigen Nachwuchs ausbilden, der den Kreis der Medienschaffenden erweitert.

Neben den Großen der Kölner Medienbranche gibt es aber auch jene, die in der Öffentlichkeit nicht ganz so bekannt sind – und das, obwohl sie gerade für die regionale Wirtschaft von größter Bedeutung sind. So wie die WDR mediagroup GmbH, eine 100-prozentige Tochter des Westdeutschen Rundfunks. 1958 als Westdeutsches Werbefernsehen gegründet und seit 2004 unter dem heutigen Namen firmierend, vermarktet sie im Kerngeschäft die Werbezeiten der WDR-Hörfunkwellen und die regionalen TV-Werbefenster für NRW im Vorabendprogramm der ARD. Michael Loeb ist seit 2008 Geschäftsführer der mediagroup. Für ihn ist Köln und damit auch das Rheinland der Medienstandort Nummer Eins in Deutschland: „Damit kommt der Gesamtmarkt am Rheinland als Medienhochburg und Standort größerer und kleiner Produktionsbetriebe und weiterer assoziierter Unternehmen nicht vorbei.“

Nicht nur Köln hat in Sachen Medienlandschaft einiges zu bieten. Rund ein Fünftel aller Umsätze der nordrhein-westfälischen Kreativwirtschaft werden zum Beispiel im Großraum Düsseldorf erwirtschaftet. Spitzenreiter dort: die Werbewirtschaft, für die Düsseldorf als Top-Standort in Deutschland bekannt ist. So gehört etwa die Grey Worldwide GmbH, die 1953 in Düsseldorf gegründet wurde, zu den größten Kommunikationsdienstleistern in Deutschland und bietet Marketing Services in allen Disziplinen der integrierten Kommunikation. Grey hat zum Beispiel bekannte Werbefiguren wie Bruno, das HB-Männchen, die Wicküler Musketiere, Dr. Best und die Punica-Oase geschaffen. Uli Veigel, Chairman & CEO GREY group Germany & CEE, setzt voll auf den Medienstandort Rheinland: „NRW ist der führende Medien- und Kreativstandort in Deutschland und Düsseldorf der umsatzstärkste Werbestandort. Das vielseitige Angebot  der Kunst- und Kulturszene und tolle Hochschulen machen die Region so attraktiv für kreative Köpfe.“

Aus Bonn in alle Welt

 Dr. Reinhardt Hartstein, stellvertretender Intendant der Deutschen Welle und stellvertretender Vorsitzender des "Gemeinschafts-Ausschusses Medien der IHKs Köln und Bonn/Rhein-Sieg.

Wer solch medial große und mächtige Nachbarn hat wie Düsseldorf und Köln, wird oft übersehen – der früheren Bundeshauptstadt Bonn und dem benachbarten Rhein-Sieg-Kreis droht dieses Schicksal in Anbetracht ihrer eigenen bunten Medienlandschaft nicht. Weit über die Region hinaus bedeutend ist die 1953 gegründete Deutsche Welle, die seit 2002 aus dem ehemaligen Bonner Regierungsviertel in alle Welt sendet. Mehr als 1.500 Mitarbeiter, davon fast 1.000 allein in Bonn, produzieren für die öffentlich-rechtliche, aus Steuermitteln finanzierte Deutsche Welle Fernseh-, Radio- und Online-Angebote in 30 Sprachen. Im Mittelpunkt des Programms steht der interkulturelle Dialog. „Bonn ist seit zehn Jahren neue Heimat für den deutschen Auslandsrundfunk“, sagt Dr. Reinhart Hartstein, stellvertretender Intendant der Deutschen Welle. „Als multinationales Unternehmen passen wir ausgezeichnet in das internationale Profil, das die Stadt seit dem Umzug von Parlament und Regierung entwickelt hat. Mit der UNO, den Nord-Süd-Institutionen und Organisationen der Entwicklungshilfe unterhalten wir viele gute Kooperationen – wie auch mit den zahlreichen Medieneinrichtungen vor Ort. Ob Deutsche Welle oder Phoenix, General-Anzeiger oder Radio Bonn-Rhein-Sieg, sie und viele andere sind Teil einer lebendigen Medienlandschaft der Bundesstadt.“

Lokalfernsehen im Aufwind

Die City-Vision GmbH & Co. KG sendet nicht in alle Welt, sondern vor allem in und für Mönchengladbach und das Umland. Seit Januar 2009 gibt es den lokalen Fernsehsender, der aus der Werbefilm-Produktionsfirma seines Geschäftsführers Thomas Manglitz hervorgegangen ist. Nach nur einem Jahr hatte City-Vision bereits einen Bekanntheitsgrad von rund 87 Prozent, täglich erreicht der Sender mit seinem halbstündigen aktuellen Programm, das ab 18 Uhr in Rotation ausgestrahlt wird, mehr als 22.000 Zuschauer in der Stadt am Niederrhein. Thomas Manglitz sieht das Lokalfernsehen in NRW im Aufwind. Mit seinen 15 Mitarbeitern setzt der gebürtige Gladbacher vor allem auf eines: Lokalkolorit. Davon können in seinen Augen auch die Unternehmen vor Ort profitieren: „Bei uns kann jeder zum Alltagshelden werden, vom Lokalpolitiker bis zum Möbelverkäufer – wenn die Leute einschalten, sehen sie immer etwas, das sie kennen.“

Tageszeitungen im Rheinland

Die Welt, aber vor allem das, was vor der Haustür passierte, haben die regionalen Tageszeitungen im Rheinland im Blick. Seit jeher setzen sie auf Lokalkolorit. „Es gibt heute nur noch wenige Dinge, mit denen wir signalisieren, wo wir uns zuhause fühlen, was unsere Heimat ist“, sagt Helmut Heinen, Präsident des Bundes deutscher Zeitungsverleger e.V., „das Autokennzeichen gehört zum Beispiel dazu, das lokal oder in der Region gebraute Bier – und ganz besonders auch die lokale Zeitung. Sie bedeutet Nähe, Nachbarschaft, das Gespräch der Bürger vor Ort.“ Das Rheinland ist reich an lokalen und regionalen Zeitungen. Durch Nutzung der digitalen Medien und durch Kooperationen mit anderen Zeitungen sowie lokalen Radio- und Fernsehsendern bleiben sie eines der wichtigsten Richtmedien für Bürger wie Unternehmer.

So wie die Aachener Zeitung und die Aachener Nachrichten, die seit 1975 im Zeitungsverlag Aachen produziert werden. Anzeigenteil, Vertrieb und Verwaltung sowie seit 2003 auch der überregionale Wirtschafts-, Sport- und Kulturteil sind für beide Blätter gleich, der Politikteil sowie die regionalen und lokalen Seiten sind unterschiedlich. Neben den beiden Tageszeitungen mit einer Gesamtauflage von etwa 130.000 Exemplaren zeichnet die Zeitungsverlag Aachen GmbH auch für die Anzeigenblätter „Super Mittwoch“ und „Super Sonntag“ sowie die regionalen Internetportale der Zeitungen und die lokale Community www.5zwo.de verantwortlich. Chefredakteur Bernd Mathieu blickt positiv in die Zukunft des Verlages, der zu 75,5 Prozent der Aachener Verlagsgesellschaft und zu 24,5 Prozent der Rheinischen Post aus Düsseldorf gehört: „Die Gesellschafter haben sich klar zum Druckstandort Aachen bekannt und in eine neue Rotation investiert, durch die unsere Zeitungen ab September 2012 in stark verbesserter Druckqualität erscheinen können.“ Künftig sollen AZ und AN noch stärker regionalisiert werden.

Andreas Tyrock (4. v. r), Chefredakteur der Bonner Tageszeitung General-Anzeiger, leitet die Redaktionskonferenz.

Auch das Solinger Tageblatt ist ein solches Richtmedium – und eine der wenigen regionalen Tageszeitungen, die noch gänzlich selbständig sind. Die Schlüssel zum Erfolg des Medienhauses B. Boll, Verlag des Solinger Tageblattes GmbH & Co. KG: Konzentration aufs Lokale, Modernität, Kooperationen und vor allem der Impetus, „nicht nur zuzugucken und zu berichten, sondern sich für die Stadt zu engagieren“, so Verleger Bernhard Boll. 2011 übernahm das Medienhaus den angeschlagenen Remscheider General-Anzeiger und ist im Städtedreieck Wuppertal/Remscheid/Solingen ziemlich tonangebend: 89 Prozent Marktanteil in Solingen und 78 Prozent in Remscheid sprechen für sich. Gerade für kleinere Unternehmen sei die regionale Zeitung ein wichtiger Partner, betont Boll, Mitglied der Vollversammlung der IHK Wuppertal. „Sie brauchen professionelle Kommunikation.“

Trotzdem stehen immer noch viele Unternehmer den Medien skeptisch bis kritisch gegenüber, wie Bernd Mathieu, Chefredakteur der Aachener Zeitung und Aachener Nachrichten, beobachtet. „Erstaunlich viele Unternehmer neigen immer noch zu sehr zur Defensive, wenn es um die Zusammenarbeit mit den lokalen Medien geht, weil sie Angst haben, in ein falsches oder schlechtes Licht gerückt zu werden.“ Natürlich könne und werde kein unabhängiges Medium plumpe Produktwerbung betreiben, so Mathieu. „Aber beinahe jedes Medium ist bemüht, das wirtschaftliche Spektrum seiner Region in der Berichterstattung abzubilden und positive Entwicklungen herauszustellen und zu fördern.“ Die Medien brauchen die Wirtschaft, und die Wirtschaft braucht die Medien. In kaum einer Region haben beide Seiten so viele Chancen, voneinander zu profitieren wie im Rheinland – sie müssen sie nur nutzen.

Anna Maria Beekes

Die Wirtschaft

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