Nachhaltiges Wirtschaften als strategischer Prozess

Controlling: Wirtschaftlich, ökologisch und sozial – gibt es die eierlegende Wollmilchsau?

12.02.2014

Controlling_Nachhaltiges Wirtschaften als strategischer ProzessGesellschaft und Politik fordern von Unternehmen verantwortungsbewusstes nachhaltiges Wirtschaften. Eine nachhaltige Ausrichtung hat Einfluss auf die Kaufentscheidung des Kunden, die Reputation und Wettbewerbsposition sowie die Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgeber.
Außerdem fordern viele Unternehmen von ihren Lieferanten Informationen zur Nachhaltigkeit der Produktion wie etwa den CO2-Ausstoß oder den Carbon Footprint je Produkt. Auch der sparsame Umgang mit Strom ist ein Thema, das mit Nachhaltigkeit in Verbindung gebracht wird. Nicht selten werden Computer über Nacht aus Bequemlichkeit nicht heruntergefahren oder aufwändige Bildschirmschoner genutzt, deren Stromverbrauch höher ist, als der im Normalbetrieb laufende Computer.

Prof. Dr. Andreas WiesehahnProf. Dr. Andreas Wiesehahn ist Professor für Controlling und Rechnungswesen an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Viele Unternehmen setzen daher auf papier- und stromsparende Technologien, um die Kosten zu senken und die Umwelt zu schonen. Eine einmalige Spende oder unkoordinierte "gute Taten" im Bereich Umweltschutz und Soziales sind leicht durchschaubar und überzeugen wenig. Vielmehr müssen ökologische, soziale und ökonomische Ziele systematisch mit der Strategie des Unternehmens verbunden und nachgehalten werden.

Dies gilt nicht nur für große, sondern grade auch für kleine und mittlere Unternehmen. Bei kleinen Unternehmen ist der direkte Kontakt zum Kunden und zur Region meistens viel enger und Auswirkungen von guten Geschäften sind daher direkter spürbar. Unternehmen, die sich für ein ressourcenschonendes, nachhaltiges Wirtschaften als Teil der Unternehmensstrategie entscheiden, prüfen regelmäßig und sehr genau, welche Auswirkungen ihre Entscheidungen auf die sozialen, ökologischen und ökonomischen Ziele haben.

Erfolgsfaktoren definieren und messen

So ermitteln viele Transportunternehmen und Speditionen zum Beispiel zunächst den Energieverbrauch und CO2-Austoß der Touren, um einen Überblick über die derzeitige Situation zu bekommen. Dabei kann bereits mit recht einfachen Mitteln über den Kraftstoffverbrauch und mit Umrechnungsfaktoren der direkte CO2-Ausstoß abgeschätzt werden. Schritt für Schritt kann diese Rechnung dann verfeinert und auch auf indirekte Emissionen der vor- und nachgelagerten Produktionsstufen ausgedehnt und mit Standards (z.B. GHG Protokoll, DIN EN 16258) in Einklang gebracht werden. Die Auswirkungen auf Umweltschutzziele des Unternehmens durch Änderungen der Tourenplanung oder den Kauf eines neuen, emissionsarmen LKW auf den CO2-Ausstoß wird so transparent und messbar. Solche Berechnungen werden von Unternehmen mit ökologischen, ökonomischen und sozialen Zielen regelmäßig durchgeführt und sind in den Controllingprozess eingebettet.

Transparenz durch Nachhaltigkeitscontrolling

Zunächst wird also geplant, welche Geschäfts-, Umwelt- und Sozialziele langfristig (z.B. 5 Jahre) und mittel- und kurzfristig (1 - 3 Jahre) erreicht werden sollen. Diese Planungen werden dann regelmäßig, zum Beispiel monatlich, mit der aktuellen Situation verglichen. Ergeben sich Abweichungen zu den geplanten Zielen, ist zu prüfen, ob besondere Aktionen notwendig sind, um das Ziel zu erreichen. Hochrechnungen und Prognosen der Entwicklung bis zum Jahresende vervollständigen das Nachhaltigkeitscontrolling und helfen die Auswirkungen von durchgeführten Aktionen transparent zu machen. Wenn das Unternehmen damit auch nicht automatisch alle Ziele gleichzeitig erreichen kann, wird aber der Unterschied zu den gesetzten Zielen transparent. Es wird erkennbar, ob auf dem Weg zur Erreichung aller Nachhaltigkeitsziele - also zur eierlegenden Wollmilchsau - die Eier zu klein, die Wolle zu grob, die Milch voller Haare und die Koteletts geschmacklos geworden sind.

Prof. Dr. Andreas Wiesehahn


8. Sankt Augustiner Controlling-Tagung "Nachhaltige Unternehmenssteuerung"

am Freitag, 14. März 2014

Die Controlling-Tagung gibt einen Überblick zur nachhaltigen Unternehmenssteuerung in Theorie und Praxis. Anwendungsorientierte Forschungsergebnisse und Best Practice Vorträge zum nachhaltigen Beteiligungscontrolling stehen im Zentrum der Veranstaltung.

Ort: Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, Grantham-Allee 20, 53757 Sankt Augustin
Programm und Anmeldung unter: www.controlling-tagung.de