IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


COP23 – Weltklimagipfel Bonn 2017

Der Gipfel, die Stadt und der Klimawandel

COP23 (© E. Mantouvalou/f9photos-AdobeStock)Der Weltklimagipfel in Bonn ist derzeit eines der wichtigsten politischen Ereignisse weltweit. Längst hinterlässt der Klimawandel seine Spuren – beim Bonner Gipfel ringen rund 25.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer um dessen Begrenzung. Der Weltklimagipfel ist selbst für die UN-Stadt Bonn ein Ausnahmeereignis.

„Die Wirtschaft“ sprach mit Akteuren der Stadt und der Wirtschaft. Wir wollten wissen: Welche Bedeutung hat der Gipfel für Bonn – wirtschaftlich und in Sachen Standortimage? Was leistet die Stadt selbst für den Klimaschutz? Und wie steht es in den Unternehmen in Bonn in Sachen Klimaschutz und Nachhaltigkeit?

Ob „Pützchens Markt“, „Rhein in Flammen“ oder „Beethovenfest“ – es gibt in Bonn Großereignisse, an denen in der Stadt, aber auch in der Region sozusagen kein Weg vorbei führt. Die Medien berichten, Plakate und Flaggen künden von den Ereignissen, in Stadt und Umland sprechen die Menschen darüber.

Doch was seit 30. Oktober hier los ist, im Grunde genommen sogar schon seit zwei, drei Monaten, stellt alles bisher Dagewesene in den Schatten. Man hatte in den vergangenen Wochen ganz deutlich das Gefühl, Teil von etwas Höherem, Größerem zu sein.

Think global, act local – selten war dieser Leitspruch der Umweltbewegung so greifbar wie in diesem Herbst. Der Grund dafür: der Weltklimagipfel – kurz und neudeutsch: COP23. Ein globales Ereignis im lokalen Bonn. Act local, lokales Handeln also: Das waren zum Beispiel die Antworten vieler Bonnerinnen und Bonner auf den „Call for beds“. Für den eigentlichen Konferenzzeitraum, aber auch die Tage rund um den vorhergehenden zivilgesellschaftlichen Gipfel und die Großdemonstration am 4. November meldeten sie sich als private Gastgeber und stellten kostenlose Unterkünfte zur Verfügung.

Lokal handeln konnte auch, wer dem Aufruf der Stadt folgte und sich als freiwilliger Helfer für den Weltklimagipfel bewarb. Die über 500 sogenannten „Bonn-Freiwilligen“ unterstützen die insgesamt rund 25.000 Konferenzteilnehmer zum Beispiel dabei, sich in der Stadt und auf dem weitläufigen Konferenzgelände zurechtzufinden.

Auch Kunst und Kultur leisten ihren lokalen Beitrag zum großen Thema dieses Bonner Herbstes. Seit Oktober ist in der Bundeskunsthalle die Ausstellung „Wetterbericht – Über Wetterkultur und Klimawissenschaft“ zu sehen. Die Geschichte der Meteorologie sowie aktuelle Aspekte des globalen Klimawandels spielen in der Ausstellung eine zentrale Rolle. In ihrer Galerie in Bad Godesberg widmet zudem Judith Andreae noch bis 22. Dezember eine vielschichtige Gruppenausstellung dem Thema „The Planet is Blue“. Sie bezieht sich auf Themen, die mit dem Klimawandel zusammenhängen. Während der Klimakonferenz und noch bis März nächsten Jahres wird einer der Künstler, Achim Mohné, eine große Installation mit der Bundeskunsthalle realisieren.

Sogar die Deutsche Bahn hat ihren lokalen Beitrag geleistet: Pünktlich zum Weltklimagipfel stellte sie die neue Haltestelle „UN-Campus“ fertig – fast sechs Wochen früher als ursprünglich geplant. „Wir sind im Zeitplan“, hieß es von der Bahn bei Redaktionsschluss. Langfristig werden zahlreiche Menschen von dem neuen Halt profitieren, kurzfristig haben so insbesondere die vielen Tausend Kongressteilnehmer die Gelegenheit, klimafreundlich anzureisen.

Weltpolitik und Klima, Gipfel und Stadt, Kunst und Nahverkehr – alles hängt mit allem zusammen. Das wird in diesen Tagen deutlich. Und das ist Anlass für eine Titelgeschichte, die eigentlich aus drei Geschichten besteht: Wir wollen erstens erläutern, was es mit dem Weltklimagipfel auf sich hat und was dieses Ereignis für die Stadt, die Menschen und die Wirtschaft bedeutet.

Wir wollen zweitens zeigen, welchen Beitrag die Stadt selbst zu dem Hauptthema des Gipfels – dem Kampf gegen den Klimawandel – leistet. Und – für ein Wirtschaftsmagazin selbstverständlich – was, drittens, die hiesigen Unternehmen in Sachen Klimaschutz und Nachhaltigkeit tun.

Weltklimagipfel I: So profitiert Bonn

„Bonn profitiert von der 23. Weltklimakonferenz in mehrfacher Hinsicht“, betont Stefan Wagner, Leiter des Amtes für Internationales und Globale Nachhaltigkeit der Stadt Bonn. Die Stadt habe für mehr als zwei Wochen bis zu 25.000 Besucherinnen und Besucher – Diplomaten, Politiker und Vertreter der Zivilgesellschaft – aus aller Welt zu Gast.Der Name Bonn werde in Nachrichtensendungen weltweit zu hören sein.

Stefan Wagner (© StadtBonn)Stefan Wagner, Leiter des Amtes für Internationales und Globale Nachhaltigkeit der Stadt Bonn

„Für Bonn ist das eine ganz besondere Chance, sich als deutsche Stadt der Vereinten Nationen und als internationaler Standort zu präsentieren und für weitere Konferenzen zu empfehlen“, sagt Wagner. Profitieren würden aber auch die Bonner Unternehmen – die Hotellerie, die Gastronomie, die Dienstleistungsbranche und der Einzelhandel.

Denn die Delegierten aus aller Welt würden hier auch übernachten, ausgehen und einkaufen. „Und nicht zuletzt können die Stadt Bonn und die in der Region ansässigen Unternehmen zeigen, welchen konkreten Beitrag zur Bewältigung des Klimawandels und zur Anpassung an dessen Folgen sie leisten können“, findet Wagner.

Ulrich W. Jünger, Leiter Convention Bureau der Tourismus & Congress GmbH Region Bonn/Rhein- Sieg/Ahrweiler, ergänzt: „Für die Region Bonn ist die Weltklimakonferenz ein weiteres Kennzeichen dafür, das sich der Standort zu einer Dialogplattform für globale Zukunftsthemen entwickelt hat und auch perspektivisch für weitere Veranstaltungsformate und andere Einrichtungen der Vereinten Nationen an Attraktivität gewinnt.“
Auch Jünger sieht nicht nur positive Effekte für das Standortmarketing, sondern auch für die Wirtschaft vor Ort. Basierend auf den statistischen Erhebungen des Instituts für Tagungswirtschaft in Wernigerode, beliefen sich die Ausgaben eines Kongressteilnehmers bei einer mehrtägigen Veranstaltung in Deutschland auf zirka 250 Euro, berichtet er.

Ulrich Jünger (© T&C)Ulrich W. Jünger, Leiter Convention Büro der Tourismus & Congress GmbH

Selbst wenn man bei den etwa 25.000 internationalen Teilnehmern des Weltklimagipfels eine unterschiedlich stark ausgeprägte Kaufkraft unterstellt: Ausgehend von einer durchschnittlichen Ausgabe von zirka 200 Euro pro Tag und einer Aufenthaltsdauer von rund 14 Tagen, ermittelt Jünger einen indirekten finanziellen Nutzen von fast 70 Millionen Euro.

Ein enormer Betrag, der da im Laufe des Weltklimagipfels in die Kassen von Kiosken und Restaurants, Taxi-Unternehmern und Hoteliers, Lebensmittelhändlern und kulturellen Einrichtungen fließt. Dabei sind in Jüngers Berechnungen die Umsätze der in die Durchführung der Konferenz eingebundenen Dienstleister – zum Beispiel Transport, Übersetzung, Catering oder Technik – nicht einmal einbezogen.

Weltklimagipfel II: Die Stadt und der Klimaschutz

Die Stadt Bonn engagiert sich seit Mitte der Neunzigerjahre im Klimaschutz und übernimmt lokal Verantwortung dafür, die Ursachen und Folgen des Klimawandels zu bekämpfen und einzugrenzen. „Unser Ziel ist es, den Energieeinsatz zu reduzieren, Energie effizient zu nutzen, fossile durch erneuerbare Energieträger zu ersetzen und CO2-Emissionen durch eine nachhaltige Mobilität zu senken“, sagt Joachim Helbig, Klimaschutz-Koordinator und Abteilungsleiter im Amt für Umwelt, Verbraucherschutz und Lokale Agenda der Stadt Bonn.

oachim Helbig (©Bundesstadt Bonn, Barbara Frommann)Joachim Helbig, Klimaschutz-Koordinator und Abteilungsleiter im Amt für Umwelt, Verbraucherschutz und Lokale Agenda der Stadt Bonn

Eine Kommune hat vielfältige Einfluss- und Steuerungsmöglichkeiten in Sachen Klimaschutz. Sie reichen von der Stadtplanung über die Energieversorgung und die Öffentlichkeitsarbeit bis hin zum politischen Engagement in Städtenetzwerken.

Um diese Potenziale effektiv nutzen zu können, richtete die Stadt eine eigene Leitstelle Klimaschutz ein. Sie steuert zum Beispiel das stadtinterne Klimaschutzmanagement. „Zudem betreibt die Stadt Bonn seit 2008 ein differenziertes CO2-Monitoring“, erläutert Helbig. Die aktuelle Bilanz zeigt, dass der CO2-Ausstoß zwischen 1990 und 2014 um 22 Prozent pro Kopf gesunken ist. Er beträgt noch 7,2 Tonnen pro Einwohnerin und Einwohner.

Der Sektor mit den höchsten CO2-Emissionen sind mit einem Anteil von 40 Prozent Gebäude. „Deshalb stellt die Stadt bereits seit 1997 erhöhte Anforderungen an die Energieeffizienz von Neubauten“, betont der Abteilungsleiter, „sie werden beim Verkauf städtischer Grundstücke und in Verträgen mit Investoren verbindlich und überprüfbar vereinbart.“ Für städtische Gebäude, vor allem Schulen und Kindertagesstätten gilt aktuell sogar der Passivhausstandard mit extrem niedrigem Energieverbrauch.

Der größte Hebel zur Einsparung wiederum liegt bei Altbauten. Zur Erschließung dieses Potenzials gründete die Stadt Bonn gemeinsam mit 20 Partnern 2012 die Bonner Energie Agentur e.V. Sie bietet ein unabhängiges Beratungsangebot, kostenlose Fachvorträge und Schwerpunktaktionen zur energetischen Sanierung in Quartieren an. Für sämtliche städtischen Liegenschaften bezieht die Stadt zertifizierten Ökostrom von den Stadtwerken, zudem beteiligt sie sich durch 62 Photovoltaikanlagen auf städtischen Gebäuden aktiv an der Solarstromproduktion.

Ein weiteres Handlungsfeld: Mobilität. „Wir fördern den Umstieg auf das Fahrrad und haben beim eigenen Fuhrpark mit dem schrittweisen Umstieg auf elektrische Antriebe begonnen“, berichtet Helbig. In der Flotte befinden sich mittlerweile sechs Fahrzeuge mit E-Antrieb sowie 20 Pedelecs für Dienstfahrten.

Neben eigenen Initiativen engagiert sich die Stadt auch in zahlreichen regionalen, nationalen und internationalen Kooperationen, etwa in thematischen Städtenetzwerken wie dem Klima-Bündnis und vor allem ICLEI (Local Governments for Sustainibility). Kommunale Klimaschutzpartnerschaften hat sie mit La Paz (Bolivien), Cape Coast (Ghana) und Linares (Chile) geschlossen. Themen sind Strategien und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel, die Nutzung regenerativer Energien und Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Weltklimagipfel III: Die Unternehmen und der Klimaschutz

Bei Bonn, Klimaschutz und Unternehmen liegt es nahe, mit den Stadtwerken Bonn GmbH zu beginnen. Mit dem Ausbau des Heizkraftwerks Nord zu einer hocheffizienten Gas- und Dampfturbinen-Anlage stemmte der lokale Energieversorger im Jahr 2013 eines der größten Investitionsprojekte seiner über 135-jährigen Geschichte. Durch Kraft-Wärme-Kopplung produziert das Kraftwerk Fernwärme und Strom mit hoher Effizienz. Die Anlage erreicht einen Wirkungsgrad von 90 Prozent. Die Einsparungen belaufen sich auf bis zu 194.000 Tonnen CO2 pro Jahr. Die Stadtwerke sprechen vom „wirksamsten Klimaschutzprojekt in unserer Region“.

Der Kraftwerksausbau ermöglicht außerdem den Ausbau der als klimaschonend geltenden Fernwärme in Bonn. Denn mit den neuen Erzeugungskapazitäten schufen die Stadtwerke die Basis für das Projekt „Fernwärme 2020“. Und damit für die Ausweitung des Fernwärmenetzes im Bonner Norden, die Erschließung neuer Versorgungsgebiete, den Anschluss neuer Kunden im bestehenden Netz und die Umstellung alter, ineffizienter Einzelfeuerungen auf die Fernwärme.

Nicht nur die Stadtwerke investieren in den Klimaschutz. Immer mehr kleine, mittlere und große Betriebe suchen nach Wegen zu mehr Energieeffizienz und weniger Ressourcenverbrauch. Die Treiber sind gesetzliche Vorgaben – Stichwort: Energiewende – und steigende Energiekosten. Aber nicht nur. Viele Unternehmen möchten auch ganz bewusst ein Zeichen setzen.

„Unser Firmengründer hat drei Kinder – und fühlte sich bei der systematischen Umstellung unseres Unternehmens auf nachhaltige Produktion von dem Gedanken angetrieben, die Welt so weitergeben zu wollen, wie er selbst sie vorgefunden hat“, erzählt Michael Bete, Marketingleiter der Thamm GmbH in Bonn-Beuel.

Michael Bete (© Thamm GmbH)Michael Bete, Marketingleiter der Thamm GmbH

Vor fünf Jahren übernahm Jenny van Boxtel das Unternehmen – und setzte den Nachhaltigkeitskurs fort. „Jedes Unternehmen sollte seinen Beitrag zur nachhaltigen Produktion leisten“, findet die Unternehmerin. Und so sieht der Kurs des Spezialisten für großformatigen Digitaldruck aus: „Wir agieren zu 100 Prozent klimaneutral“, betont Bete, „von der Energieerzeugung über die Materialauswahl bis zur Entsorgung der erstellten Drucke.“

Seit vielen Jahren bezieht das Unternehmen ausschließlich Ökostrom und Ökogas. Zudem wird seit 2009 auf organische Lösungsmittel verzichtet, es kommen ausschließlich wasserlösliche Substanzen zum Einsatz. Davon profitiert nicht nur die Umwelt, sondern auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auf Kundenwunsch kommen zudem Materialien mit „ÖkoTex Standard 100“ zum Einsatz – und seit neuestem ein Gewebe, das zu 100 Prozent aus recycelten PET-Flaschen besteht. Auf einen Dienstwagen kann Bete nicht verzichten, aber: „Für jeden gefahrenen Kilometer investieren wir in ein Projekt zum Klimaausgleich“, berichtet der Marketingchef.

Jenny van Boxtel (© Thamm GmbH)Jenny van Boxtel, Inhaberin und Geschäftsführerin der Thamm GmbH.

Nun bedeutet nachhaltiges Handeln in der Wirtschaft stets einen Dreiklang aus Ökologie, sozialer Verantwortung und Ökonomie. Mit anderen Worten: Sämtliche Investitionen in den Klimaschutz müssen sich rechnen, sonst müsste ein Unternehmen dicht machen und würde damit in Bezug auf die Arbeitsplätze der Beschäftigten alles andere als nachhaltig handeln

. „Die unternehmerische Herausforderung“, sagt Unternehmerin van Boxtel, „lautet, die Balance zwischen Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit hinzubekommen.“ Das gelingt bis jetzt, denn immer mehr Kunden schätzen die konsequente Ausrichtung ihres Unternehmens, die Geschäfte laufen.

Auch die Deutsche Post DHL mit Hauptsitz in Bonn sieht sich als nach eigenen Angaben weltgrößter Logistikdienstleister in einer besonderen Pflicht gegenüber Mitarbeitern, Gesellschaft und Umwelt. Deshalb hat sich der Konzern das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 alle logistikbezogenen Emissionen auf null zu reduzieren. Damit will der Konzern unter anderem die Agenda 2030 sowie die Globalen Ziele Nachhaltiger Entwicklung der Vereinten Nationen unterstützen.

„Es gibt viele gute Gründe für eine Null-Emissionen- Logistik: Wir wollen unsere Abhängigkeit von fossilen Treibstoffen verringern. Wir wollen der Markt- und Technologieführer in der grünen Logistik sein und uns damit vom Wettbewerb abheben. Und wir wollen auch unseren Kunden dabei helfen, ihre Klimaschutzziele zu erreichen. Wir entscheiden heute, in welcher Welt wir und unsere Kinder in 30 Jahren leben werden“, erklärt Frank Appel, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Post DHL Group.

© Deutsche Post DHL GroupErfolgsmodell: Der Deutsche Post-Streetscooter fährt mit Strom.

Ein Baustein zur Zielerreichung: E-Mobilität. Derzeit hat der Konzern bereits 3.400 „StreetScooter“ im Einsatz – und baut sie seit der Übernahme des Aachener E-Nutzfahrzeug-Pioniers selbst. Die Produktionskapazität soll auf 20.000 Fahrzeuge pro Jahr steigen. Verkauft werden sie auch an Dritte, erste Kunden sind beispielsweise die Unternehmen Deutsche See und Netze BW sowie die Stadt Bonn.

Maßnahmen zur Energieeffizienz – und damit ein Beitrag zum Klimaschutz – lohnen sich auch in kleinen Unternehmen. Das Hotel Kurfürstenhof an der Bonner Baumschulallee etwa investierte vor ein paar Jahren in ein Blockheizkraftwerk. Auf diese Weise produziert es umweltfreundlich eigenen Strom und speist immer wieder auch Strom ins Netz ein. 2014 wurde das Hotel dafür mit dem „Bonner Energieeffizienz-Preis“ der Stadtwerke-Tochter SWB Energie und Wasser ausgezeichnet.

„Eine Erneuerung stand ohnehin an“, erzählt Bodo von Petersdorff, Inhaber des Kurfürstenhofs sowie des Park-Hotels in Bad Godesberg, „und dabei entschieden wir uns, auch etwas für den Klimaschutz zu tun.“ Ein weiterer Beitrag des Inhabers: „Ich fahre als Geschäftswagen seit Jahren ein Hybrid-Fahrzeug“, sagt er, „und mache damit sehr gute Erfahrungen.“

Immer mehr Unternehmen in Bonn investieren in Energieeffizienz und damit in den Klimaschutz. Auch Privatleute setzen Zeichen, indem sie sich etwa für Photovoltaik entscheiden oder einen Ökostromanbieter. Wer darüber hinaus sein Geld ethisch-ökologisch anlegen will, findet dafür in Bonn ebenfalls Partner.

Die Murphy&Spitz Nachhaltige Vermögensverwaltung AG etwa, die ihren Kunden seit 1999 individuelle und unabhängige Beratung zu nachhaltigen Geldanlagen bietet und die solchermaßen angelegte Vermögen auch verwaltet. „Wir bieten unseren Mandanten Vermögensverwaltung nach einem stringenten Nachhaltigkeitsansatz. Anlageziele, die ethischen, ökologischen und sozialen Grundsätzen zuwider laufen, etwa Rüstung, Atomenergie oder fossile Energie, sind konsequent ausgeschlossen“, erläutert Andrew Murphy, Vorstand der Vermögensverwaltung.

Einen Sitz in Bonn hat auch die ForestFinance-Gruppe. Seit gut 20 Jahren forstet das Unternehmen ökologische Mischforste in Panama, Vietnam, Kolumbien und Peru auf. Das Ziel dabei: den Wert dieser zertifizierten, nachhaltig angelegten Wälder in ökonomische und ökologische Investitionsprodukte zu wandeln – und langfristig Wald zu schaffen.

Harry Assenmacher (© ForestFinance Service GmbH)Harry Assenmacher, Gründer und Geschäftsführer der ForestFinance Service GmbH

„Was damals als grüne Idee in Bonn begann, ist zu einem internationalen Unternehmen herangewachsen, das weltweit Direktinvestments in ökologische Aufforstungen und nachhaltige Waldprojekte für private sowie institutionelle Anleger anbietet“, sagt Harry Assenmacher, Gründer und Geschäftsführer der ForestFinance Service GmbH.

Alles hängt mit allem zusammen. Der Begriff „Nachhaltigkeit“ lässt sich vermutlich erstmals in einem Text aus dem Jahr 1713 nachweisen, knapp 50 Jahre später findet sich das Wort in einer Anordnung der Herzogin Anna Amalia. In beiden Fällen geht es um Waldnutzung. Ökologisch und nachhaltig ausgerichtet, leistet sie ihren Beitrag zur Abmilderung des Klimawandels. Genauso wie die vielen anderen städtischen und unternehmerischen Aktivitäten, von denen hier aus Anlass des Weltklimagipfels die Rede war.

Lothar Schmitz, freier Journalist, Bonn

Netzwerk REGINEE und Energiescouts

Unternehmen, egal welcher Größe und Branche, die Energie einsparen und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten wollen, erhalten Rat und Unterstützung bei der IHK Bonn/Rhein-Sieg. Zwei Beispiele für das vielfältige Angebot:

REGINEE-Netzwerk
Im Rahmen des Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz gibt es die Initiative Energieeffizienz-Netzwerke. 500 solcher Netzwerke sind bundesweit geplant, basierend auf der Erkenntnis, dass ein Unternehmen durch Erfahrungsaustausch viel mehr erreichen kann als allein. Auch in Bonn/Rhein-Sieg ist ein solches Netzwerk in Kooperation zwischen IHK und VEA Bundesverband der Energie-Abnehmer aktiv.

Die teilnehmenden Firmen haben gemeinsam ein Energiesparziel definiert und setzen es um – regelmäßiger Informations- und Erfahrungsaustausch inklusive. Dem regionalen Netzwerk gehören maximal zwölf Betriebe an, die je zwei Personen entsenden. Da die Zahl der Interessenten zunimmt, bereitet die IHK derzeit die Gründung eines weiteren REGINEE-Netzwerkes vor.

Energie-Scouts
Wer Energieeinsparpotenziale im eigenen Unternehmen finden möchte, kann einen ungewöhnlichen Weg gehen: Mit dem Projekt „Energie-Scouts“ können Betriebe und Verwaltungen aus der Region Bonn/Rhein-Sieg zwei oder mehr ihrer Auszubildenden in Sachen Energie- und Ressourceneffizienz fit machen.

In einem Praxisteil werden die Auszubildenden dann als „Energie-Scouts“ Energiefresser und Ressourcenverschwender in den Unternehmen aufspüren und konkrete Maßnahmen zur Energieeinsparung oder Ressourcenschonung erarbeiten. Zu Beginn des Projekts werden in mehreren Workshops grundlegende Kenntnisse zu den Themen Energie- und Ressourceneffizienz vermittelt.

Parallel dazu sollen die Auszubildenden im Betrieb eigene Ideen zu diesen Themen entwickeln. Hierzu können beispielsweise Interviews mit Kolleginnen und Kollegen geführt und mit einer Checkliste Verbrauchsdaten erfasst werden. Nach der Identifizierung von Schwachstellen im jeweiligen Unternehmen diskutieren die Auszubildenden ihre Verbesserungsvorschläge mit ihren Ausbildungsleitern oder dem Energie-Ansprechpartner im Unternehmen.

Ziel ist es, möglichst konkrete Maßnahmen zu identifizieren und einzuleiten. Der Vorteil für die Unternehmen: Energie- und damit Kosteneinsparung – und zusätzliche Kompetenzen für die eigenen Azubis, die lernen, mit offenen Augen durch den Betrieb zu gehen, verschwenderischen Umgang mit Ressourcen zu erkennen und sich für eine Verbesserung einzusetzen. Die Teilnahme an dem Projekt ist kostenfrei.

Ansprechpartner:

Magdalena Poppe, Referentin Umwelt und Energie, Telefon 0228 2284-193, poppe(at)bonn.ihk.de
Dr. Rainer Neuerbourg, Bereichsleiter Innovation, Umwelt, Energie, Telefon 0228 2284-164, neuerbourg(at)bonn.ihk.de

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