IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


„Der Trend geht zur 24/7-Gesellschaft.“

Interview Dr. Werner Eichhorst, Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit

Dr. Werner Eichhorst, Forschungsinstitut zur Zukunft der ArbeitDas Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit GmbH (IZA) mit Sitz in Bonn beschäftigt sich mit der Entwicklung des Arbeitsmarktes. Dr. Werner Eichhorst leitet dort den Bereich „Arbeits- und Sozialpolitik in Europa“. „Die Wirtschaft“ fragte ihn zur Zukunft der Nachtarbeit.

Das „Internet of things“ soll in Zukunft Pflege-Roboter, selbstfahrende Autos und Paketlieferungen per Drohne ermöglichen. Werden dann nachts weniger Menschen in Pflege und Logistik benötigt?

Der Einsatz dieser technischen Lösungen wird später kommen, als wir zur Zeit vermuten. Erstens gibt es technische Hürden, zweitens Akzeptanzprobleme und drittens können Maschinen nicht allein handeln, sondern müssen überwacht werden.
 
Welche technischen Hürden meinen Sie?

Einem Pflegebedürftigen ein Glas Wasser zu reichen, ist für einen Menschen eine einfache Tätigkeit. Einen Roboter so zu programmieren, dass er das Glas unfallfrei anfasst, hochnimmt und weiterreicht, ist nicht leicht.

Welche Auswirkungen werden die Wünsche der Kunden, die nachts ihr Online-Banking erledigen oder Waren bestellen, auf Nacht- und Schichtarbeit haben?

Der Bedarf an kontinuierlichen Dienstleistungen nimmt zu. Kunden erwarten eine permanente Verfügbarkeit. Was online bestellt wird, soll so schnell wie möglich kommen. Das führt dazu, dass Handel und Logistik ihre Reaktionszeiten verkürzen.

Doch nicht nur das geänderte Konsumverhalten hat Konsequenzen, sondern auch die alternde Gesellschaft und der damit einhergehende Pflegebedarf. Mit diesem strukturellen Wachstum wachsen auch ungewöhnliche Arbeitszeitmuster.

Wenn Europa zu Bett geht, beginnt der Ferne Osten sein Tagwerk und in den USA ist Mittagszeit. Welche Rolle spielt die Globalisierung für die Zukunft der Nachtarbeit?

In einer globalisierten Wirtschaft müssen Unternehmen möglicherweise sehr schnell auf Kundenbedürfnisse eingehen. Das erhöht den Druck auf flexible Arbeitszeiten. Vertriebszeiten beginnen wegen der Zeitverschiebung sehr früh morgens und gehen bis spät in den Abend. Internationale Telefonkonferenzen setzen Kompromissfähigkeit voraus. Mit Partnern in Japan und Kalifornien ist es nicht einfach, alle bei Sonnenschein an einen Tisch zu bringen.

Heißt das zusammengefasst, dass die Nachtarbeit zunimmt?

Die Statistiken zur Nachtarbeit sind stabil. Dennoch können wir vor allem bei Dienstleistern einen Strukturwandel beobachten: Die strikten Grenzen zwischen den klassischen Tages- und Nachtarbeitszeiten verwischen. Der Trend geht zur 24/7-Gesellschaft.

Ursula Katthöfer, freie Journalistin, Bonn

Rückwärtstrend: Die Zukunft des Schlafens

In Deutschland gilt es nicht mehr als untypisch, trotz eines langen Arbeitstages auch nachts zu arbeiten. Vor einigen Jahren galt es sogar als chic, nach Mitternacht von zuhause aus E-Mails zu versenden.
Dieser Trend kehrt sich in den USA gerade um. Dort hat ein Marktforschungsinstitut ausgerechnet, dass Schlafmangel die amerikanische Wirtschaft jährlich 411 Milliarden Dollar kostet.
Große Firmen steuern um. Amazon-Begründer und CEO Jeff Bezos erzählt gern von seinen täglichen acht Stunden Schlaf und kokettiert mit dem Mittagsschlaf im Büro.

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