IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


Die besten Wege, um die Besten zu finden

Azubi-Recruiting

Azubis gesucht!Schon die Einladung zur Probearbeit im Hotel ist ungewöhnlich. Die Bewerberin um einen Ausbildungsplatz soll sich um 18 Uhr an der Rezeption vorstellen und Gepäck für eine Nacht mitbringen. An einen Irrtum glaubt sie, als sie an der Rezeption abgeholt wird und im Restaurant an einem Tisch mit Blick in den Garten Platz nehmen darf.

„Alles in Ordnung“, versichert der Kellner, der ihr ein Drei-Gänge-Menü serviert. Anschließend bezieht sie eine Junior-Suite, Bademantel und Handtücher für einen Wellness-Aufenthalt im Spa liegen bereit. Nach einer entspannten Nacht erhält die Bewerberin die Aufgabe, die Junior-Suite wieder so herzurichten, wie sie sie vorgefunden hat. Sie unterschreibt noch am gleichen Tag den Ausbildungsvertrag.

„Dies ist ein Szenario“, sagt Jürgen Hindenberg, Geschäftsführer Berufsbildung und Fachkräftesicherung der IHK Bonn/Rhein-Sieg. „Damit möchten wir die Unternehmen dazu ermuntern, bei der Suche nach Auszubildenden neue Wege zu gehen. Sie sollten Bewerber für sich begeistern. Wer beim Probearbeiten hingegen fegt, putzt und Kaffee kocht, sucht sich einen anderen Ausbildungsbetrieb. Die Bewerber haben die Wahl.“

Ungutes Gefühl, der Notnagel zu sein

Es ist so weit: Nicht die Schüler bewerben sich um ein Unternehmen, sondern die Unternehmen bewerben sich um die Schüler. Sie sind anspruchsvoller geworden als die Generationen vor ihnen. Die Berater der IHK erfahren von Ausbildungsinteressenten, die sich im Vorstellungsgespräch nicht ernst genommen fühlen. Die jungen Menschen möchten sich präsentieren, möchten ihre Stärken zeigen und von sich erzählen.

Stattdessen erhalten sie zunehmend das ungute Gefühl, der Notnagel zu sein, mit dem ein freier Ausbildungsplatz dringend besetzt werden muss. Personalverantwortliche, die die Botschaft „Wir nehmen jeden!“ vermitteln, setzen genau das falsche Signal. Ein einzelner Bewerber auf einen freien Ausbildungsplatz möchte mindestens so ernst genommen werden wie ein Bewerber mit 100 Konkurrenten.

Zwar ist die IHK Bonn/Rhein-Sieg bei der Steigerung der Ausbildungsverträge Spitzenreiter in NRW: Im Vergleich zum Vorjahr ein relatives Plus von 6,4 Prozent zum 31.12.2017. Dennoch bleiben bei der Agentur für Arbeit viele offene Ausbildungsplätze unbesetzt. Einer Statistik des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zufolge wurden allein in Bonn 2017 5.700 Ausbildungsverträge abgeschlossen (davon 3.103 in IHK-Berufen).

Doch die Unternehmen hatten insgesamt 6.165 freie Ausbildungsplätze angeboten. Sie machten allen ausbildungswilligen Jugendlichen ein Angebot und konnten dennoch viele Stellen nicht besetzen. Jürgen Hindenberg: „Es ist noch ein großes Potenzial da, um Jugendliche in Ausbildung zu bringen. Die IHK bietet den Betrieben zahlreiche Programme, um neue Zielgruppen zu erschließen.“ (s. XXXX)

Verschärfte Mangelsituation

Eine dieser Zielgruppen sind Abiturienten. „Für das kommende Ausbildungsjahr rechnen wir weiterhin mit einem hohen Anteil von studienberechtigten Schulabgängern. Er liegt mit 53,3 Prozent um 11,6 Prozentpunkte über dem NRW-Durchschnitt“, sagt Stefan Hagen, Präsident der IHK Bonn/Rhein-Sieg. Ein anderer Trend steht dem genau entgegen. „Nach der aktuellen Prognose wird die Schülerzahl im nächsten Schuljahr um 330 sinken.“ Weniger Schüler, viele Abiturienten – das verschärft die Mangelsituation auf dem Ausbildungsmarkt. Hagen: „Machen Sie Jugendlichen frühzeitig ein Angebot. Denn: ‚Der frühe Vogel fängt den Wurm.’“

Die Frage ist, ob Abiturienten dieses Angebot annehmen. Die Attraktivität der Hochschulen ist ungebrochen. „Wir müssen noch stärker verdeutlichen, dass eine Ausbildung ein mindestens ebenso guter Einstieg in die berufliche Karriere ist wie ein Studium“, sagt Hindenberg. „Das haben viele Abiturienten noch nicht verstanden.“

Beim Career Dating geht es direkt zur Sache

„Ihre smarte Persönlichkeit hat den Ausschlag ge-geben. Ich habe zwei Auszubildende gefunden, die selbstständig arbeiten und auch in schwierigen Situationen diplomatisch bleiben. Ich bin sehr zufrieden.“ Regina Bernards ist Inhaberin der Bernards Akademie für berufliche Bildung. In ihrem Terminkalender stehen pro Woche zwanzig Termine – mindestens. „Ich habe wenig Zeit mich mit einem Bewerbungsverfahren zu beschäftigen“, sagt sie.

Regina Bernards mit den Azubis A. Kepski und D. WillRegina Bernards hät über das Programm "Relaunch your career" ihre beiden Auszubildenden Andreas Kepski und Dustin Will (v.l.) gefunden.

Dennoch bildet sie nun zwei Kaufmänner für Büromanagement aus. Gefunden hat sie die beiden über das Programm „Relaunch your Career“ der IHK Bonn/Rhein-Sieg. Es wendet sich speziell an Studienaussteiger, deren Unterlagen im Vorfeld von den IHK-Beraterinnen Annette Hutmacher und Elvira Fray geprüft werden. Die Ausbildungsbetriebe lernen die Bewerber an einem einzigen Tag kennen, beim Career Dating im großen Sitzungssaal der IHK Bonn/Rhein-Sieg.

„An meinen Tisch kamen etwa 20 Bewerber zu einem Gespräch von einer Viertelstunde. Für Small-Talk war keine Zeit, es ging direkt zur Sache.“ Zum Ende hatte Bernards einen ganzen Stapel von Bewerbungsunterlagen, auch die von Dustin Will und Andreas Kepski. Beide sind Mitte 30, der eine studierte Jura, der andere Pädagogik.

Doch nicht nur die Gespräche am Tisch halfen Bernards bei ihrer Entscheidung für die beiden. „Die Atmosphäre beim Career Dating ist sehr offen. Jeder kann die Körpersprache der Bewerber beobachten. Auch ihre Art sich zu unterhalten wird sichtbar. Lassen Sie andere ausreden? Können sie Gesprächspartnern in die Augen schauen?“

Bernards hätte am liebsten drei Bewerber eingestellt. „Es gab noch eine Dame, doch die hat das Uni-Klinikum abgeworben.“ Die Geschäftsfrau bleibt auf der Suche: „Nächstes Jahr gehe ich wieder zum Career Dating.“

Ursula Katthöfer, freie Journalistin, Bonn

Mit welchen Services die IHK Bonn/Rhein-Sieg Mitgliedsunternehmen bei der Suche nach Auszubildenden unterstützt und wie sich mögliche Ausbildungsdefizite überwinden lassen, lesen Sie in der PDF "So unterstützt die IHK beim Ausbildungsrekruiting" (826 KB)

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