IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


IT-Security: Für ein vertrauensvolles Wirtschaften

IT-Sicherheitsregion Bonn/Rhein-Sieg

© adimas (AdobeStock.com)Die Digitalisierung nimmt rasant zu. Damit steigt die Gefahr von Cyberattacken, Webspionage und Erpresser-Viren. IT-Sicherheit wird notwendiger denn je. Bonn/Rhein- Sieg will die Chance nutzen, sich als deutsches IT-Sicherheitszentrum zu etablieren.

Zunächst beschwert sich nur eine Kundin: Der im Karton gelieferte Badezimmerschrank lasse sich nicht zusammenbauen, weil eine Längsseite fünf Millimeter kürzer sei als die andere. Der Hersteller entschuldigt sich und schickt der Kundin ein Ersatzteil.
Doch wütende Anrufe und E-Mails häufen sich. Produktion und Logistik des Möbelherstellers sind bald nur noch mit dem Versand von Ersatzteilen beschäftigt. Eine Rückrufaktion muss gestartet werden, die Kosten schießen in die Höhe, der Imageschaden ist enorm.

Die Analyse zeigt: Die Software der Maschine, die die Bauteile für unterschiedliche Schränke zuschneidet, ist manipuliert worden. Ein Cyber-Angriff hat dem Möbelhersteller schwer geschadet.
Cyber-Angriffe nehmen zu.

Der Branchenverband Bitcom meldet, dass 53 Prozent der deutschen Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren angegriffen wurden. Der Schaden liege bei rund 55 Milliarden Euro pro Jahr. Kommunikationsdaten wie E-Mails oder Finanzdaten fielen dabei häufig in die Hände der Angreifer. Auch Kundendaten, Patente, Informationen aus Forschung und Entwicklung und Mitarbeiterdaten würden entwendet.

Parallel dazu meldet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV), dass viele Unternehmen sich der Bedrohung nicht bewusst sind. Nur 36 Prozent sehen ein hohes Risiko für das eigene Unternehmen.

Offene Angriffe und versteckte Viren

Es müssen nicht immer breit gestreute Erpresser-Viren wie WannyCry oder Petya sein, die Unternehmen an den Rand des Ruins oder sogar in die Insolvenz treiben. Häufig werden Cyber-Angriffe nicht einmal entdeckt. Das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz meldet, dass es durchschnittlich 260 Tage dauert, bis das attackierte Unternehmen den Angriff bemerkt.

Der gefährliche Trend ist nicht aufzuhalten, im Gegenteil: Digitalisierung, Industrie 4.0 und Internet der Dinge nehmen explosionsartig zu. Unzählige Dinge – von der Babypuppe bis zur Waschmaschine – sind bereits heute über zahlreiche Schnittstellen weltweit miteinander vernetzt. Viele Produkte kommen aus Fernost, haben weder ein Gütesiegel noch ein Sicherheitszertifikat. Je mehr Big Data, desto mehr Wirtschaftsspionage per Web, Trojanische Pferde und Hackerangriffe. Kurz: Die digitalisierte Wirtschaft ist verwundbar.

„IT-Sicherheit ist die beste Grundlage für ein vertrauensvolles Wirtschaften“, sagt Dr. Hubertus Hille, Hauptgeschäftsführer der IHK Bonn/Rhein- Sieg. „Die Digitalisierung kann nur mit ausgereiften Sicherheitskonzepten zum Erfolg werden. Unternehmen müssen sich und ihre Mitarbeiter schützen. Das ist eine Herausforderung, die sich nicht nebenbei erledigen lässt.“

Der Markt der IT-Sicherheit wächst, die Nachfrage ist groß. Bereits heute zählen 120 Produktkategorien unter den Begriff der IT-Sicherheit – vom Zugangsschutz zum Firmengelände bis zur Verschlüsselung sensibler Kundendaten.

Nach einer Studie des Bundeswirtschaftsministeriums ist die IT-Sicherheitswirtschaft eine der leistungsfähigsten deutschen Zukunftsbranchen. Eine Importquote von nur etwa 20 Prozent in 2012 zeige, dass die Nachfrage nach IT-Sicherheitsprodukten und -dienstleistungen in Deutschland vorwiegend durch die heimische Produktion gedeckt wird. Sicherheitssoftware sei außerdem ein wichtiges Exportprodukt.

Suche nach IT-Sicherheitsexperten

Bonn/Rhein-Sieg spielt in dieser Liga ganz vorne mit. Hille: „Bonn hat eine große Expertise zur ITSicherheit. Es ist in Deutschland einzigartig, dass drei Säulen so eng miteinander kooperieren: Unternehmen, Wissenschaft und öffentliche Institutionen.

Bonn hat die besten Voraussetzungen, um Deutschlands IT-Sicherheitshauptstadt zu werden.“ Die Stadt Bonn sieht es ähnlich. In ihrem Jahreswirtschaftsbericht 2016 räumt sie der Cybersicherheit zentrale Bedeutung ein.
Vor eineinhalb Jahren fanden 70 Unternehmen, Behörden und Non-Profit Organisationen zur Initiative

„Digitales Bonn“ zusammen. Eines der Themen: IT-Sicherheit. Mitbegründer Goodarz Mahbobi, Geschäftsführer der axxessio GmbH: „Wir wollen die Aktivitäten aus Wirtschaft und Forschung bündeln, um Bonn als Kompetenzzentrum für IT-Security zu etablieren.“

Was die Zahl der Beschäftigten betrifft, ist der IT-Standort Bonn heute die Nummer 4 in Deutschland. Für die Branche gehört es zu den großen Herausforderungen, geeigneten Nachwuchs an IT-Sicherheitsfachleuten zu finden. Auch hier müssen Unternehmen dringend handeln, denn der Fachkräftemangel ist bereits spürbar.
Dabei geht es nicht nur um IT-Entwickler.

„Unser Team besteht aus zertifizierten Datenschutzbeauftragten, Juristen, Diplom-Informatikern, ISMS-Auditoren sowie staatlich geprüften Technikern“, sagt Volker Röttgen, Leiter IT Compliance & Software Development der Bonner steep GmbH. Das mittelständische Unternehmen bildet IT Sicherheits- und Datenschutzexperten aus. „Die jungen Kollegen erhalten entsprechende Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, profitieren aber auch von der Expertise unserer erfahrenen Mitarbeiter. Parallel dazu spielt die Suche nach qualifizierten und erfahrenen IT-Sicherheitsexperten eine zentrale Rolle in unseren Recruiting-Aktivitäten.“

Ursula Katthöfer, freie Journalistin, Bonn 
[Weitere Artikel unserer Journalistin zum Titelthema "IT-Security" finden Sie in der PDF ]

 

 

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