IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


Teresa Schare betreut die Ausbildungsbotschafter

Menschen bilden und beraten/Teil 11

Teresa Schare (© U.Katthöfer)Mehr als 150 Ausbildungsbotschafter besuchen Schulen in Bonn/Rhein-Sieg, um für ihren Beruf und ihr Unternehmen zu werben. Teresa Schare kennt jeden einzelnen von ihnen. Mehr noch: Die jungen Menschen, die begeistert von ihren Berufen berichten, sind ihr ans Herz gewachsen. In unserer Serie stellen wir die Koordinatorin für das Projekt Ausbildungsbotschafter bei der IHK Bonn/Rhein-Sieg vor.

„Ich habe Werbegeschenke“, ruft einer der Ausbildungsbotschafter in den voll besetzten Klassenraum. „Wer einen Kugelschreiber will, muss eine Frage stellen. Aber eine sinnvolle Frage“, fügt er betont streng hinzu. Damit hat er die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler sofort. Sie wollen mehr wissen zu Arbeitszeiten und Gehältern. Sie fragen, wie viel Freizeit einem Azubi bleibt. Und sie freuen sich über Kugelschreiber.

Wenn einer „ihrer“ Ausbildungsbotschafter eine gut besuchte Aula rockt, wenn Neunt- und Zehntklässler sich plötzlich für die duale Ausbildung interessieren, reißt es auch Teresa Schare mit. Die 36-jährige begleitet alle Ausbildungsbotschafter bei ihren Einsätzen in allgemeinbildenden Schulen, sitzt etwas abseits und greift nur selten ein. „Manchmal werden die Schüler mir zu unruhig und ich würde einschreiten. Doch die Ausbildungsbotschafter nehmen das viel lockerer als ich. Sie haben die Schüler ohne Maßregelungen im Griff. Nur selten fliegt einer raus.“

Auch wissen die Ausbildungsbotschafter mit Vorurteilen umzugehen. „Krass, ich dachte immer, Ausbildung sei nur was für Hauptschüler“, meinte ein Gymnasiast. Später stellte sich heraus, dass er sich sehr für eine Ausbildung interessierte, seine Eltern aber ein Studium von ihm erwarteten.

Das Thema Geld interessiert die Schüler ebenso. Als eine Ausbildungsbotschafterin erzählte, sie werde nach ihrer Übernahme in einem Unternehmen der Chemiebranche ein Gehalt von knapp 3.000 Euro beziehen, kam die Reaktion prompt: „Was? Ist ja voll wenig.“ Offenbar haben viele Schüler noch nicht begriffen, dass sie in der Arbeitswelt keine Gehälter wie Neymar und Ronaldo kassieren werden.

Für jede Schule das passende Team

Schare koordiniert das Projekt Ausbildungsbotschafter von A bis Z. Sie spricht Personalverantwortliche in Unternehmen an, ob sie Ausbildungsbotschafter entsenden möchten. In einem Tagesseminar schult sie die jungen Auszubildenden für ihre Auftritte vor den Schülern. Sie erhalten als Hausaufgabe, eine Präsentation ihres Berufes zu schreiben, die von Schare korrigiert wird. Ist alles vorbereitet, geht es für die Ausbildungsbotschafter zum ersten Einsatz.

Jeweils drei oder vier von ihnen stellen ihren Beruf vor. „Wenn ich ein Team für einen Schulbesuch zusammenstelle, überlege ich zuvor, welche Auswahlkriterien die Unternehmen haben, die diese Schüler einstellen könnten“, sagt Schare. „Wenn wir eine Hauptschule besuchen, stellen wir keine Berufe vor, für die das Abitur Eingangsvoraussetzung ist.“

Die Botschafter kommen aus Industriebetrieben, Hotels und Gaststätten, kaufmännischen Berufen, IT und Handel. Offen erzählen sie von ihrem Werdegang, auch von ihrem Scheitern bei dem Versuch, Fuß im Berufsleben zu fassen. „Einer von ihnen studierte drei verschiedene Geisteswissenschaften, bevor er sich zu einer Ausbildung entschloss“, weiß Schare. „Andere stammen aus dem Ausland und haben lange nach einem Ausbildungsplatz gesucht.“

Welche Schwierigkeiten ein Migrant haben kann, hat Schare selbst erlebt. Acht Jahre lang lebte sie in England und der Schweiz, besuchte dort die Schule und studierte European Studies. Sie arbeitete zunächst für die EU-Ratspräsidentschaft im Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Nach weiteren Stationen in der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und dem Institut der Deutschen Wirtschaft Köln kam sie im Januar 2015 zur IHK Bonn/Rhein-Sieg. „Berufliche Bildung ist mein Thema“, sagt sie. Schare hat ihren Platz in der Arbeitswelt gefunden. Das hat sie mit den Ausbildungsbotschaftern gemeinsam.

Ursula Katthöfer, freie Journalistin, Bonn

Attraktives Ausbildungsmarketing

Die Initiative Ausbildungsbotschafter startete in Bonn/Rhein-Sieg im März 2016. Auszubildende, Schulen und Unternehmen nahmen das Projekt von Anfang an positiv auf, es wurde zum Bindeglied zwischen Schule und Wirtschaft.

Das Erfolgsgeheimnis: Die Ausbildungsbotschafter sind nur wenige Jahre älter als die Schüler der Klassen 8 bis 12, die von ihnen beraten werden. Wenn die Ausbildungsbotschafter vor den Schülergruppen von ihren Berufen erzählen, wenn sie in ihrer Sprache Höhen und Tiefen ihres Werdegangs schildern, hören Schüler interessiert zu – anders als bei Erwachsenen. Eine Lehrerin formulierte es so: „Die Jugendlichen finden toll, dass echte Menschen sie beraten. Denn Lehrer werden ja nicht als echte Menschen betrachtet.“

www.ihk-bonn.de | Webcode 2829, www.ausbildungsbotschafter-nrw.de