IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


Wissenschafts- und Innovationsstandort Bonn/Rhein-Sieg

Wie Wissenschaft und Wirtschaft voneinander profitieren

Wissenschaftsstandort Bonn/Rhein-SiegEine aktuelle Befragung von Wissenschaftlern im Auftrag der IHK zeigt eindeutig: Bonn/ Rhein-Sieg ist ein starker Wissenschafts- und Innovationsstandort, aber die Potenziale werden nicht voll ausgeschöpft.

Gewünscht sind eine stärkere nationale und internationale Profilierung des Standorts sowie mehr Kooperationen und Vernetzung zwischen ansässigen Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen.

Das heißt aber nicht, dass es solche Zusammenarbeit nicht gibt. Im Gegenteil. „Die Wirtschaft“ zeigt an vier Beispielen, wie traditionelle kleine und mittlere Unternehmen und innovative Start-ups untereinander sowie mit Wissenschaftseinrichtungen zusammenarbeiten können und dabei wechselseitig voneinander profitieren. Das ist auch gut für den Standort insgesamt und dessen Ansehen jenseits der regionalen und nationalen Grenzen.

Wo gehobelt wird, fallen Späne, sagt ein Sprichwort. Bei der Unternehmensgruppe KRINGS aus Rheinbach wird nicht gehobelt. Dafür jedoch Obst angebaut, vor allem Äpfel. Und zwar auf einer Fläche von fast 170 Hektar. Das entspricht 340 Fußballfeldern, die meisten davon voll mit Apfelbäumen. Alle 15 bis 20 Jahre wird jeder einzelne durch einen neuen ersetzt. Es fallen also jede Menge Späne an, im übertragenen Sinn. Bisher werden sie allerdings nicht genutzt – die Altbäume werden verbrannt.

Alexander KringsAlexander Krings leitet gemeinsam mit seinem Vater das Familienunternehmen KRINGS aus Rheinbach.

„Bäume sind nachwachsende Rohstoffe“, weiß Alexander Krings, der gemeinsam mit seinem Vater das Familienunternehmen leitet, „und wir fragen uns schon länger, wie wir den Rohstoff nach Gebrauch in Energie umwandeln oder anderweitig nachhaltig nutzen können, statt ihn einfach zu verbrennen.“ Auch würde sich Krings freuen, wenn die Bio-Äpfel aus seinem Unternehmen in geeigneter Verpackung in den Handel kämen. „Bio-Äpfel müssen ja nicht in Plastik verpackt sein“, denkt sich der Unternehmer, „viel besser zum Produkt würden doch Verpackungen aus nachhaltigen Materialien passen.“

Nicht weit von der Unternehmensgruppe KRINGS, nach eigenen Angaben einer der führenden privaten Obstbaubetriebe in Deutschland, hat ein anderes Traditionsunternehmen seinen Sitz: die Grafschafter Krautfabrik Josef Schmitz KG. Stefan Franceschini führt die Geschäfte des von seinem Urgroßvater 1893 gegründeten Unternehmens in vierter Generation.Auch ihn treibt die Nachhaltigkeitsfrage um.

„Wir stellen ein Naturprodukt her“, sagt der Unternehmer, „da wäre es doch toll, wenn die Verpackung dazu passen würde und ebenfalls ein Naturprodukt wäre.“ Bei 11.000 Tonnen Rübenkraut und 2.000 Tonnen Obstaufstrich pro Jahr ein relevanter Gedanke.

Stefan FranceschiniStefan Franceschini führt die Geschäfte der von seinem Urgroßvater gegründeten Grafschafter Krautfabrik Josef Schmitz KG.

Firmen wie diese gibt es viele in der Region. Betriebe, die erfolgreich am Markt agieren und, um erfolgreich zu bleiben, immer wieder Innovationen in Angriff nehmen. Manche tun das weitgehend allein. Andere suchen dazu Kooperationen. Denn sie wissen, dass es nicht nur auf ein innovationsförderndes Umfeld im Unternehmen ankommt, sondern es oft auch Ideen und Anstößen von außen bedarf, vor allem aus Forschung und Wissenschaft.

Ort, Netzwerk und Partnerbörse: Der „bio innovation park Rheinland“ ist alles in einem

Deshalb engagieren sich die beiden Unternehmer Franceschini und Krings im Verein bio innovation park Rheinland e.V. Der Verein baut nach und nach einen Kompetenz- und Präsentationsraum rund um Bioökonomie und grüne Technologien auf. Das Ziel: eine enge Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft mit Bezug zur Region Rheinland.

Dem Netzwerk gehören bisher 18 Unternehmen – darunter KRINGS und die Grafschafter Krautfabrik –, drei Hochschulen sowie die Städte Rheinbach und Meckenheim an. Es entstand aus einem Forschungsprojekt, in dem die Universität Bonn noch bis Ende 2017 die Potenziale der ansässigen Wirtschaftsstruktur für den Klimaschutz erforscht. Auf dieser Basis entwickeln die Städte Meckenheim und Rheinbach gemeinsam seit 2015 den bio innovation park als einen interkommunalen Wissenschafts- und Gewerbepark mit besonderem Profil: Der Energiebedarf soll möglichst niedrig sein.

Der bio innovation park ist also Ort und Netzwerk zugleich – und eine Art Partnerbörse, denn er bringt Unternehmen der Region und Wissenschaft zusammen. In wenigen Wochen startet beispielsweise ein Forschungsprojekt zu biobasierten Produkten, an dem viele Mitglieder des Vereins und die drei Hochschulen beteiligt sind.

„In dem Projekt sollen Baustoffe und Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen entwickelt und zudem bioaktive Additive eingebunden werden“, erläutert Dr. Sophia Dohlen, Geschäftsführerin des Vereins und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn. Als Rohstoff wird etwa Miscanthus, eine asiatische Schilfart, genutzt, mit der Prof. Dr. Ralf Pude auf dem Campus Klein-Altendorf der Uni Bonn mitten im bio innovation park experimentiert.

Dr. Sophia DohlenDr. Sophia Dohlen ist die Geschäftsführerin des bio innovation park e.V.

„Wir sehen Chancen, dass das Projekt zum Erfolg führt und sind schon sehr gespannt auf das Ergebnis“, erzählt Unternehmer Franceschini. Er ist von dem Miteinander von Wirtschaft und Forschung im Netzwerk sehr angetan. „Wir können Wünsche äußern, tauschen uns regelmäßig aus und erhalten Einblicke in die Forschung“, berichtet er, „das ist enorm wertvoll für uns.“

Sein Unternehmerkollege Alexander Krings pflichtet ihm bei. „Wir können Erfahrung aus der Praxis und Marktnachfrage einbringen und profitieren umgekehrt von dem umfassenden Know-how der beteiligten Wissenschaftsinstitute“, lobt Krings, der die Qualität des Austauschs schätzt und den Umstand, dass auch die Gemeinden mit am Tisch sitzen.

Mit der Gründung des Vereins, dessen Mitgliederzahl langsam aber ständig steigt, ist ein wichtiges Ziel des Forschungsprojekts erreicht: „Es war ein wichtiges Anliegen des Fördergebers, dass wir eine Verstetigung über die Projektlaufzeit hinaus erreichen“, berichtet Dr. Dominik Weiß, der die wissenschaftlichen Bausteine des bio innovation parks koordiniert. Am 7. Dezember findet die Abschlusstagung statt – doch die Arbeit des Vereins, die angestoßenen Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft gehen weiter.

Wissenschaft und Wirtschaft: Mehr Kooperation wagen

Das ist ganz im Sinne der IHK Bonn/Rhein-Sieg. Die Kooperation über Gemeindegrenzen hinweg und die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sind ihr seit Jahren ein Kernanliegen. Dies gilt auch unter der neuen Präsidentschaft von Stefan Hagen, der sein Amt als IHK-Präsident Anfang 2017 antrat.

„Wir sind ein bundesweit und international beachteter Wissenschafts- und Innovationsstandort und ein Schwergewicht in Forschung und Lehre“, betont Dr. Hubertus Hille, IHK-Hauptgeschäftsführer. „Davon könnte die Wirtschaft allerdings noch stärker als bisher profitieren. Zumal es in Zeiten der Digitalisierung verstärkt auf Innovationen ankommt, um im weltweiten Wettbewerb mithalten zu können.“

Die IHK möchte ausdrücklich auch kleine und mittlere Unternehmen dazu ermuntern. „Sie tun sich oft schwer, auf eine Wissenschaftseinrichtung zuzugehen. Dabei könnten sie gerade hier in der Region häufig profitieren, weil auch die Wissenschaft verstärkt auf der Suche nach Kooperationspartnern ist“, weiß Hille.

Deshalb hat die IHK die Stärkung des Know-how-Transfers zwischen Unternehmen und Wissenschaft in der Region auf ihre „Agenda 2017-2021“ gesetzt. Zudem möchte sie das Innovationspotenzial in der Region erhöhen und die Netzwerkbildung zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung intensivieren.

Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung des Wissenschaftsstandortes

Damit greift die IHK Forderungen und Wünsche auf, die sowohl in der Wirtschaft als auch der Wissenschaft laut geworden sind. Vor genau zwei Jahren, im Sommer 2015, veröffentlichte die IHK die „Innovations- und Wissensbilanz Bonn/Rhein-Sieg“. Sie zeigte eindrucksvoll: Forschung und Wissenschaft prägen die Region.

Ein dichtes Netz an Hochschulen spannt sich über die Bundesstadt Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis. Mehr als 45.000 Studierende lernen hier für ihre Zukunft. Die Region bildet zudem einen Schwerpunkt außeruniversitärer Forschung in Deutschland: Allein sieben Fraunhofer- und drei Max-Planck-Institute haben am Standort ihren Sitz. „Weil das so ist, kommt es darauf an diese Stärke zu bewahren und auszubauen“, argumentiert Hille.

So analysierte das Behrend-Institut in Frankfurt am Main im Auftrag der IHK den Wissenschaftsstandort in zwei Schritten (siehe Kasten unten). In die Untersuchung zur „Innovations- und Wissensbilanz“ flossen vor allem Stimmen aus der Wirtschaft ein (siehe Titelgeschichte in „Die Wirtschaft“, Ausgabe Juli/August 2015). Im Frühjahr 2017 führte das Institut dann eine schriftliche Umfrage und Experteninterviews unter wissenschaftlichen Führungskräften durch, deren Ergebnisse nun vorliegen.

Beide Untersuchungen stimmen in wesentlichen Punkten überein. Die Güte des Wissenschaftsstandortes wird als sehr hoch eingeschätzt, moniert wird allerdings sein Außenimage. „Positiv ist das Außenimage innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinde“, erläutert Dr. Rainer Behrend, der die Befragungen durchgeführt und ausgewertet hat, „doch wird bemängelt, dass in der allgemeinen Öffentlichkeit und auch bei Unternehmen die Qualität und Vielfalt des Wissenschaftsstandortes Bonn/Rhein-Sieg nicht ausreichend wahrgenommen wird.“

Dr. Rainer BehrendDer Verfasser der Studie Dr. Rainer Behrend

Wie die Experteninterviews ergaben, ist die Positionierung der Region als Wissenschaftsstandort und damit ihre Profilbildung entwicklungsfähig. „Besonderheiten des Wissenschaftsstandortes und Schwerpunkte werden zu wenig kommuniziert, dem leistungsstarken anwendungsbezogenen Wissenschaftsumfeld wird in der Außendarstellung eine zu geringe Beachtung geschenkt“, sagt Behrend.

Ein zweites Manko: Während die hohe Dichte an Forschungseinrichtungen und die unmittelbare Nähe zu möglichen Kooperationspartnern als einer der wichtigsten Standortvorteile angesehen wird, halten viele Befragte tatsächliche regionale Kooperationen für ausbaufähig. Mit anderen Worten: Die Wissenschaft ist auf der Suche nach Anknüpfungspunkten in der Wirtschaft, viele Unternehmen suchen Kontakt zur Wissenschaft. Oder könnten ihn suchen, wenn sie besser wüssten, wo sie wen finden und wer zu ihnen passt.

Beispiele für erfolgreiche Vernetzung und Kooperation

Aus der Befragung der Wissenschaftler und den Experteninterviews ergaben sich allerdings auch wichtige Ansatzpunkte zur Positionierung und Weiterentwicklung des Wissenschafts- und Innovationsstandortes Bonn/Rhein-Sieg. Genannt wurden nämlich auch Erfolgsbeispiele, die zeigen, wie die Zusammenarbeit und Netzwerkbildung zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, zwischen „Old Economy“ und „New Economy“ funktionieren können.

Ein solches Positivbeispiel ist neben dem bereits vorgestellten bio innovation park Rheinland e.V. das Cluster „bonn.realis“ (siehe Interview). „Die Initiative ist ein Beispiel dafür, wie die besonderen Kompetenzen der Wissenschaftsregion Bonn/Rhein- Sieg wie Telekommunikationsdienste, Sicherheit und Datendienste auf der einen sowie Bildung, Wissenschaft und Forschung auf der anderen Seite mit den Themen nachhaltige Entwicklung, Gesundheit und Ernährung verknüpft werden können“, heißt es in der IHK-Studie.

Diese hält zudem fest, dass es seit ein paar Jahren vielfältige Aktivitäten zur Verbesserung der Vernetzung gegeben habe. In der aktuellen Umfrage wurde in diesem Zusammenhang – Erfolgsbeispiel Nummer drei – vor allem die Initiative „Digital Hub Region Bonn“ hervorgehoben.

„Innerhalb kurzer Zeit ist es gelungen, einen Ort zu schaffen, an dem sich Wissenschaftler, Studenten, Entrepreneure, Technologen, Start-ups, Investoren und die regionale Wirtschaft vernetzen können“, schreibt Behrend. Dadurch könnten Innovationen und Unternehmertum gefördert und auch Fachkräfte im IT-Bereich angezogen werden. Ein wesentlicher Faktor sei auch die Unterstützung der Gründerszene.

So unterschiedlich die Start-ups im Hub auch sind: „Konsens besteht bei nahezu allen von ihnen bei den Themen Netzwerk/Ökosystem, Finanzierung, Marktzugang sowie Coaching und Mentoring“, erklärt Digital-Hub-Vorstand Markus Zink. Deshalb startete der Hub im Mai mit dem „Accelerator“ ein Beschleunigungsprogramm, das die jungen Unternehmen inhaltlich sehr stark unterstützt.

Inzwischen nehmen zirka 20 Start-ups daran teil, unter anderem das junge Bonner Unternehmen EnterpriseUP. Es passt mit seinem Projektbereich „StartupZoom“ besonders gut zum Digital Hub, da es Mittelständler und Konzerne mit zu ihnen passenden Start-ups zusammenbringen will, um gemeinsam konkrete Projekte voranzutreiben oder neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.

„Beide Seiten profitieren von solchen Kooperationen“, betont Gründer Lukas Strniste, „doch der Dschungel an Möglichkeiten und Anbietern ist bisweilen schwer zu durchdringen.“ Strniste und sein achtköpfiges Team helfen dabei, indem sie für ihre Kunden, darunter die Deutsche Post DHL und die Telekom, Marktrecherchen durchführen und speziell auf Start-ups zugeschnittene Analysen erstellen, die deren Bedürfnissen Rechnung tragen. Zugleich profitieren sie ihrerseits vom Netzwerk und Know-how des Digital Hubs.

Leben in Zukunft – nachhaltig, gesund, digital, sicher

Die Erfolgsbeispiele illustrieren, in welche Richtung auch eine gezieltere Vermarktung der Wissenschaftsregion gehen könnte. In den Experteninterviews wurden nahezu einhellig die Bereiche „Informationsund Kommunikationstechnik“, „Sicherheit“ und auch „Nachhaltigkeit“ als mögliche thematische Schwerpunkte genannt. Als Leitidee könnte „Leben in Zukunft – nachhaltig, gesund, digital, sicher“ dienen.

„Gesund“ spielt nicht nur bei bonn.realis eine wichtige Rolle, sondern auch bei der „Gesundheitsregion Köln Bonn e.V.“, dem vierten Erfolgsbeispiel. Der Verein versteht sich als branchenweites umfassendes Netzwerk von Unternehmen, Einrichtungen und Verbänden des Gesundheitswesens in der Region und strebt hier eine enge Verzahnung an.

„Unser Grundprinzip: Die Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verbänden kommen an einem Tisch zusammen und tauschen sich ganz konkret darüber aus, woran die einen gerade forschen und was die anderen gerade gebrauchen könnten“, erklärt Prof. Dr. Wolfgang Goetzke, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Vereins. „Unsere Projekte kommen aus der Praxis für die Praxis“, ergänzt er, „und leben von der Kooperation.“

Goetzke bringt beispielsweise Start-ups und Unikliniken an einen Tisch – oder Start-ups und Pflegeeinrichtungen. Die Idee dahinter ist immer dieselbe: möglichst viele, auch unerwartete und überraschende Perspektiven zu einer Sache zu gewinnen. „Sich nicht auf eigene Erkenntnisse beschränken, sondern andere dazu nehmen und miteinander verschränken“, sagt Goetzke, „so funktioniert Innovation!“

Sein Ziel ist das gleiche wie das von bonn.realis, des bio innovation Parks Rheinland und des Digital Hubs: die Potenziale von Wirtschaft und Wissenschaft in der Region zusammenzubringen und dadurch neue Impulse zu erzeugen. „Solche Best-Practice-Beispiele“, betont Dr. Rainer Behrend, „haben Vorbildcharakter und empfehlen sich zur Nachahmung.“

Lothar Schmitz, Wirtschaftsjournalist, Bonn

Positionierung und Weiterentwicklung des Wissenschafts- und Innovationsstandortes Bonn/Rhein-Sieg aus Sicht der Wissenschaft – Eine Umfrage der IHK Bonn/Rhein-Sieg

Im Sommer 2015 veröffentlichte die IHK Bonn/Rhein-Sieg die „Innovations- und Wissensbilanz Bonn/Rhein-Sieg“. Sie analysierte die Wettbewerbsposition der Region im interregionalen Vergleich und skizzierte Herausforderungen und Perspektiven. Die wichtigsten positiven Ergebnisse:

In keiner anderen der 21 Vergleichsregionen ist der Anteil der Einwohner mit Hochschulabschluss so hoch wie in der Region Bonn/Rhein-Sieg. Weit überdurchschnittlich ist auch der Anteil hochqualifizierter Beschäftigter. Sie arbeiten überwiegend in wissensintensiven Dienstleistungsbetrieben und öffentlichen Einrichtungen.

Die hohe Zahl von Studierenden in der Region an renommierten Hochschulen, eine Abiturientenquote bei den Schulabgängern von mehr als 50 Prozent und der Zuzug junger Menschen in die Region gewährleisten auch in den kommenden Jahren ein qualitativ gutes Angebot an wissenschaftlichem Nachwuchs.

Die Region Bonn/Rhein-Sieg zählt zu den Hochburgen außeruniversitärer und universitärer Forschung in Deutschland. Hierzu hat auch die öffentliche Forschung im Zuge der Ausgleichsmaßnahmen durch den Wechsel des Regierungssitzes nach Berlin beigetragen.

Die Wissensbilanz zeigte aber auch Herausforderungen und Risiken für die zukünftige Entwicklung. So wurde deutlich, dass die Region zwar über eine weit überdurchschnittliche öffentliche Forschung verfügt, die unternehmerische Forschungsintensität jedoch vergleichsweise gering ist. Zudem wurde von den im Rahmen der Wissensbilanz interviewten Unternehmerinnen und Unternehmern vielfach bemängelt, dass das Profil des Wirtschafts- und Wissenschaftsstandorts nicht ausreichend „scharf“ sei. In diesem Zusammenhang wünschte man sich auch eine stärkere Vernetzung von Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung.

Deshalb beauftragte die IHK Bonn/Rhein-Sieg im Frühjahr 2017 erneut das Behrend-Institut Frankfurt am Main, diesmal mit einer schriftlichen Umfrage und Experteninterviews unter wissenschaftlichen Führungskräften der Region. Sie wollte insbesondere wissen, wie sich der Wissenschaftsstandort Bonn/ Rhein-Sieg insgesamt stärken lässt, wie sich Vernetzung und Kooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft fördern lassen und wo thematische Ansatzpunkte für eine stärkere Profilierung der Innovations- und Wissenschaftsregion liegen.

Befragt wurde wissenschaftliches Führungspersonal an Hochschulen, Forschungseinrichtungen, wissenschaftsnahen Organisationen und sonstigen wissenschaftlichen Institutionen, die ihren Sitz in der Region haben. Die vollständige Untersuchung mit zahlreichen Grafiken steht auf der Website: www.wirtschaft-wissenschaft.de

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