Berufsorientierung auf Augenhöhe

Die Ausbildungsbotschafter

Wer Fachkräfte braucht, muss ausbilden. Wer ausbildet, sollte sich bei Schülerinnen und Schülern bekannt machen. Genau dafür gibt es bei der IHK Bonn/Rhein-Sieg seit 2016 das erfolgreiche Instrument der Ausbildungsbotschafter. Teresa Schare vom IHK-Referat Schule-Wirtschaft koordiniert das Projekt.

Selbstverständlich können sich Schülerinnen und Schülern auch im Internet über Ausbildungsberufe wie zum Beispiel Industriekaufleute oder Fachkraft für Lebensmitteltechnik informieren. Einen authentischen und persönlicheren Einblick in die Welt der dualen Ausbildung erhalten sie jedoch von den Ausbildungsbotschafterinnen und -botschaftern regionaler Unternehmen. Nur unwesentlich älter als die Schüler selbst, besuchen sie schon weiterführende Schulen, erzählen aus ihrem beruflichen Alltag und begeistern ihre Zuhörerinnen und Zuhörer quasi auf Augenhöhe für die duale Ausbildung.

Insbesondere an den Gymnasien und in der Oberstufe fällt auf, dass viele noch gar nicht an eine Ausbildung gedacht haben. „Die meisten glauben, sie müssten sich für das eine und gegen das andere entscheiden“, sagt IHK-Projektkoordinatorin Teresa Schare. „Eine Berufsausbildung schließt eine anschließende Spezialisierung, akademisch oder beruflich qualifizierend, aber nicht aus. Wir versuchen Vorurteile auszuräumen und zeigen, dass die duale Ausbildung auch für Menschen mit Abitur ein solides Fundament für den weiteren Karriereweg ist, ganz nach dem Motto ‚Karriere mit Lehre.‘“

Den Blick weiten

Die berufliche Bildung dient auch einer praktischen Orientierung in der Berufswelt. Die Erfahrung zeigt, dass die Entscheidung für ein Studienfach nach der Ausbildung oft viel fokussierter getroffen wird. Die Ausbildungsbotschafterinnen und -botschafter geben aber bei ihren Besuchen auch praxisnahe Tipps, etwa zu den Chancen eines Fachabis während der dualen Ausbildung oder zur Möglichkeit, während des Studiums im erlernten Ausbildungsberuf in Teilzeit zu arbeiten, und berichten über die finanzielle Förderung von Weiterbildungen durch die Arbeitgeber. Teresa Schare: „Viele der Zuhörenden haben hier etliche ‚Aha‘-Momente.“

Der Funke springt über, wenn die Azubis von ihrem Betrieb erzählen. Davon, wie sie auf die Idee zu ihrem Beruf kamen und wie das Bewerbungsverfahren verlief. Die Ausbildungsbotschafter sind bei ihren Ausführungen ehrlich. Sie erzählen über Höhen und Tiefen, die sie erlebt haben. Die Schüler fühlen sich verstanden, können ihre Fragen direkt stellen und ein Gefühl für den neuen Lebensabschnitt bekommen. Auf die Begegnungen mit den Ausbildungsbotschaftern folgen nicht selten Praktika bei den entsendenden Unternehmen, die gelegentlich auch in einen Ausbildungsvertrag münden.

Eine Chance für die Unternehmen

Derzeit sind rund 90 aktive Ausbildungsbotschafterinnen und -botschafter im Einsatz. Viele Unternehmen nutzen die Chance, sich an den Schulen zu präsentieren und melden mit jedem Ausbildungsjahr weitere Kandidatinnen und Kandidaten für das Projekt bei der IHK. Aber auch für die Azubis selbst ist das Ganze ein Gewinn: Ihre persönlichen und fachlichen Kompetenzen wachsen und sie werden selbstbewusster, wenn sie sich und ihren Betrieb vor größeren Gruppen an Schulen vorstellen. Interessierte Unternehmen können jederzeit in das Projekt einsteigen.

Der Einsatz der Ausbildungsbotschafter erfolgt im Rahmen des Projektes „Ausbildungsbotschafter und Ausbildungsbotschafterinnen NRW – Unterwegs für „Kein Abschluss ohne Anschluss““ und wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Marion Theisen, freie Journalistin, Bonn

 

In unserem Kurzfilm einBlick“ stellen wir zwei Ausbildungsbotschafter der Firma tarent solutions GmbH vor und lassen ihren Ausbilder Stefan Walenda von seinen Erfahrungen mit dem Projekt berichten.