IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg

Implementierung von Inklusionskompetenz bei "Kammern"

Etwa eine Millionen Menschen mit Behinderung sind in Unternehmen in Deutschland beschäftigt, doch es könnten noch viel mehr sein, denn Menschen mit einer Behinderung, die in den meisten Fällen nicht angeboren ist, sind überdurchschnittlich qualifiziert und motiviert. Dass Unternehmen die Potentiale von Menschen mit einer Behinderung für sich entdecken, ist eine der Aufgaben des Projekts „Implementierung von Inklusionskompetenz“ und der Inklusionsberatung bei der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg. Projekt und Beratung wurden für eine Laufzeit von 24 Monaten aus dem Ausgleichfonds vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert. 

Der Schwerbehindertenausweis als Denkbarriere

Vielfach setzt in dem Moment, wo ein Mitarbeiter einen Schwerbehindertenausweis vorlegt, eine neue Denkweise ein. Die Einschränkungen und deren Auswirkungen treten in den Vordergrund, die verbleibenden Qualifikationen des Mitarbeiters verblassen vor der ungewohnten Situation. Dies ist allzu verständlich, da der (Teil-) Ausfall eines Mitarbeiters für das Unternehmen zusätzlichen Aufwand erzeugt und gleichzeitig eine dauerhafte Lösung für und mit dem Mitarbeiter gefunden werden muss, der ebenfalls in einer für ihn  ungewohnten Situation steckt.

Auch bei der Anfrage eines betriebsfremden Menschen mit Behinderung steht das Defizit deutlich schneller im Fokus der Betrachtung als die möglichen nützlichen Qualifikationen. Vermeintliche Minderleistung und der besondere Kündigungsschutz bilden eine Barriere, die es zu überwinden gilt. Da das notwendige Wissen hierzu nicht zum Alltag der Unternehmen gehört, braucht es hier kompetente unternehmernahe Hilfe.

Weitere Versionen des Videos:

http://youtu.be/YbgF5t3KgvY (Gebärdensprachdolmetscher)
http://youtu.be/QE9U4puThTA (Audiodeskription)

Die Inklusionsberatung der IHK Bonn/Rhein-Sieg als Lotse

Bei der Vielzahl von Fragestellungen und möglichen Beratungsangeboten übernimmt die Inklusionsberatung der IHK Bonn/Rhein-Sieg eine Lotsenfunktion, um den Unternehmer frühzeitig schon in diesem Prozess zu entlasten. Bei allen Fragen zum Thema „Mensch mit Behinderung“ ist diese ansprechbar und kann unterstützend wirken. Neben der direkten Hilfe bietet eine gute Vernetzung zu den regional agierenden Beratungsstellen die Möglichkeit, notwendige passende Partner für die Lösung eines spezifischen Problems an einen Tisch zu bekommen.

Potentialanalyse für Unternehmen

Ein weiteres Angebot der Inklusionsberatung besteht in einer Potentialanalyse in Unternehmen, die zeigt, an welchen Stellen eine Beschäftigung oder Beteiligung von Menschen mit Behinderungen aus unternehmerischer Sicht Sinn machen könnten.

Dabei sind die Möglichkeiten vielfältig. Vom Outsourcen von Produktionsteilen und Dienstleistungen, über Einbindung in betriebliche Aufgaben zur Entlastung von Fachkräften, bis zur Ausbildung von Menschen mit Behinderungen für den eigenen Fachkräftebedarf werden die Ideen individuell  für die Unternehmen aufbereitet.

Eine Übersicht über mögliche Förderhilfen und Beratungsstellen für die konkrete Umsetzung bilden die Grundlage zu weiteren Maßnahmen, die auf Wunsch angestoßen und in der Startphase begleitet werden.

Informationen zur Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderung erhalten Sie auch über das regionale Netzwerk bonnfairbindet und die WHKT-Newsletter, die im Rahmen des überregionalen Verbundprojektes "Wissenstransfer Inklusion" in Kooperation mit dem Westdeutschen Handwerkskammertag und der Handwerkskammer Düsseldorf erstellt werden.

Die Newsletter finden Sie hier.

Das Projekt – Ergebnisse

Das Projekt „Implementierung von Inklusionskompetenz ist nun erfolgreich abgeschlossen worden.

Ziel des Projektes war es, die Ausbildungs- und Beschäftigungschancen schwerbehinderter und ihnen gleichgestellter Menschen in der Region Bonn/Rhein Sieg zu erhöhen.

Zur Umsetzung  dieses Ziels wurden verschiedene Maßnahmen durchgeführt:

Es fanden vier Informationsveranstaltungen statt. Insgesamt haben 112 Vertreter und Vertreterinnen von Unternehmen und Organisationen an den Veranstaltungen teilgenommen. Davon waren  102 Teilnehmende aus der Region

In einem Impulsvortrag referierte Christian Papadopoulos von der designbar Consulting GbR in Bonn darüber, was Menschen mit  Behinderung ausmacht, über die Barrieren am Arbeitsmarkt und wie Beschäftigung gelingen kann. Referenten der Agentur für Arbeit Bonn zeigten die Möglichkeiten der Arbeitgeberförderung bei der Einstellung von Menschen mit einer (Schwer)Behinderung auf. Vertreter des Integrationsamtes des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) gaben einen Überblick über die Unterstützungsmöglichkeiten sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer.

Wesentlicher Bestandteil dieser Vortragsreihen waren Best-Practice-Beispiele über gelungene Inklusion in der Arbeitswelt:

  • Marc Roelofs, Leiter des Hotels Begardenhof Köln

  • Bärbel Langwasser-Greb, Geschäftsführerin  der Kaiser-Karl-Klinik

  • Cornelia Jansen, Director of Human Resources im Kameha Grand Hotel Bonn und

  • Thomas Borowiec, Vertrauensperson der schwerbehinderten Menschen im     Bundesinstitut  für Berufsbildung, stellten Beispiele gelungener Integration schwerbehinderter Menschen vor.

Insgesamt wurden die Veranstaltungen von den Teilnehmern sehr positiv bewertet.

In der anschließenden Diskussionsrunde wurde deutlich,  dass ein großer Bedarf an Informationen und gegenseitigem Austausch  besteht.

Als Kernergebnis der Informationsveranstaltungen für Mitgliedsbetriebe der IHK Bonn/Rhein-Sieg ist festzuhalten, dass die Teilnehmer/innen generell eine große Offenheit zeigen, ihre Personalpolitik im Hinblick auf Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderung zu überdenken.

Die verwendeten Präsentationen stehen rechts zum Download bereit.

Des Weiteren wurden drei  Schulungen für die Ausbildungs- und Betriebsberaterinnen und  -berater der Kammern veranstaltet.  Ziel dieser eintägigen Qualifizierungsmaßnahme war die Stärkung der Beratungskompetenz hinsichtlich der beruflichen Inklusion von Menschen mit (Schwer)Behinderung. Hier haben insgesamt 49 Vertreter aus 11 IHKs, 8 HWKs , der LWK und dem LWL teilgenommen.

Durch die Schulung und die hier entwickelten Arbeitsmittel sind die Berater/innen befähigt qualitativ hochwertige, auf die individuellen Belange der einzelnen Betriebe zugeschnittene Beratungen durchführen. Sie können Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten aufzeigen und bei der Antragstellung und dem Umgang mit Leistungserbringern behilflich sein.  Bedenken der Arbeitgeber/innen verstehen sie mit plausiblen Argumenten zu  entkräften und von den Vorteilen der Beschäftigung behinderter Menschen zu überzeugen.

Die erarbeiteten Schulungsunterlagen sind auch geeignet von anderen Multiplikatoren genutzt und eingesetzt zu werden.

Ein Gegenstand des Projekts war es zu prüfen, welche zusätzlichen Möglichkeiten es gibt Jugendlichen mit Behinderung eine Ausbildung zu ermöglichen. Es konnte der Bedarf für zwei neue Fachpraktiker/innen-Ausbildungen identifiziert werden:

•  Fachpraktiker/in im Service sozialer Einrichtungen

•  Fachpraktiker/in für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice

Die neuen Ausbildungsregelungen wurden vom Berufsbildungsausschuss der IHK Bonn/ Rhein-Sieg im Mai 2015 in Kraft gesetzt. Somit ist der Markt für Ausbildungsplatzsuchende mit Lernbehinderungen erweitert worden.

Frau Sybille Bugs, Ausbildungs- und Inklusionsberaterin, hat die rehabilitationspädagogische Zusatzausbildung erfolgreich abgeschlossen. Somit sind Betriebe, in denen die Ausbilder/innen keine solche Zusatzqualifikation nachweisen können, durch die Begleitung der qualifizierten Kammerberaterin berechtigt Jugendliche mit Lernstörungen zu Fachpraktikern und Fachpraktikerinnen in den verschiedenen Berufsbereichen auszubilden.

Auch durch den Aufbau eines regionalen Netzwerks sollten die Chancen der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung erhöht werden. Konkret umgesetzt wurde diese Idee in der

Kooperation mit dem Branchenverband BITKOM, der Initiative „bonnfairbindet“ und der Telekom. Gemeinsam wurde eine Informationsveranstaltung für IT-Unternehmen mit dem Titel“ Inklusion in IT-Berufen – Potentiale und Perspektiven“ durchgeführt.   Am 08.Juni 2015 organisierten diese Netzwerkpartner ein Speed-Dating für junge Menschen mit Behinderung.

Das im Projekt entstandene Netzwerk der  arbeitsmarktpolitisch relevanten Akteure und Leistungserbringer, die Arbeitgeber/innen im Hinblick auf die Teilhabe von Menschen  mit Behinderung am Arbeitsleben beraten und vermitteln, wird weitergeführt.

In der Zusammenarbeit mit dem NRW-weiten Projektverbund „Wissenstransfer Inklusion“ (Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) als Koordinierungs- und Servicestelle, die Handelskammer Düsseldorf als fachlicher Begleiter) sind stabile Veranstaltungskonzepte und Informationsmedien entwickelt worden, die das Vorhaben eine inklusiven Berufswelt zu fördern, weiter vorantreiben.

 

 

Weitere Informationen

Newsletter

Hotline 0228 / 60 44 777

www.bonnfairbindet.de

APP erhältlich

Inklusion immer dabei – Smartphone-App informiert Betriebe zur Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen.

Die App ist ab sofort im App Store und bei Google Play für alle mobilen Geräte kostenlos erhältlich. Sie finden den nützlichen Informationsdienst unter dem Stichwort "Inklusion und Beschäftigung".

Ansprechpartner


Ausbildungsberaterin Team Handel und Lager
Tel.: 0228 2284-154

Tel.: Tel.: 0228 2284-194

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