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Unternehmen ein Weiterleben ermöglichen
Nachfolge in Bonn/Rhein-Sieg
© IHK/Jo HempelDie Übergabe ist einer der heikelsten Momente im Lebenszyklus eines Unternehmens. Jahr für Jahr unterstützt die IHK Bonn/Rhein-Sieg Betriebe mit einem umfangreichen Beratungs- und Informationsangebot, eine Nachfolgelösung zu finden.
Der Lebenszyklus eines Unternehmens ähnelt dem von Menschen. Nach der Geburt bzw. Gründung folgt die Wachstumsphase. Neues Personal, neue Märkte und neue Kunden sowie ein erweitertes Geschäftsfeld. Es geht idealerweise meist bergauf – aber gelegentlich sind auch Krisen zu bewältigen. Wenn strategisch alles richtig läuft, können Betriebe – anders als Menschen – lange weiterleben. Nämlich dann, wenn sich eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger findet, die das Unternehmen erfolgreich weiterführt.
Wenn.
Denn leider ist es nicht selbstverständlich, dass ein Betrieb fortbesteht. Es bedarf einer Unternehmensführung, die frühzeitig das Thema Nachfolge angeht und sich strategisch darauf vorbereitet. Es braucht nicht nur einen geeigneten Kandidaten bzw. eine geeignete Kandidatin, auch die die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Da können einige Stolpersteinen zusammenkommen. Nicht umsonst zählt die Übergabe zu den heikelsten Phasen im Lebenszyklus einer Firma.
Stefan Düren, der seinen Bonner Betrieb Anfang des Jahres übergab, brachte es vor einigen Monaten im Gespräch mit „Die Wirtschaft“ auf den Punkt: „Ein Unternehmen zu übergeben ist viel komplexer, als wir ursprünglich gedacht haben.“
Nachfolge frühzeitig strategisch angehen
Fachleute empfehlen, dass sich Unternehmerinnen und Unternehmer spätestens mit Mitte 50 ernsthaft Gedanken darüber machen sollen, wer ihnen eines Tages nachfolgen könnte.
Allein in Nordrhein-Westfalen gibt es gut 300.000 Familienbetriebe mit Inhaberinnen und Inhabern, die älter als 55 Jahre sind. In Bonn/Rhein-Sieg sind es 16.500. Sie beschäftigen rund 142.000 Personen im IHK-Bezirk.
Für jedes dieser Unternehmen stellt sich früher oder später die Frage, wie es weitergehen soll. In den allermeisten Fällen ist nur klar, dass es weitergehen soll. Denn die meisten Firmenbesitzer wollen, dass ihr Betrieb – schon wegen der Angestellten – weitergeführt wird. Selbst wenn sie selbst nicht mehr können oder wollen.
Familiennachfolge nicht mehr selbstverständlich
Die Zeiten, in denen automatisch jemand aus der Unternehmerfamilie das Ruder übernimmt, sind allerdings vorbei. „Immer mehr Töchter und Söhne verfolgen eigene berufliche Wege“, beobachtet Michael Pieck, IHK-Gesamtbereichsleiter Unternehmensförderung. Laut dem Nachfolgereport von IHK NRW plant nur noch jeder dritte Betrieb Eigentum und Leitung in der Familie als Übergabevariante. Bereits 16 Prozent gehen von einer Übernahme durch externe Nachfolgende aus, 15 Prozent von einer Übernahme durch externe Unternehmen. Weitere 14 Prozent planen eine Übernahme durch Mitarbeitende.
Das gestaltet sich nicht immer einfach: „80 Prozent empfinden die Suche nach externen Nachfolgelösungen als schwierig“, berichtet Pieck.
Hinzu kommt, dass wegen des demografischen Wandels immer mehr Unternehmen auf den „Nachfolge-Markt“ kommen, weil die „Boomer“-Generation ins Rentenalter erreicht. „Und zusätzlich belastet die anhaltende Wirtschaftskrise die Nachfolgesuche“, sagt Pieck. Nicht wenige Unternehmerinnen und Unternehmer würden nach vier Krisenjahren ernsthaft zweifeln, ob es weitergehen kann. Gleichzeitig zögern die Familie oder Mitarbeitende, in einem solch schwierigen Umfeld das Risiko einer Firmenübernahme einzugehen. „Krise macht nicht gerade Lust auf Unternehmertum“, sagt der IHK-Nachfolgeexperte.
Zahlreiche Beratungs- und Veranstaltungsformate
Daher wirbt die Kammer für das Thema Nachfolge – und dafür, sich frühzeitig beraten zu lassen. „Nicht nur für unsere Wirtschaftsregion und für die Beschäftigten ist es elementar, dass gut gehende Betriebe weitergeführt werden“, betont Pieck. Die Kammer hilft mit einem umfangreichen Beratungs-, Veranstaltungs- und Netzwerkangebot. Sie begleitet jedes Jahr eine Vielzahl von Unternehmensnachfolgen.
„Kommen Sie so früh wie möglich zu uns, am besten drei bis zehn Jahre vor dem Zeitpunkt, zu dem das Unternehmen übergeben werden soll!“, empfiehlt Pieck. Als Einstieg bietet die IHK eine Erstberatung. Hier erfahren Interessierte, wie man eine Nachfolge plant, worauf zu achten ist, welche Fallstricke es gibt und wie man das eigene Unternehmen für die Übergabe fit macht.
Darüber hinaus gibt es einen regelmäßigen Stammtisch zum Austausch mit Fachleuten und Gleichgesinnten sowie sogenannte Kaminabende, bei denen es zusätzlich Fachvorträge zum Thema gibt. Wenn der Zeitpunkt der Übergabe ungefähr feststeht, empfiehlt Pieck eine Teilnahme an den Unternehmensnachfolge-Tagen mit Fachleuten, die ebenfalls regelmäßig stattfinden.
Matching: Damit zusammenfindet, was zusammengehört
Die IHK unterstützt zudem beim Matching. Dazu ist sie an zwei digitalen Plattformen beteiligt: dem NRW-weiten IHK-Nachfolgepool sowie der bundesweiten Börse nexxt-change. Beide verfolgen das Ziel, suchende Unternehmen mit Nachfolgeinteressierten vertraulich zu verbinden und den Übergabeprozess zu erleichtern.
Ein weiteres Angebot in diesem Jahr: die IHK-Veranstaltungsreihe „FOKUS Unternehmensnachfolge“. Sie bietet Online-Impulse zum Thema für alle Inhaberinnen und Inhaber auf der einen Seite sowie Personen, die ein Unternehmen übernehmen möchten, auf der anderen Seite. In jeweils 90 Minuten informieren praxiserfahrene Fachleute über unterschiedliche Aspekte von Nachfolge, zudem gibt es Gelegenheit zum Austausch. Die Veranstaltungen sind kostenfrei.
Laut „DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2025“ wollen immer mehr Unternehmerinnen und Unternehmer ihren Betrieb jedoch abgeben oder einstellen. Die Zahl derjenigen, die sich nicht mehr unternehmerisch engagieren wollen oder können, erreichte demnach 2024 einen historischen Rekord. „Wir hier in der Region wollen alles daran setzen“, sagt Michael Pieck, „dass für möglichst viele Betriebe eine Nachfolgelösung gefunden wird.“
Lothar Schmitz, freier Journalist, Bonn


