ROMEX AG

Durch Krisen stärker

Von Meckenheim in die Welt – das trifft auf das Hauptprodukt der ROMEX AG zweifelsfrei zu. Das Unternehmen stellt Pflasterfugenmörtel auf Kunstharz-Basis her – und der füllt die Fugen in einer ganzen Reihe von Ländern. Das Produkt sorgte selbst in Coronazeiten für ein Umsatzplus. Soeben investierte das Unternehmen, das 50 Beschäftigte zählt, in einen Webshop, der sich direkt an Endverbraucher und kleine Handwerksbetriebe wendet.

Wer wissen will, wie Krisenbewältigung geht, sollte sich einmal mit Rolf Meurer und Hassan Hamzah unterhalten. Gemeinsam kommen der Vorstand der ROMEX AG in Meckenheim und der Regional Sales Manager auf drei Krisen in zehn Jahren. Das Unternehmen und auch sie selbst gingen jedes Mal gestärkt daraus hervor.

Krise Nr. 1: die Finanzkrise 2008/2009. „Damals bereitete ich mich eigentlich gerade auf den Ruhestand vor“, erzählt der 75-jährige Unternehmer, „doch plötzlich musste ich das Unternehmen retten.“ Vor allem das starke Osteuropageschäft war eingebrochen, die Firma brauchte dringend Kredite, Meurer musste mit den Banken verhandeln, die Kunden bei der Stange halten, das Geschäft sichern.

Den Hauptumsatz machte Meurers Firma, die er 1989 in Rheinbach gegründet hatte, damals mit Industriebodenbeschichtungen auf Epoxydharz-Basis, vor allem in Osteuropa, Russland und China. Dieser Markt brach während der Finanzkrise fast völlig ein. Trotzdem konnte Meurer die Firma retten – und die Produktion der Beschichtungen für Industrieböden zog wieder an.

Bis 2018 Krise Nr. 2 über das Unternehmen hereinbrach, das nach einigen Jahren in Euskirchen nun im Industriepark Kottenforst in Meckenheim residierte: Ein Feuer vernichtete die Produktionshalle. „Das war ein Schock“, gibt Meurer zu, „doch erneut steckten wir nicht den Kopf in den Sand, schon nach 14 Tagen konnten wir in einer provisorisch errichteten Halle weiter produzieren.“

Allerdings nicht auf Dauer. Meurer traf die unternehmerische Entscheidung, sich von der Herstellung zu trennen und sich in diesem Segment, in dem die Umsätze ohnehin stagnierten oder sanken, ganz auf den Handel mit Industriebodenbeschichtungen zu konzentrieren.

Vorstand Rolf Meurer (links) gab Hassan Hamzah (rechts), der 2015 mit seiner Familie aus Syrien floh, einen Ausbildungsplatz und damit eine Perspektive. Jetzt ist dieser fest angestellt.Umgekehrt fuhr das Unternehmen die Produktion von Pflasterfugenmörtel immer weiter hoch. „Den habe ich selbst erfunden“, erzählt der Unternehmer stolz.

Dabei macht er sich die positiven Eigenschaften von Epoxydharz zunutze – ein Material, das wegen seiner Eigenschaften in unterschiedlichen Zusammensetzungen etwa im Bootsbau, bei der Herstellung der Rotorblätter von Windkraftanlagen oder eben bei Industriefußböden verwendet wird.

Meurer experimentierte mit dem Mischungsverhältnis aus Sand und Epoxydharz und entwickelte so eine begehrte Alternative zum herkömmlichen Mörtel. Die ist laut ROMEX langlebig, chemisch beständig, wasserdurchlässig, frost- und tausalzbeständig, trittsicher – und verhindert, dass Unkraut durchwächst.

Fußgänger überall auf der Welt setzen ihre Füße auf Fugen, die mit dem Meckenheimer Produkt gefüllt sind – von der Salzgasse in Köln über die Innenstadt von Ljubljana bis zum Canada Place in Vancouver.

2020 ist das beste Geschäftsjahr in der Firmengeschichte

Inzwischen sind die Herstellung und der Vertrieb des Pflasterfugenmörtels das Kerngeschäft des Unternehmens. Durchschnittlich 15 Tonnen des Materials verlassen jeden Tag die Produktionshalle. Erstaunlicherweise zog die Nachfrage ausgerechnet im Coronajahr 2020 extrem stark an.

„In der Spitze konnten wir die Produktionsmenge verdreifachen“, berichtet Meurer, „und damit in diesem Segment ein Umsatzplus von 30 Prozent erzielen.“ Hauptabnehmer sind Baumärkte – und die erlebten zumindest in Deutschland seit März einen kräftigen Boom. Der machte den sinkenden Industriebodenumsatz nicht nur wett, sondern trug maßgeblich dazu bei, dass Meurer für 2020 mit 18,5 Millionen Euro den „besten Umsatz in unserer Firmengeschichte“ erwartet.

Besonders wichtig ist dem Unternehmer seit vielen Jahren die Nachwuchsförderung. Es gab Zeiten mit sechs Auszubildenden gleichzeitig, derzeit sind es drei. Ziel der Ausbildung ist stets die Übernahme. Ein besonderer Fall ist die Geschichte von Hassan Hamzah, der im Sommer seine Ausbildung zum Industriekaufmann mit Erfolg abschließen konnte und übernommen wurde. Vor fünf Jahren war er mit seiner Familie aus Syrien nach Deutschland geflüchtet – Krise Nr. 3 (siehe Zusatztext).

Nachwuchs anderer Art steht bereits in den Startlöchern: Ab Januar wird Rolf Meurers Sohn Bert in den Vorstand aufrücken, er soll demnächst die Nachfolge des Vaters antreten. Bisher war er Geschäftsführer für Export. Auch Meurers Sohn Daniel arbeitet als Geschäftsführer im Unternehmen. „Ich freue mich, dass meine Söhne hier beide Verantwortung übernehmen“, sagt Meurer senior. Wenn nicht wieder eine Krise komme, wolle er jetzt endlich in Ruhestand gehen.

 

„Wir schaffen das“
Eigentlich sind es gar nicht drei Krisen, von denen hier die Rede ist. Den Begriff „Flüchtlingskrise“, der 2015 schnell die Runde machte, will Meurer nämlich nicht akzeptieren. Für ihn und die deutsche Wirtschaft insgesamt sei Zuwanderung vielmehr eine großartige Chance. „Verteilt über einen etwas längeren Zeitraum könnten ruhig nochmal eine Million Menschen zu uns kommen“, betont der Unternehmer.

2015 kamen Hassan Hamzah, seine Frau und ihre beiden Kinder nach Deutschland. Für sie war es der Versuch eines Neuanfangs nach einer besonders schlimmen Krise: Wie so viele war die Familie vor dem Krieg in Syrien geflohen. Nach mehreren Stationen landete sie schließlich in einer Unterkunft für Geflüchtete in Bad Münstereifel.

Dort profitierte die Familie von dem Engagement vieler Ehrenamtlicher. Hamzah lobt vor allem einen pensionierten Deutschlehrer, der ihnen sehr geholfen habe. Über den lernten sich dann Rolf Meurer und Hassan Hamzah kennen, denn Meurer, der mit seiner Frau ebenfalls in Bad Münstereifel lebt, wollte einen Beitrag zur Integration der Geflüchteten leisten und hatte deshalb Kontakt aufgenommen.

„Ich fühlte mich damals von den Worten der Kanzlerin, ‚Wir schaffen das‘, persönlich angesprochen“, erinnert sich Meurer. Dabei wollte er persönlich helfen, dachte aber zugleich unternehmerisch: Er bot Hamzah einen Ausbildungsplatz an, förderte ihn und seine Familie privat – und erhoffte sich zugleich, dass Hamzah, wenn er die Ausbildung schaffen würde, den Vertrieb des Unternehmens im arabischen Sprachraum übernehmen könne.

„Diese Perspektive hat mich enorm motiviert“, sagt Hamzah in sehr gutem Deutsch. Er investierte viel Zeit und Energie in die Ausbildung, Sprachkurse und das Lernen für die Berufsschule. Das erste Jahr musste er aus Sprachgründen wiederholen, doch nach insgesamt vier Jahren Ausbildung war das Ziel erreicht: Er hatte einen anerkannten deutschen Abschluss – und einen Arbeitsvertrag.

Seit Sommer ist Hassan Hamzah Regional Sales Manager bei ROMEX. Und erschließt nun neue Absatzmärkte für Pflasterfugenmörtel!

 

ROMEX AG

Vorstand: Rolf Meurer
Gründungsjahr: 1989
Umsatz 2020: voraussichtlich 18,5 Millionen Euro
Beschäftigte: 50, darunter drei Auszubildende
Standort: Meckenheim, Industriepark Kottenforst
Produkte: Bodenbeschichtungen, Pflasterfugenmörtel, Verschiebesicherung, Zusatzprodukte
Kunden: vor allem Baumärkte und Fachhandel; ab sofort über eigenen Webshop auch Endverbraucher direkt
Internet:https://romex-ag.de

 

Lothar Schmitz, freier Journalist Bonn