Lokaler Handel in der Hand der Bürger

TINKS-Markt in Wachtberg

TINKS-MARKT IN WACHTBERGMit der Schließung der sechs Knauber Garten- und Freizeitmärkte in Bonn und Umgebung wollten sich ein paar bastel- und handwerksaffine Menschen in Bad Godesberg nicht abfinden. Sie haben nach dem genossenschaftlichen Prinzip das Unternehmen Mein Markt Handels GmbH & Co. KG gegründet. Erstes gemeinsames Projekt: Der TINKS Markt in Wachtberg-Berkum, eröffnet im März 2021. Nachhaltig ist er in mehrfacher Hinsicht.

Sobald man den Markt betritt, stellt sich das alte „Knauber-Freizeitmarkt-Gefühl“ wieder ein. Nicht nur das Logo in grün-weiß erinnert an vorangegangene Einkaufserlebnisse, auch viele. Kunden bescheinigen TINKS, das „gewisse Etwas“ zu haben. Sie freuen sich, „so ein großes Angebot direkt um die Ecke zu finden“ und loben das Konzept. Und dass, obwohl der Markt zu Beginn der Corona-Pandemie in denkbar schwierigen Zeiten an den Start ging. Eröffnung war nämlich kurz nach dem Lockdown, am 25. März 2021. Seither gibt es das breit gefächerte Einkaufsangebot vor Ort, von Bürgern für Bürger, mit kurzen Wegen und vielen Produkten aus der Region.

Eroeffnung des TINKS-Marktes in 2021Eröffnung des TINKS-Marktes in 2021Von Gartenpflanzen über Schrauben und Schreibwaren bis hin zu Bastelutensilien finden die Kunden hier Nützliches und Schönes. „Erst einmal haben wir viele Produkte aus den ehemaligen Freizeitmärkten übernommen“, so Geschäftsführer Andreas Mankel. „Unser großes Ziel ist es aber, das Ganze Stück für Stück nachhaltiger zu gestalten. Da sind wir auf dem Weg.“

Produktionsbedingungen und Lieferketten werden überprüft. Von manchen Firmen bekommen die TINKS-Macher prompte Antwort mit QR-Codes, die für Transparenz und Informationen sorgen. Bei anderen gibt es Zertifikate wie das FSC-Siegel oder den Blauen Engel. Und bei anderen hingegen müssen die Handelsbeziehungen beendet werden, wenn es keine Nachweise gibt. Wichtig ist für TINKS, Informationen zum Thema Nachhaltigkeit an die Kundinnen und Kunden weiterzugeben.

Nachhaltigkeit auf drei Ebenen

Im Sortiment der Schrauben, Dübel und Nägel zum Beispiel gibt es die Möglichkeit, auch einzelne Teile zu kaufen. Außerdem soll es bald für alle Geräte, die man bei TINKS kaufen kann, auch Ersatzteile geben. Denn reparieren statt neu kaufen ist nachhaltig, so Mankel. Mittelfristig kann er sich eine Zusammenarbeit mit Repair-Cafés vorstellen. In Wachtberg gibt es seines Wissens noch keines, für den geplanten Markt in Bonn Bad-Godesberg hat er schon einen Interessenten.

Andreas MankelGeschäftführer Andreas MankelElf Arbeitsplätze hat TINKS geschaffen und will ab dem kommenden Jahr ausbilden. Insofern steht der Freizeitmarkt auch für ökonomische Nachhaltigkeit. Gewinnmaximierend zu arbeiten, steht für Geschäftsführer Andreas Mankel nicht im Vordergrund: „Wir wollen den mehr als 500  Teilhaberinnen und Teihabern gerecht werden“, sagt er, „daher legen wir unsere  Kalkulation offen und geben allen Mitgliedern fünf Prozent Bonus auf ihre Einkäufe.“ Was dem Laden zurzeit aber zu schaffen macht, sind die gestiegenen Energiepreise.

Entsprechend soll das Gebäude energieeffizienter werden. Der Verkauf an die TINKS-Macher ist schon bewilligt. Sobald alles unter Dach und Fach ist, geht es an die energetische Sanierung: Wärmepumpen, Solarpaneele und LED-Technik. Außerdem soll ein ausgeklügeltes nachhaltiges Bewässerungssystem Wasser sparen und so die laufenden Kosten senken. Der dafür geplante vertikale Garten, der in der Pflanzenabteilung entsteht, kann auch für die Kundinnen und Kunden Vorbild und Inspiration sein.

Ausbildung und Inklusion

Der Markt bietet ein breites SortimentUnd wie steht es um die soziale Nachhaltigkeit des Unternehmens? Die sieht Mankel zum Beispiel in der Nahversorgung mit einem breiten Sortiment. „Die Leute können zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu uns kommen. Das gilt auch für den zukünftigen Markt in Bad Godesberg. Wir schaffen und sichern Arbeitsplätze. In Zukunft möchten wir auch gern  Menschen mit Behinderung beschäftigen.“

Die elf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Wachtberger Filiale sind größtenteils aus dem ehemaligen Freizeitmarkt zurückgeholt worden und beraten weiter in gewohnter Qualität. Ihre „Chefs“ sind nun aber völlig andere: Mehr als 500 Teilhaber haben die Initiatoren für den Wachtberger TINKS-Markt gefunden, viele von ihnen haben 100 Euro oder mehr investiert.

Mitsprache im Firmengeschehen hatten sie aber erstmal nicht, dafür aber ein so genanntes Genussrecht. Denn um aus der schnell gegründeten Mein Markt Handels GmbH & Co. KG eine richtige Genossenschaft zu machen, brauchte es noch etwas Zeit. Jetzt, knapp anderthalb Jahre nach Eröffnung, scheint alles in trockenen Tüchern zu sein, so Geschäftsführer Andreas Mankel: „Mit acht Leuten aus der damaligen Kundeninitiative haben wir die Genossenschaft gegründet. Das hat länger gedauert als wir wollten. Durch Corona sind uns allerdings auch einige Steine in den Weg gelegt worden.“

Vom Genussrecht zum echten Miteigentum

Herbstfest 2021Herbstfest findet 2021 draußen stattDas Genussrecht der gut 500 Teilhaberinnen und Teilhaber kann nun in echte Eigentumsanteile umgewandelt werden. Und es könnten noch weitere Teilhaber mitmachen. Denn für eine weitere geplante TINKS-Filiale in Bad Godesberg suchen Mankel und sein Team noch Menschen, die sich mit mindestens 100 Euro beteiligen wollen. Sie haben damit die Möglichkeit, zum Beispiel über sogenannte Sortimentsbeiräte Entscheidungen mitzugestalten. Es kann sich für sie aber nach Aussage Mankels auch finanziell lohnen, in Form von Zinsen aus dem Gewinn. Außerdem bekommen die Teilhaberinnen und Teilhaber auf alles, was sie im TINKS Markt kaufen, fünf Prozent Einkaufs-Bonus.

Pläne für Bad Godesberg stehen – Widerstand von der Stadt

Auf Bad Godesberg angesprochen, verfinstert sich die Miene des sonst immer freundlichen Andreas Mankel allerdings. Denn eigentlich wollte die Initiative den ersten TINKS-Markt genau dort eröffnen, wo früher Knauber war. „Wir hatten viele Gespräche mit Vertretern der Stadt Bonn. Aber der ursprüngliche Standort mit seinen 2.500 Quadratmetern lässt sich offenbar nicht wiederbeleben. Das lassen der derzeitige Bebauungsplan und das Zentrenkonzept der Stadt nicht zu“, sagt Andreas Mankel enttäuscht. Nun sucht er nach anderen Lösungen.

Kurze Wege zum Einkauf, eine breite Palette von regionalen Produkten, Fachberatung und ein gutes Management mit Verantwortung für die Mitarbeitenden. Das ist das Konzept von TINKS.

Marion Theisen, freie Journalistin, Bonn