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Unternehmensnachfolge: „Intensiv, lehrreich, anstrengend“
Math. Düren Transport GmbH & Co. KG
Firmengebäude der "Düren Umzug und Self Storage GmbH"Wer in der Region etwas zu transportieren hat, kennt den Namen Düren. Zum Jahresende übergaben Stefan Düren und sein Bruder Thomas das Godesberger Traditionsunternehmen an externe Nachfolger. Aus der Math. Düren Transport GmbH & Co. KG wurde die Düren Umzug und Self Storage GmbH. Mit Expertenhilfe konnte das Unternehmen damit im zweiten Anlauf erfolgreich in neue Hände gegeben werden. Der Prozess war anspruchsvoll und zeitaufwändig.
„Ein Unternehmen zu übergeben ist viel komplexer als wir ursprünglich gedacht haben“, sagt Stefan Düren. Wir treffen uns an einem verregneten Februarmorgen in seinem Büro am Unternehmenssitz in Bad Godesberg, er wirkt entspannt. „Es fällt schon einiges von einem ab, wenn man nicht mehr unmittelbar die volle Verantwortung trägt“, erzählt der Unternehmer.
In den vergangenen Jahren herrschte eher Anspannung. Frühzeitig hatten sich Stefan Düren und sein Bruder Thomas, die vier Jahrzehnte die Geschäfte der von ihrem Ururgroßvater Mathias Düren 1880 gegründeten Spedition führten, Gedanken über die Unternehmensnachfolge gemacht. Den eigentlichen Prozess der Nachfolgesuche starteten sie dann vor vier Jahren. Doch der Weg sollte sich als anspruchsvoll erweisen.
Frühzeitig war klar, dass eine innerfamiliäre Nachfolge, also der Übergang von der fünften auf die sechste Generation, nicht infrage kommt. „Die Kinder meines Bruders sind noch zu jung, um ein Unternehmen zu führen“, erzählt Stefan Düren, „und meine Kinder haben alle einen anderen beruflichen Weg gewählt.“ Eine Übergabe an einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin kam ebenfalls nicht in Frage. Mithilfe einer auf den Transfer von Logistikunternehmen spezialisierten Unternehmensberatung machten sie sich also auf die Suche nach passenden Kandidatinnen und Kandidaten.
Zweiter Anlauf mit IHK-Unterstützung
Doch im ersten Anlauf klappte es nicht. „Es gab durchaus ernstzunehmende Gespräche, aber in keinem Fall passte es so richtig“, sagt Düren. Damit waren die beiden Jahre verstrichen, die sich die Brüder für die Übergabe vorgenommen hatten.
Thomas und Stefan Düren (v.l.)Daraufhin gingen Thomas Düren, seit vielen Jahren Vollversammlungsmitglied der IHK Bonn/Rhein-Sieg, und sein Bruder Stefan, Vorsitzender des IHK-Verkehrsausschusses, einen anderen Weg und nutzten die Expertise ihrer Kammer.
Bei einer IHK-Veranstaltung zum Thema Nachfolge wurden sie auf Thorsten Luber aufmerksam, einen der Referenten. Mit seinem Unternehmen Luber Consulting in Bad Godesberg berät der Diplom-Kaufmann mittelständische Betriebe unter anderem in Sachen Unternehmensverkauf und -nachfolge.
Die Familie Düren holte Luber ins Boot und damit begann eine rund 18-monatige Phase, die die Speditionsunternehmer als „intensiv, lehrreich, anstrengend“ bezeichnen – und die zum Erfolg führte.
Potenziale herausstellen
Die erste Aufgabe des Beraters war es, gemeinsam mit den Brüdern Düren einen realistischen Wert ihres Unternehmens zu ermitteln. „Das ist alles andere als trivial“, sagt Luber. Den Wert einer Maschine zu ermitteln, ist vergleichsweise einfach. Doch was kosten gute Kundenbeziehungen oder der Firmenname? Zweiter großer Aufgabenblock: das Unternehmen mit seinen Stärken, seinen Schwächen und seinen Potenzialen in einem ausführlichen Exposé darzustellen.
Thorsten Luber„Das ist wie bei einem Hausverkauf“, vergleicht Luber, „Sie machen das Unternehmen sozusagen schön und stellen es im besten Licht dar, ohne aber freilich vorhandene Defizite zu verschweigen.“
Viele Defizite gab es bei dem kleinen Logistikunternehmen nicht. „Bei Düren stimmen Eigenkapitalbasis und Rücklagen, das Unternehmen ist gut aufgestellt und steht solide da“, sagt Luber. Zwar seien die Margen im Speditionsgeschäft gering, ergänzt Düren, doch schreibe man schwarze Zahlen. Und: Das Unternehmen hat erst vor vier Jahren in großem Umfang in eine moderne Containerhalle für das Self-Storage-Geschäft investiert, einen wachsenden Geschäftsbereich, mit dem zuletzt ein Fünftel des Umsatzes erwirtschaftet wurde, Tendenz: steigend.
Anschließend hat Luber über seine Netzwerke mögliche Käuferinnen und Käufer identifiziert. Darunter auch Oliver Brandt und Joscha Steinseifer, die heutigen Eigentümer.
Anspruchsvoll: Den Namen weiterführen
Bis zur Vertragsunterzeichnung vergingen 18 Monate. Laut Luber liegt der Durchschnitt bei gut einem Jahr. Dass es bei Düren länger dauerte, hat vor allem mit zwei Besonderheiten zu tun, die viel Verhandlungszeit in Anspruch nahmen: der Firmenname und die Art des Verkaufs.
Düren ist ein Traditionsunternehmen mit 126-jähriger Geschichte, der Name hat in der Branche und in der Region einige Bedeutung. Er sollte erhalten bleiben, das war der Wunsch sowohl der Alteigentümer als auch der Nachfolgeinteressenten. „Das ist aber nicht so einfach, wie es klingt, denn natürlich geht mit dem Namen aus Sicht der Brüder Düren auch eine Haltung, ein Anspruch einher“, erklärt Luber. Es musste also verhandelt und vertraglich geregelt werden, wie der Name verwendet und vor allem wie damit bei einem potenziellen Weiterverkauf des Unternehmens verfahren wird. „Das war zeitintensiv und emotional“, sagt Luber.
Der andere Knackpunkt: Share Deal oder Asset Deal? Bei einem Share Deal gehen die Anteile am Unternehmen von den Alt- auf die Neueigentümer über. „Das ist der üblichere, einfachere Weg“, weiß Luber. Beim Asset Deal hingegen werden sämtliche Vermögensgegenstände, die Beschäftigten, das Inventar, aber auch die Marke und Kundenbeziehungen sozusagen einzeln oder paketweise verkauft. „Das sind alles juristisch eigenständige Vorgänge, die Akribie und damit Zeit erfordern“, sagt der Berater. Interessant sei es für die Käufer vor allem aus steuerlichen Gründen. Die Kehrseite: Der Kaufvertrag hat rund 500 Seiten Anlagen.
„Das macht doch jeder gute Kaufmann“
Bei allem Aufwand: Stefan Düren ist zufrieden, wie es gelaufen ist. „Es war teilweise wirklich mühsam und hart, aber über den Preis zu verhandeln und immer wieder neue Anläufe zu nehmen, das gehört doch dazu, das macht doch jeder gute Kaufmann“, findet er.
Entspannt ist Düren aber auch deshalb, weil die Zusammenarbeit mit den Nachfolgern so gut sei. „Wir haben hart verhandelt, dafür läuft es jetzt, im praktischen Übergang, sehr produktiv“, sagt Düren. Er sieht das Unternehmen in guten Händen.
„Ohne die gute Begleitung durch Herrn Luber hätten wir das aber wohl nicht geschafft“, gibt er zu. Der Prozess sei schon enorm komplex gewesen. „Ich kann jeder Kollegin und jedem Kollegen nur raten, sich im Nachfolgefall Rat von außen zu holen.“
Von Lothar Schmitz, freier Journalist, Bonn
Düren Umzug und Self Storage GmbH
Standort: Friesdorfer Str. 189-193, 53175 Bonn
Geschäftsführer: Oliver Brandt und Joscha Steinseifer (seit 1. Januar 2026)
Gründungsjahr: 1880
Internet: www.spedition-dueren.de

