Zwei Formen der Kreislaufwirtschaft

silver plastics denkt Verpackung neu

Seit 1967 produzieren knapp 180 Mitarbeiter auf 56.000 m² Betriebsfläche bis zu eine Milliarde Verpackungen pro Jahr.Wie können Kunststoffverpackungen nachhaltig sein? Wie definiert man Recycling? Und wie kann man Fleisch in zusammengepressten Tomatenstielen verpacken? Die Firma silver plastics in Troisdorf ist mit ihren 180 Mitarbeitenden an diesen Themen dran. Denn gerade in der Verpackungsindustrie spielt Nachhaltigkeit eine entscheidende Rolle.

Es rattert, es rauscht und brummt: Riesige Rollen aus Kunststoff laufen über ein Band und werden von einer Maschine in Form gebracht. Heraus kommt, was wir alle aus dem Supermarkt kennen: Kleine Schalen aus Kunststoff, in denen zum Beispiel Fleisch oder Obst verpackt sind. Rund eine Milliarde solcher Verpackungen stellt Silver Plastics pro Jahr her.

Dabei spielt die Art des Kunststoffs die entscheidende Rolle: „Nur PET, lässt sich langfristig immer wieder so aufbereiten, dass er gut recycelt werden kann und sich im Lebensmittelbereich für einen geschlossenen Produkt-Kreislauf eignet“,  sagt Sebastian Kremer, CSO von silver plastics. Wenn es nicht zu stark mit Klebern  oder anderen Fremdmaterialien verunreinigt wird, kann es vollständig in den Kreislauf der Produktion zurückgeführt werden.

Fünf Millionen Euro Invest, vier Etagen hoch und bestückt mit modernster Technik. Die neue PET-Extrusionsanlage gebaut von der Firma Reifenhäuser.Keine Schale ist auch keine Alternative

Vielleicht wäre es umweltschonender, keine Kunststoffschalen herzustellen. Aber was ist die Alternative, fragt Kremer. „Unsere Verpackungen schützen die Ware, machen sie transportfähig und haltbar. Wenn das Fleisch verdirbt, weil es nicht gut verpackt ist, nutzt das der Umwelt wenig. Denn der CO2-Fußabdruck eines Kilos Rindfleisch (36.000 Gramm) ist ungleich größer als der einer PP-Schale (84 Gramm). In Deutschland werden weit mehr als 80 Prozent des Fleisches in Plastikschalen vorverpackt, mehr als in jedem anderen europäischen Land. Der Grund dafür ist, dass die meisten Verbraucherinnen und Verbraucher ihr Fleisch in Supermärkten und Discountern kaufen.

Von der Natur zurück zur Natur – Golden Fibres-Schalen bestehen bis zu 100 Prozent aus natürlichen Fasern.Zurzeit stellt silver plastics auch noch Schalen aus anderen Kunststoffen her: Aus Polypropylen (PP) das beispielsweise auch für Einweg-Getränkebecher verwendet wird oder auch aus extrudiertem Polystyrol (XPS), wie es in vielen ToGo-Packungen genutzt wird. Der Weg führt aber ganz klar hin zu PET, so dass silver plastics kürzlich knapp fünf Millionen Euro in eine neue Maschine investiert hat. Sie erstreckt sich in einer riesigen Halle über vier Ebenen und dient der Extrusion von Rezyklat. Das Kunststoff-Rezyklat, kleine und möglichst sortenreine Flakes, werden darin wie in einem Fleischwolf verarbeitet. So wird aus dem Granulat eine Folie. Es wird aufgerieben, aufgeweicht und dann verarbeitet, so dass man es in Formen pressen kann. Produktionsabfälle werden wieder aufbereitet und gelangen zurück in den Prozess.

Kunden sollten auf Monoverpackungen achten

Damit solche Plastikschalen nachhaltig sind, müssen viele Beteiligte an einem Strang ziehen. silver plastics liefert so genannte Monoverpackungen an Betriebe, die Fleisch und Gemüse abfüllen. Wie die mit Etiketten, Druckfarben und Überzug-Folien arbeiten, bleibt letzten Endes ihnen überlassen. Aber es gibt einen stetigen Austausch, so Kremer: „In jedem unserer Gespräche geht es um Nachhaltigkeit. Natürlich spielt auf allen Ebenen aber auch der ökonomische Aspekt eine Rolle.“ Viele Lebensmittel-Ketten würden sich daher gegen besseres Wissen eher für Greenwashing als für echte Nachhaltigkeit entscheiden, so der Marketing-Experte weiter. Bei Verbundstoffen haben aber die Anlagen für Müllsortierung Probleme, die Materialien richtig zuzuordnen. Ideal ist es also, wenn die PET-Schale auch als PET-Schale erkennbar bleibt.

Sebastian Kremer, CSO von Silver PlasticsEchtes Recycling ist für Kremer nur, wenn aus Schalen wieder Schalen entstehen. Wenn es im zweiten Schritt schon Koffer oder Parkbänke sind, spricht er konsequent von „Downcycling“. Das sei nicht schlecht, aber eben auch nicht optimal. Für die Kreislaufwirtschaft bei Fleischverpackungen hat Silver Plastics zwei Systeme entwickelt:

Zwei Ideen zur Kreislaufwirtschaft

Die so genannte Capirella-Schale besteht aus rPET und hat einen besonderen Clou: Im Gegensatz zu üblichen Kunststoff-Schalen braucht sie keine Saugeinlagen, Kleber oder Polyethylen-Kunststoff (PE) Beschichtungen Die Capirella-Schale kann durch ihren Reliefrand auch ohne Kleber verschlossen werden.und ist somit Mono-PET. Sie hat einen Kapillarboden und einen patentierten Refliefrand. So kann die Schale auch ohne Kleber verschlossen werden. Die Erfindung hat 2020 den Innovationspreis „Rheinland Genial“ bekommen.

Die zweite Erfindung ist noch bahnbrechender: Die Golden Fibres-Schalen bestehen zu 100 Prozent aus natürlichen Fasern. Das sind, je nach Standort, auch verschiedene Abfallprodukte aus der Landwirtschaft: Tomatenstängel, Weizenstroh oder Weinreben. Die Verpackung löst sich nach dem Gebrauch in einem natürlichen Prozess auf. Von der Natur zurück zur Natur. Als Schale leistet sie trotzdem zuverlässige Dienste, da sie durch die Extrusion einen ähnlichen Herstellungsprozess durchläuft wie die Kunststoffe. „Das Prinzip hat ein Startup in Hamburg vor zwei Jahren entwickelt“, so Sebastian Kremer. „Die Herstellung läuft jetzt an. Und ich denke, in fünf bis zehn Jahren werden ein großer Teil unserer Schalen Faser-basiert sein.“

Für die Erfindung der Capirella-Schale hat Silver Plastics 2020 den Innovationspreis ,,Rheinland Genial" bekommen.Nachhaltigkeit nach außen und nach innen

Auch die Nachhaltigkeit innerhalb des Unternehmens ist dem CSO wichtig: Die Schreibtische sind nahezu papierfrei, in jedem Raum gibt es Bewegungsmelder und viele Mitarbeitende kommen mit dem Jobrad. Die Firmenautos haben größten Teils einen Elektromotor oder sind hybrid und die Mitarbeiter werden auf Nachhaltigkeit und Müllvermeidung geschult. Nur vor der Investition in Photovoltaik schreckt das Unternehmen bisher zurück. „Das können wir im Moment finanziell nicht stemmen. Denn seit Corona hat die Sicherheit in unserer Branche enorm abgenommen: Die Abfüller und Einzelhändler halten in ihren Lagern nur noch das Nötigste vor. Keiner weiß, was kommt, was vielleicht bald verboten wird.“

Auch in der hauseigenen Spedition Troilog, die direkt nebenan ist, können die Disponenten nur bedingt auf Nachhaltigkeit achten. Denn wenn Waren durch innovative Lastwagen-Antriebe teurer würden, werde der Einzelhandel das sicherlich nicht mitmachen, ist Kremer sicher. Uns ist es aber wichtig, auch für unsere Mitarbeitenden ein zuverlässiger Arbeitgeber zu sein. Viele Menschen sind schon seit 30 oder 40 Jahren bei uns. Daher muss sich die Nachhaltigkeit zwischen Ökologie, Ökonomie und sozialen Aspekten immer die Waage halten.