Nachfolge: „Fangt früh an und sucht euch externe Beratung!“

Manometer Preiss EMPEO GmbH

Diesen Rat gibt Unternehmensnachfolger Andreas Bondza. Er weiß, wovon er spricht: Die Nachfolgegeschichte seines Unternehmens in St. Augustin war von Hindernissen durchzogen. Dabei hat Bondza mit Druck berufliche Erfahrung: Die Manometer Preiss Empeo GmbH ist der einzige deutsche Hersteller von Messing-Manometern, also Druckmessgeräten. Heute führt er den Betrieb in zweiter Generation.

Die Unternehmensgeschichte von Empeo hat nichts mit einem landläufigen Familienbetrieb zu tun, in dem sich die Generationen in der Leitung eines erfolgreichen Betriebs abwechseln. Aber die Geschichte steht für eine Menge guter Entscheidungen und auch für manche Extrameile.

Der Betrieb wurde 1926 in Sachsen gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Empeo nach Bonn, wo die Gründerfamilie das Unternehmen bis in die 1980er-Jahre führte. Parallel dazu beginnt die Geschichte der Familie Bondza, die in den 1980er-Jahren von Polen nach Deutschland kamen. Der Vater startete als Hilfsarbeiter bei Empeo. Andreas Bondza wuchs bei der Mutter auf und absolvierte nach der Schule eine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker bei Kautex in Bonn. 

Was sein Vater währenddessen bei Empeo erlebte, gleicht fast einem Märchen: Aus dem Hilfsarbeiter wurde im Laufe der Jahre der Produktionsleiter. Schließlich machte er sich selbstständig und betrieb eine eigene Werkstatt: Die KBM-Messgeräte. Als Empeo unter einer neuen Leitung in Schieflage geriet, kaufte er das Unternehmen und stellte es komplett neu auf. Gesucht wurde ein neuer Produktionsleiter – dies war der Moment, in dem Andreas Bondza 2004 bei Empeo einstieg.

Finanzierung mit Hindernissen

„Wir haben gut zusammengearbeitet, aber irgendwann kam das Thema Übernahme auf den Tisch“, erzählt Andreas Bondza. „Mein Vater war Ende Fünfzig, als wir das dann beschlossen haben. Von Anfang an war klar: Wenn ich übernehme, habe ich auch die komplette Verantwortung.“ Ganz so schnell ging es dann doch nicht. Andreas Bondza hatte viele Ideen, wie er das Unternehmen zukunftsfest aufstellen wollte. „Mein Vater hatte bereits wichtige Entscheidungen getroffen. Zum Beispiel hat er sich von den großen Kunden getrennt, um das Risiko bei einem Ausfall breiter zu streuen. Das handhabe ich genauso.“

Das neue Konzept des Nachfolgers umfasste eine Änderung der Gesellschaftsform von der OHG zur GmbH, Prozessoptimierungen, neue Strukturen und Digitalisierungsmaßnahmen, um den Betrieb profitabler zu gestalten. Dafür und für den Kauf des Unternehmens brauchte Andreas Bondza Geld. Die Verhandlungen mit einer Bank verliefen zunächst hoffnungsvoll: Das Konzept überzeugte und der Kauf des Unternehmens wurde konkret. 

Allerdings war die Zusage der Bank nur von kurzer Dauer – sie zog schließlich ganz überraschend zurück. „Die Suche nach einem neuen Geldgeber war extrem schwierig“, erinnert sich Bondza. Erst acht Monate später konnte mit der Kreissparkasse und der Bürgschaftsbank eine neue Vereinbarung getroffen werden. „So musste mein Vater insgesamt ein Jahr auf sein Geld warten und auch die Investitionen lagen auf Eis“, sagt er. So wollte Bondza beispielsweise mehr Annehmlichkeiten für die rund 25 Mitarbeitenden im Mindestlohnsektor schaffen. Der neue Pausenraum mit

Küche und Profi-Kaffeemaschine gehört ebenso dazu wie die geänderte Unternehmenskultur. „Mein Vater wusste alles, war aber auch der Einzige im Betrieb, der diese Kenntnisse hatte. Ich delegiere viel mehr und habe eine andere Fehlerkultur eingeführt, bei der wir gemeinsam lernen“, meint Bondza.

Der Blick von außen hilft

Für den gesamten Prozess hätte sich der Unternehmensnachfolger im Nachhinein zu einem frühen Zeitpunkt einen externen Partner gewünscht. Bondza: „Wenn ich zwei Ratschläge für Familien im Nachfolgeprozess geben darf: Fangt frühzeitig an und sucht euch externe Beratung!“ Bei einer IHK-Veranstaltung zum Thema Nachfolge traf er den Unternehmensberater und Businesscoach Meinolph Engels, der ihn bei den abschließenden Schritten begleiten konnte.

Zu externer Begleitung rät auch Michael Pieck, als Gesamtbereichsleiter Unternehmensförderung bei der IHK Bonn für das Thema Unternehmensnachfolge zuständig. „Gerade bei familiären Nachfolgeprozessen ist ein Blick von außen unerlässlich“, sagt er. „Emotionale Verstrickungen sind bei den Verhandlungen kaum zu vermeiden und so entstehen Konflikte, die sich aus einer objektiveren Warte viel leichter lösen lassen. Schließlich sollen beide Generationen mit einem guten Ergebnis für die eigene Zukunft und die des Unternehmens aus dem Prozess herausgehen.“

Die IHK Bonn unterstützt mit zahlreichen Veranstaltungen und Informationen, unter anderem auch durch die Zusammenarbeit mit dem Verein „Die Nachfolgeexperten e.V.“ Das Engagement ist bitter nötig: Zwischen den Jahren 2024 und 2028 suchen rund 10.600 Unternehmen mit über 87.000 Arbeitsplätzen im Bezirk der IHK Bonn/Rhein-Sieg eine Nachfolge.

Neu aufgestellt

Direkt nach der Übernahme wurden bei Empeo auch tiefgreifende strukturelle Neuerungen dringend. Denn durch die Corona-Pandemie zogen neue Schwierigkeiten herauf. „Plötzlich waren die Lager leer, Vormaterialien waren nicht mehr zu bekommen, es gab teilweise bis zu zwei Jahre Lieferfrist“, so Bondza. Ein Großauftrag für israelische Krankenhäuser rettete die Lage. Als Konsequenz stellte das Unternehmen die Lieferantenketten um. Einiges kommt nun über die Zugverbindung der Seidenstraße zuverlässig aus Asien.

„Bis diese neuen Geschäftsbeziehungen standen und unsere Qualitätsmaßstäbe für einzelne Komponenten verlässlich umgesetzt wurden, verging bestimmt ein Jahr“, berichtet der Unternehmer. Neue Produkte wie digitale Manometer und die nach wie vor hohe Qualität des Traditionsmanometers „Made in Germany“ machen Empeo heute zu einem stabilen Produktionsbetrieb.

„Besonders im arabischen Raum hat ‚Made in Germany‘ einen hohen Stellenwert. Die ultramodernen Malls in Dubai setzen beispielsweise bei Heiz- oder Klimaanlagen Manometer aus St. Augustin ein“, weiß Andreas Bondza. Für die Qualität im Betrieb sorgen die rund 25 Mitarbeitenden. Die hundertjährige Unternehmensgeschichte kann unter modernen Bedingungen weitergeschrieben werden: Denn Druckmessgeräte bleiben einfach zeitlos.

Dr. Susanne Hartmann, freie Journalistin, Köln

MANOMETER PREISS EMPEO GMBH
Standort: St. Augustin
Geschäftsführer: Andreas Bondza
Gründungsjahr: 1926
Beschäftigte: 25
Internet: www.empeo.de