Engagement für die Kultur

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Der Kultur eine Perspektive geben – nicht wenige Unternehmen in der Region Bonn/Rhein-Sieg haben sich das gerade in Coronazeiten auf die Fahnen geschrieben. Fünf Beispiele, die zur Nachahmung anregen.

Jürgen Pütz, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Köln Bonn eG„Wenn nicht jetzt, wann dann?“, fragt Jürgen Pütz, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Köln Bonn eG. Und erklärt: „Genossenschaften waren schon immer auch Nothilfe-Einrichtungen. Vom Gründervater Friedrich Wilhelm Raiffeisen ist das Zitat überliefert ‚Was den Einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele...‘.

Und genau das tun wir jetzt auch wieder, nämlich in der Coronakrise Hilfe leisten.“ Und das in beträchtlicher Höhe: Vor wenigen Wochen vergab die Stiftung „miteinander-füreinander“ der Volksbank insgesamt 230.000 Euro an große und kleine Kulturinitiativen in ihrem Geschäftsgebiet.

Rund 50 Anträge waren bei der Genossenschaftsbank eingegangen, nachdem sie im Dezember eine Spendenoffensive für in Not geratene Kulturschaffende angekündigt hatte. Aus der Bonner Kultur-, Kunst-, Literatur- und Musikszene hatten sich Chöre, Kindertheater, Museen und überregional bekannte Bühnen wie das Pantheon, das Contra-Kreis-Theater und das Kleine Theater Bad Godesberg gemeldet.

Die Nachfrage sei riesengroß gewesen, teilte die Volksbank im Januar mit, sodass man die ursprünglich zugesagten 150.000 Euro um weitere 80.000 Euro aufgestockt habe.

„Wir stellen fest, dass wir mit dieser solidarischen Hilfe genau richtig liegen“, sagte Pütz im Januar bei der exemplarischen Übergabe der Schecks an einige Kulturinstitutionen. „Kultur ist mehr als Luxus und Zeitvertreib. Sie ist Wirtschaftsfaktor mit enormer sozialer Bedeutung. Sie ist Arbeitgeber und wichtiges Element der regionalen Entwicklung“, betonte der Volksbank-Chef.

„Konzerte sind ein Lichtstrahl der Hoffnung“

Die Volksbank Köln Bonn ist nicht das einzige Unternehmen in der Region, das einen Beitrag zum Erhalt der kulturellen Vielfalt leisten möchte. Wie in unserer Titelgeschichte „Kreativ durch die Krise“ zu lesen ist, konnten beispielsweise die Macher der „BonnLive“-Konzerte die Deutsche Post DHL, Rewe, WetterOnline, die Sparkasse KölnBonn sowie das IT-Systemhaus Bechtle als Sponsoren gewinnen.

Monika Schaller, Leiterin Konzernkommunikation, Nachhaltigkeit & Marke bei der Deutsche Post DHL GroupFür Monika Schaller, Leiterin Konzernkommunikation, Nachhaltigkeit & Marke bei der Deutsche Post DHL Group, ist klar: „Gerade jetzt im zweiten Teil-Lockdown in der dunklen Jahreszeit sind Konzerte ein Lichtstrahl der Hoffnung. Kultur lässt uns leben und ist elementar wichtig für den Zusammenhalt in der Gesellschaft“, sagte sie im November.

Philipp Schindera, Leiter Unternehmenskommunikation Deutsche TelekomAuch die Telekom reagierte auf die gegenwärtige Krise der Kulturlandschaft. Ein Beispiel: Der Konzern unterstützt bereits seit 2004 das Junge Theater Bonn (JTB). Dessen „Erfolgsgeschichte wurde Mitte März jäh unterbrochen“, teilte die Telekom im April 2020 mit, deshalb habe man dem Theater bereits vorzeitig die Verlängerung und Erweiterung der Zusammenarbeit bis 2024 zugesagt.

„Die bisher von der Telekom finanzierten Angebote des JTB können somit fortgesetzt werden“, ließ der Magentakonzern wissen. „Wir freuen uns, die langjährige, sehr gute Zusammenarbeit fortführen zu können. Mit der Verlängerung und Ausweitung der Zusammenarbeit wollen wir dazu beitragen, dass das JTB diese schwierige Zeit übersteht“, sagte Philipp Schindera, Leiter Unternehmenskommunikation Deutsche Telekom.

„Kulturelles Leben auch in Krisenzeiten erhalten“

Waldemar Zgrzebski, Geschäftsführer des Bechtle-IT-Systemhaus Bonn/Köln Das Bechtle-IT-Systemhaus Bonn/Köln hat sein Engagement ebenfalls ausgeweitet. Das Unternehmen ist seit vielen Jahren als Sponsor im Bereich Kultur unterwegs und fördern Initiativen und Einrichtungen wie das Beethovenfest, das Jazzfest und das Beethoven-Haus.

„Die Coronakrise hat die Art der Unterstützung im vergangenen Jahr verändert“, berichtet Geschäftsführer Waldemar Zgrzebski. „Neben einer Weihnachtsspende an das Beethoven-Haus haben wir spontan die alternativen Angebote der Initiative ‚BonnLive‘ finanziell begleitet.“ Sowohl der „Kulturstream“ profitierte davon als auch der „Kulturgarten“. „Auch diesen Ansatz, kulturelles Leben auch in Krisenzeiten zu erhalten, haben wir als Sponsor begleitet“, betont Zgrzebski.

Ungewöhnlich ist das Engagement von Knut Vanmarcke und Dirk Vossberg-Vanmarcke – oder richtiger: ihres Publikums. Eigentlich könnten die beiden Geschäftsführer der Malentes Theater Palast GmbH und ihr Team in diesen Zeiten selbst Unterstützung gebrauchen. Denn der Spielbetrieb muss seit Monaten pausieren. Auch die Karnevalsshow „Happy Konfetti“ musste ausfallen.

Foto: Barbara FrommannSpendenübergabe

Im Januar stifteten die Betreiber des Theater-Palastes an der Godesberger Allee deshalb die Einnahmen der restlos ausverkauften Vorstellungen für einen guten Zweck.

Die beiden Organisationen „Dat Bönnsche Hätz“ und „Bunter Kreis Rheinland“, die sich für schwerkranke Kinder einsetzen, erhielten die Einnahmen aus dem Vorverkauf für die Show.

Statt regulärer Tickets hatten die Interessenten „jecke Optionsscheine“ im Gegenwert von einem Euro erhalten, die zum jeweiligen Vorstellungstermin in Karten getauscht werden sollten – mit dem Hinweis, dass der Betrag gespendet würde, falls die Vorstellungen abgesagt werden müssten. Auf diese Weise kamen 1.500 Euro zusammen, die die beiden Theatermacher nun weiterreichten.

Lothar Schmitz, freier Journalist Bonn