Zwei Agenturen, zwei Herangehensweisen

Viele Unternehmen wollen zwar in digitale Werbung investieren, haben selbst aber keine Zeit oder nicht die passenden Fähigkeiten für die Umsetzung. Dann können sie die Hilfe von Freiberuflern oder Agenturen in Anspruch nehmen. Entweder zur Beratung für einzelne Schritte oder auch für das gesamte Vorhaben. Wie unterschiedlich die Angebote am Markt sind, zeigen wir Ihnen hier in zwei Beispielen.

 

Werbeagentur Maas (Bad Honnef): Klassisch-digitaler Mix
Ingo Maas berät mit seiner gleichnamigen Werbeagentur seit 1990 Unternehmen unterschiedlicher Branchen, VerbändeDigitales Marketing sollte Agenturchef Ingo Maas zufolge immer nur ein Teil der gesamten Marketingstrategie sein, wenn auch einer mit stetig wachsender Bedeutung. Er rät den Unternehmen, alles aus einem Guss zu machen: Das Corporate Design sollte von der Geschäftsausstattung über Printmedien bis hin zu einer professionellen Website des Unternehmens einheitlich sein. Das gilt natürlich auch für die Social Media-Plattformen: Profilbild, Überschriften, Bilder- und Filmsprache sowie die Tonalität der Texte und Beiträge sollten die Corporate Identity des Unternehmens perfekt widerspiegeln. 
Für wen digitales Marketing geeignet ist, ist für Ingo Maas sehr stark branchen- und produktabhängig: „Es ist auf jeden Fall gut, wenn es um komplexe Inhalte geht oder um Dinge, die auch in der digitalen Welt funktionieren. Wenn ich für einen Mittelständler eine Marketing-Kampagne für mehrere zehntausend Euro plane, dann macht es in der Regel keinen Sinn, das ausschließlich über digitale Medien zu machen.“ Natürlich könnten Leute aus dem eigenen Unternehmen die Betreuung der Social Media-Kanäle übernehmen, eventuell betreut von einem externen Berater. Die meisten unterschätzten aber, wie viel Arbeit das sei, so Maas. Die Wirksamkeit dieser Kanäle hingegen werde manchmal überschätzt.
Maas, der seine Agentur seit gut 25 Jahren betreibt, legt großen Wert auf die räumliche Nähe zu seinen Kunden. Die Werbeagentur Maas betreut fast ausschließlich mittelständische Unternehmen, Verbände und Institutionen in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis. Am Anfang steht ein persönliches Gespräch oder ein Besuch vor Ort. Und wenn die Vertrauensgrundlage da und ein passender Budgetrahmen definiert ist, kann man gemeinsam planen. Am liebsten klassisch-digital in einem gesunden Verhältnis.

 

Bonn.digital (Bonn): Sascha Foerster und Johannes Mirus
Die beiden Geschäftsführer haben ihr Unternehmen vor fünf Jahren gegründet. Mittlerweile beschäftigen sie drei Mitarbeiterinnen und haben trotz der Corona-Zeit viele Neuaufträge. „Bei unserer Dienstleistung geht es gar nicht so sehr um Werbung, sondern in erster Linie um Kommunikation mit digitalen Medien“, sagt Sascha Foerster. So habe man viel mehr Möglichkeiten, als nur etwas an Kunden zu verkaufen. Bonn.digital bietet Social Media-Beratung, Community-Management und digitale Events an. Zusätzlich betreiben sie lokale Plattformen wie das Bonn.wiki oder Bonn.market.
Wer als Unternehmen früh genug angefangen hat, sich eine Community in den Sozialen Medien aufzubauen, konnte während Corona davon profitieren. „Wenn die Kommunikation einmal läuft, geben einem die Leute Tipps, sie formulieren Erwartungen, an diesem Feedback kann ein Unternehmen wachsen“, erklärt Johannes Mirus. Aber wie baut man solche Communities auf? Indem die Posts authentisch auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen und zugehört wird, so Foerster. Man könne aber auch Webinare machen, den Kunden Fragen beantworten. Oder man geht in Diskussionsforen und bringt dort sein Fachwissen auf Augenhöhe ein, und kommuniziert dort, wo die Zielgruppen bereits sind.
Für Sascha Foerster und Johannes Mirus von Bonn.digital geht es um KommunikationWichtig sei es auch, im Netz gut auffindbar zu sein. Dafür sollte nicht nur die eigene Website perfekt sein. Man darf sich auch mal selbst in den Suchmaschinen suchen und schauen, auf welchen Plattformen man gefunden und verlinkt wird, oder sich aktiv auf Community-Plattformen beteiligen, wie beispielsweise Wikipedia, wenn man Experte zu einem Thema ist.  Suchmaschinen ranken die Inhalte der Homepage höher, wenn diese auf anderen hochwertigen Seiten verlinkt werden, auch Signale aus sozialen Medien spielen eine Rolle. Um auch in den sozialen Medien gut gefunden zu werden, muss man die Bilder und Texte der Seite optimieren, vor allem, was die Linkvorschau betrifft.
Über die Darstellung in den Sozialen Meiden sollte das ganze Team gemeinsam nachdenken, empfiehlt Mirus. Die Mitarbeiter sind die Kern-Community und können gut entscheiden, was sie selbst ansprechen oder vielleicht auch langweilen würde. Sie kennen die Kunden und die Lieferanten und werden so zu den idealen Influencern für die eigene Firma. Genau durch diese Authentizität kann man sich von Mitbewerbern absetzen und sich mit Partnern bessern vernetzen, sind sich die beiden Gründer von Bonn.digital sicher.

Von Marion Theisen, freie Journalistin, Bonn