Studie „Vitale Innenstädte“ 2020

Drei Fragen an Nicolaus Sondermann

Das Institut für Handelsforschung (IFH) Köln hat im vergangenen Jahr zum vierten Mal deutsche Innenstädte genau unter die Lupe genommen. Knapp 60.000 Passanten in 107 Städten hat das IFH im Oktober befragt. Diesmal waren aus unserer Region sowohl Bonn als auch Rheinbach dabei. Nicolaus Sondermann ist einer der Autoren und fasst für uns die wichtigsten Punkte zusammen.

IHK: Was macht unsere Innenstädte für die Kunden attraktiv?

Nicolaus Sondermann: Das Haupt-Besuchsmotiv für die Leute ist der Handel. Direkt auf Platz zwei kommt die Gastronomie. Der Mix macht’s, zeigt unsere Studie. Am häufigsten stimmten die Passanten in Bezug auf die Innenstadt der Aussage zu, sie sei „ein Ort zum Wohlfühlen und Leute treffen“ (84 Prozent). Direkt gefolgt von „ein Ort zum Bummeln und Shoppen“ (77 Prozent) und „ein Ort zum Ausgehen“ (76 Prozent). Die Grundstimmung bei den Kunden ist sehr positiv, und man spürt eine große Sehnsucht nach der alten Normalität.

Wenn die Innenstädte diese Wünsche bedienen, werden sie auch weiterhin lebendig bleiben. Das kann aber nicht der Handel alleine schaffen. Es braucht Gesamtkonzepte aus Handel, Gastronomie, Veranstaltungen und auch touristischen Angeboten. Die aktuelle Studie hat noch einmal sehr klar gezeigt, dass die  Städte mit touristischem Hintergrund besonders gut bewertet werden.

IHK: Was können die Händler tun, um mit den digitalen Angeboten Schritt zu halten?

Nicolaus Sondermann: In unserem Corona-Fragenpaket wurde sehr deutlich, dass viele Kunden nun verstärkt digital einkaufen. Für kleine und mittelständische Händler, die sich da bisher nicht positioniert haben, ist das natürlich eine Herausforderung. Sie dürfen diesen Zug nicht verpassen und sollten unbedingt eine Lösung finden, auch online Umsatz zu machen. Gerade für kleinere Händler hat es sich bewährt, sich zum Aufbau eines Online-Vertriebssystems mit anderen zusammenzutun. Die IHKs und Einzelhandelsverbände bieten dafür gute Beratung und Unterstützung an.

Während die jüngeren Kunden auf Online-Angebote und Interaktion setzen, informieren die älteren sich auch weiterhin gern vor Ort oder in Print-Ausgaben. Für die Händler heißt das, dass sie auf allen Kanälen aktiv bleiben müssen.

IHK: Was glauben Sie, wo die deutschen Innenstädte 2030 stehen?

Nicolaus Sondermann: In großen Städten wie Köln und Bonn, aber auch in attraktiven Mittelzentren wie Siegburg wird es die Fußgängerzonen auch weiterhin geben. Dort gibt es die Stadtverwaltungen, touristische Sehenswürdigkeiten und häufige Events. Viele Kunden bringen in diesen Regionen eine große Kaufkraft mit, auch das ist entscheidend. Für kleinere Städte in Randlagen zu Großstädten mit wenig ausgeprägtem Angebot und Infrastruktur kann es in zehn Jahren aber schon eng werden.

Die Studie zeigt, dass die Städte, die auf Erlebnis setzen, insgesamt positiver bewertet werden. Die Herausforderung ist also, dauerhaft mehr zu bieten und das auch nach außen zu vermarkten. Dazu braucht es gute Abstimmungen und regelmäßige runde Tische mit allen Beteiligten: den IHKs, den Einzelhandelsverbänden, Werbegemeinschaften und Investorengruppen.

Studie „Vitale Innenstädte“ – Ergebnisse für Bonn

Bonn bekommt von den Kunden die Schulnote 2,2 für seine Innenstadt. Deutlich besser als andere Städte dieser Größe; hier liegt der Durchschnitt bei 2,6. Verbesserungen wünschen sich die Bürger nur in den Themenfeldern „Erlebniswert“ und „Aufenthaltsqualität“. Darunter fallen zum Beispiel Sitzgelegenheiten, Begrünung und Sport- oder Spielgeräte.

Beim Einzelhandel gab es vor allem gute Noten für Textilien, Schuhe, Schmuck und Unterhaltungselektronik. In den Bereichen Büro, Sport/Hobby und Lebensmittel bekam Bonn von vielen Passanten nur ein „befriedigend“. Der überwiegende Grund zum Besuch der Bonner Innenstadt ist das Einkaufen. Samstags ist der zweitwichtigste Anlass der Besuch der Gastronomie, donnerstags ist dieser „Behördengang, Arztbesuch, Arbeiten“.

Auf die Frage nach Veränderungen des Einkaufsverhaltens aufgrund des Onlinehandels antworteten 55,3 Prozent der Befragten „Ich kaufe zwar online ein, aber besuche diese Innenstadt zum Einkauf unverändert häufig“.

 

Studie „Vitale Innenstädte“ – Ergebnisse für Rheinbach

Rheinbach schneidet mit seinen vielen inhabergeführten Läden gut ab: Die Kunden bewerten die Innenstadt mit der Schulnote 2,5. Wichtig zu wissen ist dabei, dass Rheinbach mit 27.000 Einwohnern sich mit Städten zwischen 25.000 und 50.000 Einwohnern misst.

Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungs-Angebot schätzen die Kunden hier jeweils positiver ein als im Durchschnitt dieser Ortsgröße. Ebenso das Flair, das durch die Gebäude und Fassaden entsteht. In puncto Sauberkeit schneidet die Stadt leicht unterdurchschnittlich ab. Die Erreichbarkeit mit dem Fahrrad und mit öffentlichen Verkehrsmitteln wird eher gut bewertet, die Parkmöglichkeiten eher schlecht.

Auch die Vielfalt im Einzelhandel bringt Rheinbach Punkte: Vor allem in den Bereichen Schuhe, Schmuck und Apotheken. 94 Prozent der Befragten freuen sich über Rheinbach als „Ort der kurzen Wege“.