„Einfach ins Machen kommen!“

Interview mit Thomas Oster, Projektmanager bei NRW.BANK.Innovationspartner

Projektmanager Thomas OsterProjektmanager Thomas OsterAls Projektmanager beim NRW.BANK.Innovationspartner, einem landesweiten Netzwerk der Förderbank für Nordrhein-Westfalen, ist Thomas Oster im täglichen Austausch mit KMU. Er organisiert Workshops für den Mittelstand und erlebt dabei, wie sich Betriebe erfolgreich neu ausrichten, aber hört auch die Zweifel und Unsicherheiten. Wir haben ihn gefragt, was die Betriebe gegenwärtig beschäftigt.

Wenn Sie mit Mittelständlern sprechen – was treibt die Leute gerade um?

Viele spüren den steigenden Wettbewerbsdruck und wie rasant sich Märkte verändern. Deshalb suchen sie nach neuen Lösungen. Zwei Hebel stehen immer wieder im Mittelpunkt: KI und Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit eröffnet Marktchancen, etwa durch ressourcenschonende „grüne“ Alternativen für Produkte und Prozesse, weil Kunden dies zunehmend verlangen. Und bei KI geht es für viele darum, spürbar produktiver zu werden und sich damit einen Vorsprung im Wettbewerb zu erarbeiten.

Was hindert die Betriebe an der Umsetzung?

Oft ist es Perfektionismus – und der Reflex, zunächst Prozesse und Produkte weiter zu optimieren, anstatt Neues zu testen. Damit waren wir lange erfolgreich. Aber heute reicht Optimierung allein nicht mehr, weil sich Märkte schneller verändern. Viele wissen das. Doch fehlen oft die passenden Werkzeuge, um unter Unsicherheit schnell zu entscheiden.

Wie kann sich das ändern?

Indem man früh mit dem Kunden spricht – und nicht erst, wenn alles technisch perfekt ist. Diese Erfahrungen machen die Unternehmen in unseren Formaten. Statt intern lange an der perfekten Lösung zu feilen, arbeitet man in kurzen Schleifen: eine erste Variante bauen, mit Kunden testen, nachschärfen. Wichtig sind dabei Kundeninterviews, die zeigen: Was ist dem Kunden wirklich wichtig? Wofür ist er bereit zu zahlen? Genau diese Werkzeuge vermitteln wir in unseren Workshops.

Und wo liegen die Stärken der Unternehmen?

Wenn Mittelstand Prozessstärke mit neuen Technologien verbindet, entsteht neues Wachstum. Ich beobachte insbesondere im industriellen Mittelstand eine ausgeprägte Prozessstärke. Jetzt geht es darum, diese Fähigkeiten neu zu verorten, zum Beispiel durch die Verbindung mit KI. Hier sehe ich eine große Chance: KI braucht genau dieses Prozesswissen. Hier können wir mit unseren Hidden Champions Vorreiter im Bereich industrieller KI werden. Und wenn wir Digitalisierung konsequent weiterdenken, entstehtein ganzes Ökosystem: Auch Roboter etwa brauchen Zubehör und Zulieferer, die diesen Markt bedienen. Das ist nur ein Beispiel. Die Zukunft birgt viele Chancen. Jetzt kommt es darauf an, ins Machen zu kommen.

Wie helfen Ihre Workshop-Formate bei dieser Neuausrichtung?

Wir vom Netzwerk NRW.BANK.Innovationspartner bringen unter anderem Unternehmen und Hochschulen zusammen, um gemeinsam an Zukunftslösungen zu arbeiten. Das Format heißt MittelstandsMAKERTHON. Dabei bringen Unternehmen zunächst eine konkrete Herausforderung mit. Wir stellen mit unseren Partnern dann ein Team aus Studierenden der regionalen Hochschulen zusammen. Nach 72 Stunden hat das Unternehmen dann in der Regel ein tragfähiges Lösungskonzept in der Hand.

Neben dem MittelstandsMAKERTHON gibt es noch den MittelstandsINKUBATOR. In vier Monaten entwickeln die Betriebe ein marktfähiges Transformationsprojekt mit klaren Meilensteinen. Und dabei bleibt es nicht bei einem Einzelprojekt: Die Teams nehmen Routinen mit, damit das nächste Vorhaben schneller gelingt.

So machen Betriebe aus Innovation, Nachhaltigkeit und Digitalisierung konkrete Projekte. Entstehen im Zuge der Projektumsetzung bereits konkrete Investitionsbedarfe, kommen hierfür häufig Förderdarlehen der NRW.BANK oder passende Zuschüsse in Frage. Das verbessert die Umsetzungschancen der Vorhaben deutlich. Über geeignete Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten informieren und beraten wir deshalb schon während der Workshops.

Die Workshops finden mit mehreren unterschiedlichen Unternehmen statt. Gibt es da Bedenken, sich in einer Gruppe mit den eigenen Geschäftsstrategien zu öffnen?

Ich habe in den vergangenen Jahren hier einen klaren Mentalitätswandel erlebt: Die Unternehmen, die zu uns kommen, sprechen offen über ihre Problemstellungen. Der Grund ist simpel: Viele haben ähnliche Herausforderungen. Und gemeinsam kommt man schneller voran, weil man Erfahrungen, Lösungsansätze und Lernkurven teilt, anstatt alles allein neu zu erfinden. Daraus entsteht häufig sogar Zusammenarbeit über den Workshop hinaus.

Gemeinsam kommen Transformationsprojekte ins Rollen. Und genau dafür steht der NRW.BANK.Innovationspartner – gemeinsam mit Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern, Wirtschaftsförderungen, Hochschulen und weiteren Expertenclustern. Und diese Zusammenarbeit bauen wir mit der IHK Bonn/Rhein-Sieg jetzt gezielt aus.

Es gibt also trotz aller schlechten Prognosen Hoffnung für den Mittelstand?

Ein Unternehmer hat mir vor kurzem gesagt: „Ja, die Lage ist herausfordernd. Aber wir müssen auch die Chancen sehen – und sie ergreifen.“ Er nennt das Mutmacher-Entscheidungen. Das sind ganz konkrete Schritte wie zum Beispiel die Entscheidung, in eine neue Technologie zu investieren, die den Betrieb ein Stück weiter nach vorn bringt. Und das Entscheidende: Eine offene Kommunikation mit den Mitarbeitenden des Betriebs. Diesen Anpack sehe ich bei vielen Unternehmerinnen und Unternehmern, die an unseren Formaten teilnehmen. Das macht Mut. Denn unsere Stärken sind da. Wir müssen sie nur neu verknüpfen – und dann ins Machen kommen.

Das Interview führte Dr. Susanne Hartmann, freie Journalistin, Köln

NRW.BANK.Innovationpartner ist ein Netzwerk für den Mittelstand. Es bietet kostenfreie Workshops, Coachings und Netzwerkangebote. Darunter auch die im Interview angesprochenen Formate:

MittelstandsMAKERTHON: Unternehmen bringen eine konkrete Herausforderung mit, wir stellen mit unseren Partnern ein Team aus Studierenden der regionalen Hochschulen. Innovationsfachleute coachen die Teilnehmenden. Nach 72 Stunden hat das Unternehmen ein tragfähiges Lösungskonzept in der Hand.

MittelstandsINKUBATOR: In vier Monaten entwickeln die Betriebe ein marktfähiges Transformationsprojekt mit klaren Meilensteinen. Dabei lernen sie neue Methoden kennen und bauen Zukunftskompetenz auf. Kontakt und Anmeldung über www.nrwbank.de/de/unternehmen/nrw-bank-innovationspartner/