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Ob Marathon oder Kunst!Rasen, Karneval oder Wissenschaftskongress: In Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis stellen Tagungen, Kongresse und Veranstaltungen einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Auch wenn die Veranstaltungsstätten gut ausgelastet sind, ist das Geschäft schwieriger geworden.
Es vergeht kaum ein Tag, an dem in Bonn und im Rhein-Sieg- Kreis keine Veranstaltung stattfindet. Während diese Titelgeschichte entstand, lud zum Beispiel der Handelsverband Heimwerken Bauen Garten zum „BHB-Kongress 2025“ ins WCCB Bonn. Im Maritim Hotel Bonn tanzten 1.000 Menschen beim „Unterstützer-Ball der Bundeswehr“. Im Rhein-Sieg-Forum in Siegburg ging die „Höhner Weihnacht 2025“ über die Bühne, und der Kabarettist Urban Priol füllte die Stadthalle Troisdorf mit dem Jahresrückblick „TILT!“.
„Bonn ist ein attraktiver Tagungs- und Veranstaltungsstandort mit einer Vielzahl unterschiedlicher Veranstaltungsstätten“, heißt es vom Presseamt der Beethovenstadt. Ganz gleich mit welchem Betreiber man spricht: Die wichtigsten Veranstaltungsstätten in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis waren 2025 gut gebucht, und auch 2026 verspricht eine hohe Auslastung.
Die Vielzahl der Tagungen und Veranstaltungen sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Bonn und die Region. Von den jährlich über 2,9 Millionen Übernachtungen in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis (2024) entfallen viele auf dieses Segment. „Tagungen und Veranstaltungen sind der wichtigste Bereich innerhalb des Tourismussegments“, sagt Ulrich Keinath, der bis Ende Januar 2026 Interimsgeschäftsführer der Tourismus & Congress GmbH Region Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler (T&C) ist. Überhaupt würden Tourismus und Tagungen eng zusammengehören. „Es gibt in aller Regel bei jeder größeren Tagung einen fachlichen und einen Freizeitteil“, erklärt er. Teilnehmende übernachten häufig eine oder zwei Nächte, geben Geld in der Gastronomie aus, unternehmen manchmal auch Ausflüge in die Umgebung.
Ulrich Keinath, bis Ende Januar 2026 Interimsgeschäftsführer der Tourismus & Congress GmbH Region Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler (T&C)Es gibt verschiedene Untersuchungen darüber, wie viel Geld ein Tagungsgast in der Region ausgibt. Während eine Studie von etwa 190 Euro ausgeht, veranschlagt eine andere Erhebung bundesweit einen wirtschaftlichen Effekt von rund 280 Euro pro Tagungsgast und Tag. „Die Wirkung von Tagungen und Kongressen ist aber noch größer, denn die Zahlen berücksichtigen nicht den wirtschaftlichen Effekt, der durch die Beauftragung von Dienstleistern wie Caterern, Technikanbietern, Security, Reinigung etc. entsteht“, betont Keinath.
Wie das „Meeting- & EventBarometer Deutschland 2024/2025“ zeigt, bilden Unternehmen mit knapp 50 Prozent bundesweit die größte Kundengruppe bei Veranstaltungen. Verbände sind mit 14,6 Prozent zweitwichtigster Auftraggeber, gefolgt von öffentlichen Institutionen mit 11,3 Prozent. In Bonn dürfte die Gewichtung etwas anders ausfallen. „Wir haben eine starke Nachfrage von UN-Institutionen sowie dem Bund“, sagt etwa Andreas Ewald, Cluster Direktor Maritim Hotels und Direktor des Maritim Hotels Bonn. Das trifft auch auf andere hiesige Veranstaltungsstätten zu.
Andreas Ewald, Cluster Direktor Maritim Hotel und Direktor des Maritim Hotels in BonnDas Maritim Hotel spielt eine wichtige Rolle in der Bundesstadt. Es verfügt nicht nur über 410 Zimmer, sondern auch eine Konferenzfläche von fast 7.000 Quadratmetern, die sich auf elf Räume, drei Säle sowie den Ballsaal verteilt, der allein bis zu 2.600 Personen fasst. „Wir beherbergen Jahreshauptversammlungen und Betriebsratssitzungen, Parteitage und Konzerte, große Karnevalssitzungen und Fan-Messen“, erklärt Ewald. Was die Kombination aus Zimmer- und Tagungskapazitäten unter einem Dach betrifft, zähle man zu den fünf größten Häusern dieser Art in Deutschland.
Insgesamt gilt: „Bonn gehört nach wie vor zu den Top-10-Städten für Tagungen bundesweit“, berichtet Keinath von der T&C. Die Beethovenstadt habe einen exzellenten Ruf als Bundesund UN-Stadt, eine sehr attraktive Lage, große Veranstaltungsund Übernachtungskapazitäten und eine gute Infrastruktur. „Auch die beiden Dax-Konzerne und die Wissenschaftseinrichtungen üben eine hohe Anziehungskraft aus.“
Das trifft auch auf die beiden Kongresszentren in der Region zu: das World Conference Center Bonn (WCCB) und das RHEIN SIEG FORUM in Siegburg. Insgesamt bietet das WCCB eine Kapazität von bis zu 7.000 Plätzen. „Durch die Flexibilität des Gebäudes können wir Veranstaltungsformate in jeglicher Größe durchführen“, erklärt Ralf Birkner, seit einem Jahr Geschäftsführer der Bonn Conference Center Management GmbH (BonnCC). Diese betreibt im Auftrag der Bundesstadt Bonn das WCCB und die jüngst wieder eröffnete, sanierte Beethovenhalle (siehe dazu den Beitrag “Sie ist wieder da”).
Seit 2015 ist zusätzlich zum Plenargebäude das neue Hauptgebäude des WCCB in Betrieb, Kunden kommen aus ganz Deutschland sowie dem Ausland. Mit jedem Veranstalter schließt die BonnCC einen Veranstaltungsvertrag, der alle gewünschten Veranstaltungsdienstleistungen abdeckt, von den Sälen über die Medien- und Veranstaltungstechnik bis zu Sicherheit und Catering.
Frank Baake, Direktor RHEIN SIEG FORUMÄhnlich ist es im RHEIN SIEG FORUM, das 3.000 Plätze bietet (bestuhlt bis zu 1.700). Das Haus versteht sich als Event-Dienstleister für Kongress- und Kulturveranstalter. „Wir bieten Veranstaltern die komplette Organisation und können unsere Leistungen ganz an den Bedarf unserer Kundinnen und Kunden anpassen“, erklärt der langjährige Direktor Frank Baake.
Bis vor vier Jahren war die damalige „Rhein-Sieg-Halle“ eine typische Stadthalle mit breitem Veranstaltungsangebot. Hinzugekommen ist jedoch das Tagungs- und Kongressgeschäft. Dafür wurde die Halle zum Kongresszentrum umgebaut. „Kongresse mit etwa 100 bis 700 Personen sind zum wichtigsten Umsatzträger geworden“, berichtet Baake.
Die Nachfrage sei hoch, wegen des Ambiente und der modernen Konferenzausstattung, aber auch wegen des umfassenden Services und nicht zuletzt wegen der sehr guten Erreichbarkeit dank ICE-Bahnhof sowie Flughafen- und Autobahnanbindung. 2024 beispielsweise fanden über dreißig größere Tagungen und Kongresse im RHEIN SIEG FORUM statt, davon zwanzig mehrtägige. „Damit haben wir zirka 65 Tage mehr Auslastung erzielt als in den Jahren vor 2021“, sagt Baake. Schon nach zwei Jahren seien alle Planungen übertroffen worden.
Auch die Stadthalle Troisdorf ist mit rund 250 Veranstaltungstagen gut ausgelastet. In Bonn kommt das Brückenforum sogar auf 270 bis 280 Vermietungen pro Jahr. Das Spektrum reicht von Theaterveranstaltungen über Comedy und Kabarett bis zu Musik, von Märkten und Messen über Partys bis zum erfolgreichen „Mädelsflohmarkt“.
Ähnlich wie das Rhein-Sieg-Forum vor fünf Jahren weitet auch der Telekom Dome gerade sein Veranstaltungsgeschäft aus. „In einer gut laufenden Saison kommen wir auf 25 Heimspiele der Telekom Baskets, außerdem zahlreiche Trainingstage“, erzählt Simon Pallmann, Geschäftsführer der BonnBas GmbH, dem wirtschaftlichen Träger des prominenten Basketballclubs und Eigentümer der 6.000 Plätze fassenden Halle. „Wir möchten die Halle verstärkt für andere Veranstaltungen öffnen, die Nachfrage ist hoch.“
Simon Pallmann, Geschäftsführer der BonnBas GmbHMit der 2025 gegründeten Dome Events & Services GmbH wird das Veranstaltungssegment nun gebündelt und professionalisiert. Zugleich soll eine zweite, kleinere Halle für den Trainingsbetrieb entstehen. „Damit werden Kapazitäten im Telekom Dome frei“, sagt Geschäftsführer Frederik Buballa. Schon jetzt fänden dort Erfolgsformate wie „Bonn steht Kopp“ und das Mitsing-Konzert „Bonn singt Weihnachtslieder“ statt, künftig solle es noch viel mehr Events, Messen und Tagungen geben.
Die Region Bonn/Rhein-Sieg ist also als Veranstaltungsort gefragt. Und doch ist das Geschäft schwieriger geworden, sagen alle Gesprächspartner. „Bei Tagungen ist die Veranstaltungsdauer insgesamt zurückgegangen, außerdem haben die Teilnehmenden stärker als bisher ihre Reisekosten im Blick“, berichtet T&C-Interimsgeschäftsführer Keinath. Auch die zunehmende Digitalisierung mache sich bemerkbar – Stichwort: Online-Veranstaltungen.
Simon Pallmann vom Telekom Dome beobachtet, dass sich viele Menschen wegen der anhaltenden Wirtschaftskrise in Deutschland beim Kartenkauf erst später festlegen als noch vor ein paar Jahren. „Für absolute Highlights sind sie weiterhin bereit, früh viel Geld auszugeben“, sagt er, „aber das Risiko, noch nicht etablierte Events wirtschaftlich durchzuführen, ist gestiegen, hier sind die Menschen zögerlich.“
Das wiederum macht es für Veranstalter schwieriger, zumal gleichzeitig die Kosten gestiegen sind. „Die Kosten sind in allen Bereichen seit der Pandemie explodiert – Künstlergagen, Produktions- und Personalkosten“, sagt Ernst-Ludwig Hartz, Geschäftsführer der ELHartz Promotion GmbH und „Kunst!Rasen“-Macher, in der aktuellen Folge des IHK-Podcasts #UNTERNEHMEN ZUKUNFT.
Jürgen Harder, Geschäftsführer Brückenforum GmbHJürgen Harder erlebt das ebenfalls. „Allein die Kosten für Gema- Gebühren und Security haben sich in den vergangenen Jahren verdoppelt.“ Dies führe dazu, dass die Veranstalter die Ticketpreise erhöhen müssten. Harder ist Geschäftsführer der Brückenforum GmbH, die das städtische Veranstaltungshaus am Rheinufer betreibt. Je nach Bestuhlung finden bis zu 1.100 Personen Platz. Wichtig ist die Halle nicht nur für überregionale Veranstalter, sondern zum Beispiel für Abschlussbälle von örtlichen Schulen und Tanzschulen, Bestenehrungen oder den Karneval. „Vergangenes Jahr hatten wir allein 18 große Karnevalsveranstaltungen“, erzählt Harder, der das Brückenforum 1988 ins Leben rief.
Auch den Mindestlohn und den Fachkräftemangel nennen Veranstalter und Betreiber als Gründe für steigende Kosten. Zunehmende Auflagen sind ein weiteres Problem. Die Folge: In Rheinbach beispielsweise finden die „Rheinbach Classics“ nicht mehr statt, in Bonn trifft es unter anderem „Jeck im Sunnesching“. Und überall in der Region stehen die Macher von Abibällen und kleineren Karnevalsveranstaltungen immer wieder vor der Frage, ob sich durch Kartenverkauf oder andere Einnahmequellen überhaupt noch die Ausgaben decken lassen.
Ralf Birkner, Geschäftsführer der Bonn Conference Center Management GmbH (Bonn CC)Auch beim WCCB registriert man einen Wandel im Buchungsverhalten. Zum Jahresende waren laut BonnCC-Geschäftsführer Birkner in früheren Jahren bereits rund 75 Prozent des Jahresumsatzes durch Vertragsabschlüsse fürs Folgejahr gesichert, darüber hinaus gab es 25 Prozent Optionierungen. Jetzt läge das Verhältnis eher bei 60:40. „Das Geschäft wird kurzfristiger“, sagt Birkner.
Sein Siegburger Kollege vom RHEIN SIEG FORUM bestätigt das: „Die Vorlaufzeit zwischen Anfrage und Veranstaltung ist deutlich kürzer geworden“, sagt Baake. Das erschwere es zuweilen, für Tagungen, Kongresse oder auch Firmenevents freie Wunschtermine zu finden. Er rät deshalb, Termine so früh wie möglich anzufragen.
Doch auch andere Entwicklungen sorgen für Herausforderungen im Veranstaltungsgeschäft. „Erreichbarkeit ist ein zentrales Kriterium, nach dem Kunden den Ort auswählen, an dem sie eine Tagung durchführen wollen“, erklärt Tourismusexperte Keinath. „In Zeiten regelmäßiger Streckensperrungen der Bahn und großer Sanierungsmaßnahmen bei Brücken wird es aber leider schwieriger, Bonn gut zu erreichen.“ Das könne sich auf das Veranstaltungsgeschäft negativ auswirken.
Das Veranstaltungsgeschäft in der Region wäre nur unvollständig beschrieben, ließe man die vielen Ereignisse im öffentlichen Raum unerwähnt. Das Spektrum reicht von den jährlichen Kunst!Rasen-Konzerten in der Rheinaue, für die vergangenen Sommer über 110.000 Tickets verkauft wurden, über jährliche Großereignisse wie den Deutsche Post Marathon oder das Green Juice Festival im Park Neu-Vilich.
Julian und Simon Reininger, Geschäftsführer fünfdrei eventagentur GmbH (v.l.)Letzteres stellen seit 2008 die Brüder Julian und Simon Reininger auf die Beine – in Blickweite ihres Elternhauses. Die Festivalfläche ist nach 18 Jahren immer noch dieselbe, sonst hat sich aber viel verändert. „Mit einem vierköpfigen Projektteam arbeiten wir im Grunde das ganze Jahr über am nächsten Festival“, erzählt Julian Reininger.
Aus zwei, drei Bands wurden rund 15 allein auf der Hauptbühne, insgesamt traten 2025 über 30 Künstlerinnen und Künstler auf. 12.500 Besuchende zählten die Veranstalter. Die Gesamtausgaben stiegen binnen zehn Jahren von mehreren zehntausend auf rund eine Million Euro – wegen des größeren Angebots, aber auch heftiger Kostensteigerungen, etwa bei Infrastruktur und Personal.
Das Ziel einer schwarzen Null schaffen die Macher trotzdem in der Regel – wenn das Wetter halbwegs mitspielt. Die Tickets sorgen dabei für die eine Hälfte der Einnahmen, Gastronomie und Sponsoring für die andere Hälfte. Eine schwarze Null reicht ihnen, denn neben dem Festival organisieren sie mit ihrer fünfdrei eventagentur GmbH mittlerweile deutschlandweit Firmenevents, die das eigentliche Kerngeschäft darstellen.
Eines der größten Ereignisse in der Region ist der Karneval. Auch wenn die fünfte Jahreszeit nur einige Wochen dauert: Der wirtschaftliche Effekt ist immens. Gefeiert wird auf den Straßen, in Sälen und Kneipen. Allein der Rosenmontagszug in Bonn zieht eine Viertelmillion Zuschauende an. Allein zur Sessionseröffnung am 11. November kamen 2.500 Menschen.
Marlies Stockhorst, Präsidentin des Festausschuss Bonner Karneval e.V.Der Festausschuss Bonner Karneval e. V. ließ vor einigen Jahren den Wirtschaftsfaktor Bonner Karneval berechnen. Demzufolge gab es in der Session 2014 durch den Karneval über 15 Millionen Euro an zusätzlichen Einnahmen in und für Bonn. Das Publikum konsumierte im Straßenkarneval für 2,5 Millionen Euro, im Sitzungskarneval für drei Millionen Euro. „Das ist zwölf Jahre her, Sie können nach unserer Schätzung mindestens 30 Prozent draufrechnen, dann haben Sie die heutigen Summen“, sagt Festausschuss-Präsidentin Marlies Stockhorst. Allerdings sind auch die Kosten stark gestiegen, insbesondere für Sicherheit.
Dieses Jahr feiert der Karneval in Bonn sein 200-jähriges Jubiläum. Und in zwei Jahren wird auch der Rosenmontagszug so alt. „Karneval ist ein jahrhundertealter Brauch“, betont Stockhorst, „und zugleich ein bedeutender Wirtschaftsfaktor im Hier und Jetzt.“ Zwar sei der Weg zu einer ausverkauften Sitzung steiniger geworden, beobachtet Bonns höchste Karnevalistin. Viele Vereine hätten mit den gestiegenen Kosten zu kämpfen, die man nur bedingt über die Eintrittspreise einfangen könne. „Aber die Tradition lebt“, sagt Stockhorst, „der Trend ist ungebrochen.“
Von Lothar Schmitz, freier Journalist, Bonn