Verkehrspolitische Positionen der IHK Bonn/Rhein-Sieg

Die Region Bonn/Rhein-Sieg ist Teil einer global vernetzten Volkswirtschaft. Von hier aus werden Produkte und Teile weltweit transportiert. Umgekehrt werden Unternehmen und Verbraucher mit Waren und Dienstleistungen versorgt. Es liegt auf der Hand, dass die Verkehrsinfrastruktur der Region eine unabdingbare Voraussetzung dafür ist, dass die hiesigen Unternehmen ihre Wertschöpfungsketten aufrecht erhalten können. Bonn/Rhein-Sieg steht hier in einem internationalen Standortwettbewerb. Nur wenn sie gut erreichbar sind – für ihre Lieferanten, Kunden und Arbeitnehmer – können die ansässigen Unternehmen mithalten. Brückensanierungen, Autobahnerneuerungen, Überlastungen und Staus zeigen bereits, dass es mit der Verkehrsinfrastruktur im IHK-Bezirk Bonn/Rhein-Sieg nicht zum Besten bestellt ist.

 

Deshalb müssen wir die Infrastruktur der einzelnen Verkehrsträger weiterhin erneuern, aber auch zukunftsfähig ausbauen und erweitern. Mit den vorliegenden Verkehrspolitischen Positionen zeigt die Industrie- und Handelskammer die wichtigsten regionalen Verkehrsprojekte auf. Werden sie umgesetzt, ist die Region für den künftigen globalen Wettbewerb gut aufgestellt.

 

Die durch die Vollversammlung der IHK Bonn/Rhein-Sieg beschlossenen Verkehrspolitischen Positionen finden Sie hieroder im Download-Bereich dieser Seite unter dem Dokument "Unternehmensstandort Bonn/Rhein-Sieg".

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Die Vollversammlung der IHK hat zudem am 17. November 2020 folgende ergänzende verkehrspolitische Positionen beschlossen:

Abgestimmtes Homeoffice / mobiles Arbeiten etablieren: Unternehmen und weitere Arbeitgeber in Bonn/Rhein-Sieg sollten nach Möglichkeit für jeden geeigneten Arbeitsplatz Tage für Homeoffice / mobiles Arbeiten ermöglichen und die Verteilung steuern, sodass während der Arbeitswoche täglich ein immer gleichbleibender Anteil der Arbeitnehmer von zu Hause aus arbeitet. Diese Maßnahme sollte im Dialog vereinbart werden. Dies führt zu einer dauerhaften Reduktion des Individualverkehrs auf der Straße, aber auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln und verringert die Belastung der Verkehrsinfrastruktur zu den Hauptverkehrszeiten.

Mobilstationen schaffen: Zentral gelegene Haltestellen des öffentlichen Verkehrs und bedeutsame Verkehrsknoten in Bonn/Rhein-Sieg müssen zu Mobilstationen ausgebaut werden. Diese müssen über ausreichend Park & Ride- und Bike & Ride-Anlagen, sowie Mobilitätssharing-Angebote verfügen, die einen Umstieg auf andere Mobilitätsformen ermöglichen.

Entkoppeltes Radwegenetz schaffen: In den Innenstädten sollten durchgehende Radwegenetze geschaffen werden, die von den Hauptverkehrsstraßen des motorisierten Individual-verkehrs größtenteils entkoppelt sind. Diese sollen die Sicherheit der Fahrradfahrer im Straßenverkehr erhöhen, die gegenseitige Belastung der Verkehrsformen verringern und nicht zu längeren Wegen für Fahrradfahrer führen. Hierzu zählen auch Radpendlerrouten zur Verbindung der Kommunen mit dem Umland.

Zusätzliche Rhein- und Gleisquerungen bauen: Es sollten eine zusätzliche Rheinquerung und zusätzliche Gleisquerungen für den Rad- und Fußverkehr im Bonner Stadtgebiet entlang der DB-Strecke geschaffen werden. Diese müssen in das entkoppelte Radwegenetz integriert werden und attraktiv genug sein, damit ein Umstieg auf das Fahrrad erfolgt.

Gewerbestandorte müssen gut erreichbar sein: Eine gute Anbindung von Gewerbestandorten an das Verkehrsnetz ist unabdingbar. Diese müssen, auch unter wirtschaftlichen Aspekten, gut erreichbar sein, ohne dass große Umwege gefahren werden müssen. Eine Benachteiligung bestimmter Verkehrsmittel darf es dabei nicht geben. Dies gilt für zukünftige Entwicklungen, sowie bestehende Standorte und ist u. a. bei Planungen zur Verkehrsberuhigung zu berücksichtigen.

Verkehrsprojekte umgehend planen und umsetzen: Einzelne Verkehrsprojekte sind ein Teil des Gesamtgefüges und erzeugen Abhängigkeiten in der Folgeplanung. Die Projekte sollten daher umgehend geplant und umgesetzt werden, so dass es zu möglichst geringen Einschränkungen für den Wirtschaftsverkehr kommt. Planungs- und baubedingte Verzögerungen sind insbesondere zu vermeiden, wenn hierdurch Ablastungen oder Sperrungen von Strecken die Folge sind.

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Die Vollversammlung der IHK hat zudem am 10. März 2021 folgende ergänzende verkehrspolitische Positionen beschlossen:

Tempo-30 erst nach Auswirkungsanalyse beraten: Tempo-30 sollte dort umgesetzt werden, wo es sinnvoll ist. Für die Planung und Umsetzung einer solchen Zone ist zuerst eine Verkehrsuntersuchung erforderlich, die die Auswirkungen auf das gesamte Netz darstellt und zudem Aussagen hinsichtlich Lärmverminderung, Verkehrsfluss, Stauanfälligkeit (auch in Nebenstraßen) und Emissionen trifft. Eine pauschale Einrichtung von flächendeckendem Tempo-30 ohne Voruntersuchung lehnt die IHK ab.

Parkraumbewirtschaftung – Wirtschaftsverkehr im Blick behalten: Eine flächendeckende Parkraumbewirtschaftung darf nicht mit einem wesentlichen Verlust an Parkraum einhergehen. Gewerbebetriebe müssen auch weiterhin für Kunden, Handwerker und Dienstleister erreichbar bleiben. Eine gesonderte Ausweisung von Ladezonen und gewerblich nutzbaren Stellplätzen ist unabdingbar.