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...Prof. Dr. med. Dr. h.c. mult. Wolfgang Holzgreve, MBA

Wolfgang Holzgreve studierte Medizin in Münster und erwarb zusätzlich 1976 an der UC Berkeley einen Master in Public Health. Nach Staatsexamen, Approbation und Promotion 1979 absolvierte er eine Facharztausbildung in Geburtshilfe und Frauenheilkunde sowie ein Fellowship in Reproduktionsgenetik an der UC San Francisco. Nach Habilitation 1986 wurde er 1991 Professor in Münster. Von 1995 bis 2008 war er Ordinarius für Frauenheilkunde sowie Vorsteher der Universitäts-Frauenklinik Basel und erwarb 2007 einen MBA. Seit Januar 2012 ist er Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender am Universitätsklinikum Bonn. Er hat zahlreiche Wissenschaftspreise gewonnen, hält drei Patente und hat sieben Ehrendoktorate. Im Jahr 2018 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. Er ist Mitglied der Leopoldina und im Executive Board der Interacademy Partnership.

Wie schätzen Sie den Gesundheitsstandort Bonn/Rhein-Sieg ein?

Die Region Bonn ist mit der höchsten Krankenhausdichte in Deutschland noch vor Metropolen wie München, Hamburg oder Berlin sehr gut aufgestellt. Erfreulicherweise gibt es unter den Krankenhäusern in Bonn gute Kooperationen durch die die Patienten, z. B. in der Kinderchirurgie, der Geriatrie, in der Onkologie, in der Kardiologie und in anderen Bereichen profitieren.

Wie kommt das Universitätsklinikum durch die Pandemie?

Wir hatten als einziges der 35 Universitätsklinika in Deutschland auch in den zwei Jahren der Pandemie einen Leistungszuwachs, weil wir auch für Patienten ohne Covid-19 zur Verfügung stehen. Neben stationären Behandlungen von über 1.000 Erkrankten haben wir über 25.000 Impfungen und 45.000 Tests durchgeführt sowie ein neues Massentestverfahren entwickelt. Im Rahmen des Kleeblattkonzeptes hat das UKB darüber hinaus mehrere COVID-19-Patienten aus anderen Ländern aufgenommen.

Wie sieht das Krankenhaus der Zukunft aus?

Wir arbeiten schon jetzt mit Standards der Zukunft: Seit letztem Jahr ist das UKB dank eines Projektes mit der Telekom der erste 5G-Campus Deutschlands. Zudem haben wir bereits Ende 2021 die elektronische Patientenakte (EPA) in unseren Kliniken realisiert. Hier gehört das UKB mit zu den Vorreitern in Deutschland. Künftige Themen sind das Machine Learning bei der Verarbeitung von Patientendaten, KI in Forschung und Lehre, aber auch die personalisierte Medizin, die Therapien individuell auf Patienten anpassen kann. Alles steht unter unserem Konzept des „Secure Medical Campus“ in Zusammenarbeit mit dem Cyber Security Cluster Bonn.

Mit dem Bus oder der Seilbahn auf den Venusberg?

Die Seilbahn ist eine nachhaltige, wirtschaftliche und zukunftsorientierte Ergänzung zu den bisherigen Verkehrsmitteln. Die Bevölkerung wächst und damit auch die Verkehrsbelastung. Das merken auch unsere jährlich mehr als 400.000 Patientinnen und Patienten, über 8.000 Mitarbeiter*innen und Besucher*innen auf dem Venusberg. Mit der Seilbahn könnten große Teile des Straßenverkehrs in die Luft verlagert werden und so die Zukunft des guten Standorts sichern.

Wie führt sich ein Unternehmen mit über 8.000 Mitarbeitenden?

Sowohl detailbezogen als auch strategisch vorausschauend. Die positiven Bilanzen der letzten Jahre sind ein Resultat von maximaler Effizienz und entsprechend ständiger Strukturanpassung, sowie der hohen Motivation der Mitarbeiter*innen. 2014 hatten wir noch ein Defizit von 20 Millionen Euro - die jetzigen positiven Bilanzen sind vor allem ein Resultat harter Arbeit, auch unter Pandemiebedingungen. Nachhaltigkeit ist ein weiterer wichtiger Punkt unserer Managementkultur. Als Maximalversorger ist das UKB hinsichtlich des Verbrauchs von Energie und Wasser sowie der Abfallentsorgung mit einer Kleinstadt vergleichbar. Deswegen setzen wir bereits seit Jahren ein strenges Nachhaltigkeitskonzept um, bei dem z. B. Photovoltaikanlagen und auch drei eigene Blockheizkraftwerke das Klinikum sowohl mit Strom und thermischer Leistung versorgen.

Ihr Tipp für eine Freizeitbeschäftigung an Rhein oder Sieg?

Eine Wanderung zur Waldau. Aber auch der Trimm-Dich-Pfad rund um unser UKB auf dem Venusberg ist empfehlenswert. Ich selbst habe mich schon in meinen Jahren in Basel in den Rhein verliebt und bewege mich auch in Bonn gerne an diesem schönen Fluß. Er verkörpert das auch im Beruf wichtige Motto „Panta rhei“.