6x Nachgefragt bei ...

...Nora Mühlmann

Nora Mühlmann hat 2022 für ihre Geschäftsidee das NRW-Gründerstipendium bekommen. Für ihr Label Romi & me entwirft sie schöne Textilien mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit. In ihrem Gartenstudio außerhalb von Bonn stellt sie dafür natürliche Farbstoffe aus Pflanzen und Lebensmittelabfällen her. Damit haucht sie alten Stoffen neues Leben ein und schafft zeitlose Unikate. Nach eigenem Bekunden möchte sie auf diese Weise auch andere Menschen zu einer ganzheitlicheren, nachhaltigeren und kreativeren Lebensweise inspirieren.

https://www.instagram.com/romiandme/              http://www.romiandme.com/


Was hat Sie zur Gründung eines eigenen Unternehmens bewogen?

Das war ein langer Prozess. Ich habe im Bachelor Wirtschaft und Chinesisch studiert und hatte schon immer den Wunsch, Dinge zu entwerfen und zu kreieren. Aber erst nachdem ich kurz vor der Pandemie Mutter geworden bin, habe ich mich wieder mehr mit dem Nähen und Herstellen von Kleidung und Accessoires beschäftigt. Ich habe vor allem alte Stoffe verwendet und upcycled. Und hatte dabei die Idee, die Stoffe mit Naturfarben zu färben. Jetzt sind Naturfarben der Schwerpunkt meiner Arbeit, einschließlich der dazu gehörigen Workshops und Online-Tutorials.

Was sollten Gründende beachten?

Meiner Meinung nach ist es wichtig, bei der Schritt-für-Schritt-Entwicklung des eigenen Unternehmens geduldig und fokussiert zu bleiben. Ich bin mir sicher, dass jeder Macher/kreative Unternehmer nachvollziehen kann, dass sich bei mir fast 100 Prozent meiner Zeit um das eigene Label dreht. Selbst wenn ich mich an einem Sommernachmittag an der Sieg entspanne, denke, plane und träume ich über potenzielle Projekte, Dinge, die ich tun muss oder möchte. Das kann auch überwältigend werden. Hier den Fokus zu bewahren, kann eine große Herausforderung sein.

Wie finden Sie das Gründerstipendium?

Fantastisch! Das Gründerstipendium gibt mir die Möglichkeit mich ganz auf die Konzeption und Umsetzung meiner Gründeridee zu konzentrieren. Durch das Stipendium habe ich mehr unternehmerischen Freiraum und die Chance, meine Projekte ohne Druck umsetzen und damit mehr Kreativität entfalten zu können.

Was verstehen Sie unter Nachhaltigkeit – privat und als Unternehmerin?

Nachhaltigkeit ist DAS Schlagwort unserer Zeit. Ich verstehe darunter, Umwelt- und Klimaschutz in meinen Alltag und meine Tätigkeiten zu integrieren. Privat fahre ich fast ausschließlich Fahrrad oder mit dem ÖPNV und versuche meinen ökologischen Fußabdruck zu klein wie möglich zu halten.

Nachhaltigkeit bedeutet für mich auch Dinge zu reparieren, anstatt sie wegzuwerfen. Wir leben in einer Wegwerf-Gesellschaft und haben verlernt, wie man beispielsweise Löcher stopft oder aus alten Dingen Neues schafft. Genau hier möchte ich ansetzen. Mit meinen Produkten und meinen Workshops möchte ich Anreize, Inspiration und Alternativen zu herkömmlich gefärbten und hergestellten textilen Produkten geben.

Leider werden nur 1 Prozent unserer Alt-Textilien zu neuer Kleidung und Accessoires upcycled. Meiner Meinung nach ist aber selbst ein OEKO-Tex zertifizierter, chemisch gefärbter Stoff eine Ressource, deren Wiederverwertung einen positiven Impact auf unsere Umwelt hat. Deswegen möchte ich für das Thema Upcycling und Färben mit Pflanzen mehr Bewusstsein schaffen.

Wie nachhaltig ist Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis?

Was Mobilität angeht, finde ich sind Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis schon gut aufgestellt. Wir wohnen in einem Dorf und alle zehn Minuten fährt ein Bus nach Bonn oder Siegburg, das ist super. Leider fällt mir immer wieder auf, wie schlecht die Radwege ausgebaut sind.

Nachhaltigkeit bedeutet für mich aber auch, dass es sichere und gut befahrbare Fahrradwege gibt. Häufig sind am Straßenrand zwar viele Parkplätze vorhanden, die das Stadtbild nicht gerade verschönern, doch der Fahrradweg ist - wenn überhaupt- nur als gestrichelte Linie auf der Straße vorhanden. Da ist definitiv noch Luft nach oben.

Ihr Tipp für einen Ausflug in der Region?

Wir wohnen an der Sieg und ich kann nur empfehlen, hierhin eine Fahrradtour zu machen. Der Radweg ist sehr schön und unterwegs gibt es viele grüne, ruhige Stellen zum Picknicken und Schwimmen. Und nicht nur bei Durst kann man sich mit der schönen, kleinen Siegfähre zum Biergarten übersetzen lassen.