Einzelhandelsreport: Neue Konzepte machen Mut in schwierigem Umfeld

IHK beleuchtet Situation der Branche in der Region Bonn/Rhein-Sieg

Erst die Corona-Pandemie, dann Inflation und Kaufzurückhaltung: Die Herausforderungen für den stationären Einzelhandel sind groß. In ihrem Einzelhandelsreport 2024 beleuchtet die Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg die Perspektiven der Branche, ermittelt Branchenkennzahlen und stellt Beispiele für innovative Konzepte aus der Region vor.

„Viele Unternehmen im Handel spüren, dass die Menschen sich seit einiger Zeit eher zurückhalten, Anschaffungen verschieben und generell weniger Geld für den Konsum aufwenden“, sagt Prof. Dr. Stephan Wimmers, Geschäftsführer Standortpolitik der IHK Bonn/Rhein-Sieg. So ist der Konjunkturklimaindex der IHK Bonn/Rhein-Sieg für den Einzelhandel im Herbst um 14 auf 73 Punkte gesunken. Niedriger war dieser Wert lediglich während der Corona-Pandemie. Zudem ist laut Creditreform die Zahl der Insolvenzanmeldungen im Handel im Vergleich zu anderen Branchen zuletzt stärker gestiegen.
 

Standorte mit Funktionsmix sind Vorreiter

„Die Lage ist für viele Handelsunternehmen herausfordernd“, sagt Wimmers. „Es gibt in unserer Region aber auch Entwicklungen, die Mut machen.“ Im Trend sind zunehmend Mischkonzepte. Das heißt, an einem Standort kombinieren ein Unternehmen oder mehrere Anbieter Einzelhandel mit Gastronomie und Freizeitangeboten, mitunter auch mit Hotellerie und Tagungsmöglichkeiten.

„In Zeiten des Onlinehandels kommen einfach nicht mehr so viele Menschen ausschließlich zum Einkaufen in die Innenstädte“, sagt Wimmers. „Corona hat diese Entwicklung beschleunigt. Die Innenstädte sind deutlich besser für die Zukunft aufgestellt, wenn es über den Einkauf hinaus weitere gute Gründe gibt, in die Stadt zu kommen: etwa herausgehobene Veranstaltungen, eine attraktive Gastronomie oder auch ein besonderes Einkaufserlebnis.“ Unternehmen und Standorte, die einen spannenden Funktionsmix unter einem Dach vereinen, sind deshalb für Wimmers Vorreiter. Auch Geschäfte für den täglichen Bedarf, etwa Supermärkte oder Drogerien, können als Frequenzbringer für einzelne Standorte fungieren.
 

Neben Bonn auch Siegburg, Bornheim und St. Augustin besonders anziehend

Politik und Verwaltung können die Veränderungsprozesse in den Innenstädten positiv beeinflussen. Entscheidend sei dabei, sagt Wimmers, dass die Innenstädte für den Lieferverkehr sowie die Besucherinnen und Besucher mit verschiedenen Verkehrsmitteln gut erreichbar bleiben. Mit den Positionen zu Innenstädten und Einzelhandel hat die Vollversammlung der IHK Bonn/Rhein-Sieg in ihrer jüngsten Sitzung diese und weitere zentrale Anforderungen und Maßnahmen für eine attraktive Zukunft der Innenstädte beschlossen. So sollen etwa mehr Grün, Veranstaltungen sowie Sitz- und Spielgelegenheiten für mehr Aufenthaltsqualität sorgen. Außerdem spricht sich die Vollversammlung für ein Leerstands- und kommunales Zentrenmanagement aus.

Im neuen Einzelhandelsreport hat die IHK auch Daten zu der Anziehungskraft der Einzelhandelsstandorte zusammengestellt. In der Region ziehen neben Bonn auch Siegburg, Bornheim und St. Augustin viele Kunden an und weisen damit eine hohe Einzelhandelszentralität aus.