Iran-Krieg schürt wirtschaftliche Unsicherheit in Bonn/Rhein-Sieg

IHK: Strukturreformen im Inland beschleunigen

Sollten die militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten noch länger anhalten, hätte dies weitere negative Folgen für die regionale Wirtschaft in Bonn/Rhein-Sieg. Davor warnt die Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg.

Energie: „Je länger der Krieg, desto größer die Auswirkungen“

„Direkt betroffen sind bislang einzelne Unternehmen mit Verbindungen in die Konfliktregion und sehr kurzfristigen Energieverträgen. Je länger der Krieg andauert, desto größer werden jedoch die Auswirkungen auf die hiesige Wirtschaft sein“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Hubertus Hille. Dies liege insbesondere an der Entwicklung der Energiepreise. „Noch spüren die Unternehmen die Auswirkungen vor allem an der Zapfsäule. Dauerhaft erhöhte Energiepreise bei Öl und Gas würden aber mit der Zeit insbesondere auf die produzierenden Unternehmen durchschlagen. Die können sich derzeit in vielen Fällen noch auf langfristige Lieferverträge stützen, die aber früher oder später erneuert werden müssen. In Einzelfällen sind schon jetzt Betriebe damit konfrontiert.“

Stimmung: Konflikt wirkt sich auch psychologisch aus

Nicht zu unterschätzen seien auch die psychologischen Auswirkungen. „Seit 2020 sind wir quasi im Dauerkrisen-Modus“, sagt Hille. „Die jetzige Situation sorgt für Unsicherheit und verdüstert so die zarten Hoffnungen auf eine Erholung der Wirtschaft.“

Impulse durch den globalen Handel seien angesichts des Krieges erst einmal nicht zu erwarten. Die Bundesregierung könne aber zumindest ihre eigenen Hebel noch stärker in Bewegung setzen, sagt Hille. „Wir müssen die ‚Sondervermögen‘ so zielgerichtet wie möglich einsetzen und damit die Binnenkonjunktur ankurbeln. Zusätzlich sollte die Regierung die Wirtschaft mit zielgerichteten Reformen stärken und bei den Unternehmenssteuern früher als angekündigt entlasten.“ Die Krise unterstreiche zudem, wie wichtig Bemühungen für mehr Resilienz bei den Lieferketten und Energieimporten seien.

Hintergrund:

Die rund 125 energieintensiven Betriebe in Bonn/Rhein-Sieg erwirtschaften insgesamt einen Umsatz von mehr als vier Milliarden Euro und beschäftigen direkt rund 16.000 Menschen (Anteil an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten: 4,4 Prozent). Durch ihre hohe Wertschöpfungstiefe sind von ihnen auch viele Zulieferer und Dienstleister abhängig.

IHK-Beratung für Mitglieder:

Das Team International der IHK Bonn/Rhein-Sieg unterstützt IHK-Mitglieder, die durch den Iran-Krieg beeinträchtigt sind und vermittelt den Kontakt zu den Auslandshandelskammern in den Konfliktregionen. Mehr Informationen und Kontaktdaten unter https://www.ihk-bonn.de/international.