Region schöpft Potenzial bei digitaler Vernetzung noch nicht aus

Studie bescheinigt aber gut Ausgangsbedingungen

Mit 4.500 Betrieben und mehr als 25.000 Beschäftigten ist die IT-Branche ein wichtiger Faktor für die Wirtschaft in Bonn/Rhein-Sieg. Wie erfolgreich aber ist die Region bei der Digitalisierung in verschiedenen Schlüsselkategorien im bundesweiten Vergleich? Und schöpft sie ihr unbestrittenes Potenzial derzeit voll aus? Diesen Fragen ist die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg im Auftrag der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg in einer Studie nachgegangen. Mithilfe des Konzepts der „Smart-Region“ hat sie dabei die Potenziale digitaler Technologien in unterschiedlichen Bereichen wie Bildung, Energie oder Kommunikation in der Region untersucht.

„Die einzigartige Kombination aus Bundesinstitutionen, Dax-Konzernen, einem starken Mittelstand und herausragenden Bildungseinrichtungen in unserer Region ist auch für die Wirtschaft ein echtes Pfund“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Hubertus Hille. „Mit einer besseren Vernetzung und mehr Zusammenarbeit, insbesondere zwischen Kommunen, Wirtschaft und Wissenschaft, können wir aus diesen Stärken aber noch mehr machen. Die neue Publikation liefert dafür Ansatzpunkte.“

Digitale Plattformen in der Region nicht ausreichend vernetzt

So zeigt die Untersuchung, dass die Kommunen in der Region zwar eine ganze Reihe von digitalen Plattformen betreiben, diese bislang jedoch in der Regel nicht miteinander vernetzt sind. Unterschiedliche Datenmodelle und Zugriffsprotokolle erschweren Austausch und Zusammenarbeit. „Für Unternehmen ist es derzeit fast unmöglich, diese Daten für eigene Geschäftsideen zu nutzen“, sagt Prof. Dr. Michael Rademacher vom Institut für Sicherheitsforschung der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. „Um langfristig und möglichst einfach zusammenarbeiten zu können, sollte ein regional abgestimmtes Datenrahmenwerk auf Basis offener Standards genutzt werden.“

Bornheim vorne: Große Unterschiede bei Glasfaser-Anbindung

Große Unterschiede gibt es in der Region indes bei der Versorgung mit Glasfaser-Anschlüssen. So sind laut Gigabit-Grundbuch mehr als 80 Prozent der Unternehmen in Bornheim und Windeck direkt an ein Glasfaser-Netz angeschlossen. Demgegenüber erreichen fünf der insgesamt 20 Kommunen aus dem IHK-Bezirk, darunter Bonn und Siegburg, nur eine Abdeckung von weniger als 20 Prozent.

„Leerrohre wann immer möglich nutzen“

Allerdings können mit älteren Technologien, etwa Koaxialkabeln oder Vectoring, für heutige Anwendungen häufig noch ausreichende Datenübertragungsraten erzielt werden. „Für eine Zukunft mit steigender Nachfrage nach möglichst schnellen Datentransfers ist jedoch eine möglichst umfassende Versorgung mit Glasfaseranschlüssen ein sehr wichtiger Faktor“, sagt Prof. Dr. Rademacher. Um den Glasfaserausbau in der Region zu beschleunigen, so Rademacher, sollten Leerrohre, wann immer möglich, mit verlegt und entsprechende Förderprogramme genutzt werden.

Demgegenüber überzeugt Bonn beim 5G-Mobilfunk mit einer nahezu flächendeckenden Verbreitung. Der Rhein-Sieg-Kreis erreicht eine 96-prozentige Abdeckung.

IT-Wirtschaft: Schon heute fehlen mehr als 500 Arbeitskräfte

Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels steht auch der IT-Wirtschaft selbst in den kommenden Jahren eine Transformation bevor. Laut dem aktuellen Fachkräftemonitor von IHK NRW fehlen in Bonn/Rhein-Sieg schon heute mehr als 500 Arbeitskräfte im Bereich der Informations- und Telekommunikationstechnik. Bis 2035 könnte diese Zahl noch auf bis zu 1.500 Stellen anwachsen.

Automatisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Unternehmen könnten den Fachkräftemangel jedoch zu lindern helfen. Diese und weitere Herausforderungen der IT-Wirtschaft in Bezug auf Nachhaltigkeit hat die IHK in einer weiteren Untersuchung analysiert, dem Nachhaltigkeitsbericht IT-Wirtschaft.