Die Entwicklung der Wirtschaft in Bonn/Rhein-Sieg kommt weiter nicht in Fahrt. Das zeigt der neue Konjunkturbericht der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg. So liegt der Konjunkturklimaindikator mit 96 Punkten nur geringfügig über dem Vergleichswert aus dem Vorjahr und damit weiterhin unter der wichtigen Marke von 100.* Derzeit rechnet nur knapp jedes fünfte Unternehmen mit einer Verbesserung seiner wirtschaftlichen Lage.
„Die massiven Schuldenpakete der Bundesregierung haben bislang nichts daran geändert, dass die Stimmung bei vielen Unternehmen in unserer Region weiterhin gedämpft ist“, sagt IHK-Präsident Stefan Hagen. „Im laufenden Jahr werden die verstärkten Investitionen in die Infrastruktur hoffentlich konjunkturell wirksam. Das ist eine neue Chance für die Bundesregierung, die sie unbedingt nutzen sollte. Es braucht tiefgreifende Strukturreformen. Nur dann wird ein nachhaltiger, nicht rein schuldengetriebener Aufschwung möglich.“
Hoher Krankheitsstand belastet Betriebe
Dass die Unternehmen in der Region neben Aspekten wie der überlasteten Infrastruktur, dem Fachkräftemangel oder Zollkonflikten mit weiteren Herausforderungen umgehen müssen, zeigt eine Sonderbefragung der IHK. So berichten rund 60 Prozent der Unternehmen, der Krankenstand sei in den vergangenen Jahren gestiegen. Bei neun von zehn Betrieben führt dies zu einer erhöhten Belastung der restlichen Belegschaft. Laut einer OECD-Auswertung fehlen Beschäftigte in Deutschland deutlich häufiger wegen Krankheit als zum Beispiel in Dänemark, Polen oder den Niederlanden.
„Der hohe Krankenstand und die steigenden Kosten in den Sozialversicherungen setzen viele Unternehmen unter Druck, im Betriebsalltag und bei den Arbeitskosten. Das Problem ist vielschichtig, klar ist aber, dass sich die Situation zu einer erheblichen Belastung für den Wirtschaftsstandort entwickelt hat. Insbesondere für die Industrie, die im globalen Wettbewerb steht, ist das ein Faktor bei der Wettbewerbsfähigkeit“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Hubertus Hille. „Die Unternehmen haben zurecht die Erwartung, dass die Politik auf die zunehmende Schieflage in den sozialen Sicherungssystemen umfassend reagiert und sie demographiefest macht.“
Unternehmen fordern Strukturreformen
Gefragt nach möglichen Reformmaßnahmen, sprechen sich zwei Drittel der Betriebe für Strukturreformen in der Gesundheitsversorgung aus. 80 Prozent halten eine Stärkung der Gesundheitsprävention für sinnvoll.
An der Konjunkturumfrage haben sich im Januar 2026 rund 350 Unternehmen beteiligt, an der Sonderumfrage zum Krankenstand mehr als 170. Den vollständigen Wirtschaftslagebericht mit allen Branchenergebnissen finden Sie unter www.ihk-bonn.de/konjunktur.
* Werte oberhalb dieser Schwelle zeigen eine positive Wirtschaftsentwicklung an.


