Künstliche Intelligenz bietet der Wirtschaft enorme Potenziale – wenn sich Unternehmen auf KI einlassen und die digitale Infrastruktur im Land ausgebaut wird. Das war am Dienstagabend (7. Juli) eine Kernbotschaft, die vom Empfang der Wirtschaft ausging, den die Handwerkskammer (HWK) zu Köln, die Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg und die Kreishandwerkerschaft Bonn/Rhein-Sieg erstmals ausrichteten. Mehr als 1.000 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Kultur und Wissenschaft folgten der Einladung in das Plenargebäude des World Conference Centers (WCCB). Dort findet noch bis Mittwochabend die zweitägige „AI26 – The Lamarr Conference“ statt, in die der Empfang der Wirtschaft eingebettet war.
Mit der gemeinsamen Veranstaltung sende man ein klares Signal, sagte HWK-Präsident Thomas Radermacher: „Wir wollen trotz der herausfordernden Zeiten die wirtschaftliche Entwicklung unserer Region nachhaltig erfolgreich gestalten. Dafür stehen wir als Handwerk, Industrie und Wirtschaft geschlossen zusammen und bringen unsere Anliegen mit einer Stimme in Politik und Verwaltung ein.“
Eine große Herausforderung für die gesamte Wirtschaft ist aktuell die gesperrte Nordbrücke in Bonn: „Nach dem Brückenschock stellt sich die Region auf die neue Realität ein und arbeitet an gemeinsamen Lösungen. Es ist ein wirklicher Lichtblick, dass Bonn trotz aller Schwierigkeiten gerader außerhalb der Hauptverkehrszeiten weiterhin gut erreichbar ist. Zeit zum Ausruhen haben wir dennoch nicht. Die Nordbrücke als zentrale regionale Lebensader muss mit höchstem Tempo ertüchtigt werden, damit unsere starke regionale Wirtschaft diese kritische Phase bewältigen kann“, sagte IHK-Präsident Stefan Hagen.
Zum Hauptthema des Abends leitete Michael Christmann, Kreishandwerksmeister Bonn/Rhein-Sieg, über. Er machte deutlich, dass KI zwar andere Branchen deutlich stärker verändere, sich aber auch das Handwerk nicht zurücklehnen dürfe: „KI ersetzt das Handwerk nicht. Aber Handwerksbetriebe, die KI klug nutzen, werden im Wettbewerb vorne liegen.“
Keynote von Telekom-Chef Timotheus Höttges
Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom AG, hielt eine Keynote mit dem Titel „Wohlstand durch Wandel – KI als Jahrhundertchance“. Höttges skizzierte nicht nur den Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei der Deutschen Telekom, sondern auch die Möglichkeiten von KI für die Wirtschaft generell. Er richtete auch den Blick darauf, wie fundamental KI sich bereits jetzt auf die Lebensqualität unserer Gesellschaft auswirkt – und was noch folgt. „KI ist unsere größte Chance“, sagte Höttges. „Aber es bedeutet auch lebenslanges Lernen. Unternehmerinnen und Unternehmer haben jetzt die Aufgabe, Neugierde statt Angst zu wecken. Das brauchen wir in Europa, Deutschland und Bonn.“
Talkrunde zum Thema „Digitale Souveränität im KI-Zeitalter“
Nach seinem Gastvortrag sprach Höttges in einer Talkrunde zum Thema „Digitale Souveränität im KI-Zeitalter“. Neben ihm diskutierten Guido Déus, Oberbürgermeister der Bundesstadt Bonn, Dr. Andrea Niehaus, Leiterin des Deutschen Museums Bonn, und Prof. Dr. Stefan Wrobel, Wissenschaftlicher Direktor des Lamarr-Instituts für Maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz, mit Moderatorin Melanie Bergner.
Déus erläuterte, worin die größten praktischen Hürden mit Blick auf Digitalisierung und KI in der Verwaltung liegen. So müsse die Stadt Bonn insgesamt 22,5 Kilometer Akten digitalisieren – erst vier davon seien geschafft. Wrobel betonte die Bedeutung der Entwicklung wettbewerbsfähiger KI-Modelle in Deutschland und Europa, um eine dauerhafte Abhängigkeit vor allem von insbesondere US-amerikanischen Technologiekonzernen zu verhindern. Er sei optimistisch, dass der bestehende Rückstand aufgeholt werden könne. Niehaus erklärte, wieso nicht nur in Schule, Ausbildung und Hochschule KI-Kompetenz aufgebaut werden muss, sondern dass KI auch ins Museum gehört - damit sie für jedermann sichtbar wird und die Besucherinnen und Besucher sich mit Chancen, Herausforderungen und Risiken der Schlüsseltechnologie auseinandersetzen. Im Deutschen Museum Bonn lässt sich die Welt der KI im Forum für Künstliche Intelligenz erleben. Gäste können dort der KI beim Denken zuschauen oder autonomes Fahren im Simulator erleben.

