Unternehmen schätzen Bonner Bühnen, lehnen Zusatzbelastung jedoch ab

IHK-Umfrage zeigt vielschichtiges Meinungsbild zu städtischen Plänen

Eine Mehrheit der Unternehmen in Bonn/Rhein-Sieg schätzt das kulturelle Angebot von Oper und Schauspiel in Bonn. Jedoch ist zugleich eine Mehrzahl der befragten Unternehmen nicht bereit, neue Belastungen bei den Kommunalsteuern für Sanierung oder Neubau beider Häuser in Kauf zu nehmen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg, an der sich im Juli 2026 rund 400 Mitgliedsbetriebe der IHK beteiligt haben.

„Die Haushaltssperre hat jetzt noch einmal ganz deutlich unterstrichen, wie ernst die finanzielle Lage der Stadt Bonn ist. Klare Priorisierungen und ein Fokus auf die nachhaltige Finanzierbarkeit von Großprojekten sind mehr denn je gefragt“, sagt IHK-Präsident Stefan Hagen. „Aus Sicht der Wirtschaft braucht es kreative Lösungen, um ein attraktives Kulturangebot, aber auch die finanzielle Handlungsfähigkeit der Kommune zu erhalten. Einsparungen wären möglich durch Sponsoring, Partnerschaften mit Unternehmen oder ein gemeinsames Bühnenkonzept mit anderen Kommunen auf der Rheinschiene.“

Mehr als die Hälfte gegen Zusatzbelastung oder für Abstriche

In der Umfrage sprechen sich rund 57 Prozent der Betriebe für den Erhalt von Oper und Schauspielhaus aus. Noch höher ist dieser Anteil unter den IHK-Mitgliedern im Gastgewerbe und der Kultur- und Kreativwirtschaft sowie den Bonner Unternehmen. Sie profitieren von dem Kulturangebot häufiger als andere Unternehmen. Allerdings ist branchenübergreifend und in beiden Gebietskörperschaften deutlich mehr als die Hälfte der Unternehmen gegen eine zusätzliche Belastung bei den Kommunalsteuern zur Finanzierung der Pläne, beide Häuser zu erhalten, oder verlangt Abstriche.

„In diesem Vorbehalt“, sagt Präsident Hagen, „drückt sich die anhaltende Konjunkturschwäche und die in Bonn/Rhein-Sieg schon jetzt im innerdeutschen Vergleich starke Belastung der Unternehmen bei der Gewerbesteuer aus.“

Kulturangebot unter zehn Standortfaktoren Letzter

Das Kulturangebot gilt gemeinhin als sogenannter weicher Standortfaktor. In der Umfrage haben die Betriebe das Kulturangebot unter insgesamt zehn Standortfaktoren als am wenigsten wichtig bewertet. Allen voran die Verkehrsinfrastruktur, Sicherheit sowie das Bildungs- und Wohnungsangebot haben für sie eine deutliche größere Bedeutung.

„In der Beethoven-Stadt Bonn ist das Kulturangebot auch für viele Unternehmen ein relevanter Faktor, der zudem über die Stadtgrenze hinaus wirkt“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Hubertus Hille. „Ein neues Bühnenkonzept darf jedoch nicht dazu führen, dass am Ende auf Jahrzehnte Mittel für noch Wichtigeres wie die Verkehrsinfrastruktur oder Kindertagesstätten und Schulen fehlen.“

Keine klare Präferenz bei Standortfrage

An der digitalen Befragung der IHK haben sich im Juli 2026 rund 400 Mitgliedsunternehmen beteiligt. Eine eindeutige Präferenz für die Wahl möglicher Standorte (am Rhein oder in Beuel) hat sich dabei nicht gezeigt.